Dittes (Friedr.), angesehener Schulmann, geb. 23. Sept. 1829 zu Irfersgrün im sächs. Vogtlande, besuchte 1844—48 das Seminar zu Plauen, betrieb dann privatim Gymnasialstudien, die er auf der Nikolaischule zu Leipzig abschloß, bezog 1851 die Universität daselbst, mußte jedoch nach dem dritten Semester wegen Mangel an Subsistenzmitteln seine Studien unterbrechen, und führte sie dann erst 1858—60 ebendaselbst zu Ende. ald wurde er im Herbst 1860 Subrektor der Realschule und des Gymnasiums zu Chemnitz, nachdem er sich schon früher an der Volksschule zu Thalheim, dann an den Bürgerschulen zu Reichenbach lauen und Leipzig im praktischen Schuldienst bethätigt hatte. Ostern 1865 ward er als Schulrat und Seminardirektor nach Gotha und 1868 zum Direktor des Pädagogiums in Wien berufen. Hier entfaltete er eine reiche pädagogische Wirksamkeit und fand auch Gelegenheit, politisch thätig zu sein, indem er 1870 —73 Mitglied des niederösterr. Landesschulrats war und 1873—79 den dritten wiener Kreis als Deputierter im österr. Reichsrat vertrat. Der liberalen Richtung angehörig, trat er hier entschieden für Hebung der Schule, Uamentlich der Volksschule, und für eine freiere Gestaltung des Kirchenwesens ein. In gleichem Sinne hatte er schon früher gewirkt, namentlich 1864 auf der Lehrerversammlung in Chemnitz, und dadurch Anstoß zur Reform des sächs. Seminarwesens sowie mittelbar der der sächs. Volksschule überhaupt gegeben. In philos. Beziehung haben Beneke und Herbart einen wesentlichen Einfluß auf D. ausgeübt; praktisch steht er im wesentlichen mit Pestalozzi und Diesterweg auf einem Boden. Unter seinen Schriften sind neben mehrern 1 namentlich zu nennen: „Grundriß der Erziehungs⸗ und Unterrichtslehrer (Epz. 1868), Geschichte der Erziehung und des Unterrichtso» (Lpz. 1871), „Praktische Logiko (Wien 187²) 30 derO der Psychologies (Wien 1873), K«Methodik der Schuley (Lpz. 1874); diese fünf Schriften, sämtlich bereits in mehrern Auflagen erschienen, sind neuerdings in eine Gesamtausgabe vereinigt unter dem Titel «Schule der Pädagogiko (Lpz. 1876). Seit 1878 gibt er unter dem Titel „Pädagogium, Monatsschrift für Erziehung und Unterrichteo ein umfassendes päbagogisches Organ, heraus. Unter dem Ministerium Taaffe wurde D. in mancherlei amtliche Konflikte verwickelt, welche ihn veranlaßten, seine Pension zu nehmen (Sommer 1881); eine Darstellung dieser Vorgänge veröffentlichte er im 4. Jahrgang des Pädagogiums».