FeedCzelakowsky (Franz Ladislaw)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Czelakowsky (Franz Ladislaw), einer der nam966. ten neuern böhm. Dichter und Schriftsteller, geb. 7. März 1799 zu Strakonitz, besuchte von 1812 an das Gymnasium zu Budweis, von 1816—17 das zu Pisek. Den philos. Kursus machte er teils auf dem Lyceum zu Linz, teils in Prag. Er nahm dann, um ganz seiner litterarischen Neigung zu leben, 1821 eine Erzieherstelle an, die er sieben Jahre bekleidete und redigierte 1834 die amtliche böhm. «Prager Zeitungo und die damit verbundene belletristische Zeitschrift Bienev, während er zuleich an der Universität öffentliche Vorlesungen über böhm. Sprache und Litteratur begann. Doch schon 1835 mußte er wegen eines gegen Rußland gerichteten Artikels die Redaction des Amtsblattes niederlegen und wurde seiner provisorischen Pro31 0 enthoben. Dafür gewann er aber die Gunst er öffentlichen Meinung, und der Fürst Kinsky ernannte ihn zu seinem Bibliothekar. Im Juni 1840 ward C. von der böhm. Gesellschaft der Wissenschaften in Prag zum Mitglied erwählt und im April 1842 auf den neuerrichteten Lehrstuhl der slaw. Sprache und Litteratur an der Universität Breslau berufen. Im Herbst 1849 verließ er indes Breslau und wirkte seitdem als ord. Professor der slaw. Sprache und Litteratur zu Prag, wo er 5. Aug. 1852 starb. C. zählt zu den namhaftesten Vertretern der neuern czech. Litteratur; seine Gedichte zeichnen sich durch klassische Form, poetischen Schwung und gesunden Humor aus. Er wandte sich schon frühzeitig dem volkstümlichen Gebiete zu, auf welchem er unter den neuern böhm. Dichtern das Vorzüglichste geleistet hat. Außer seinen eigenen «Vermischten Gedichten » (Prag 1822; neue Aufl. 1830) gehören seiner frühern litterarischen Thätigkeit an: eine Sammlung slaw. Volkslieder haller Stämme mit czech. Übersetzung (3 Bde., Prag 1822—27), die Übertragungen litauischer Volkslieder (Prag 1827), sowie einiger deutscher und engl. Dichtwerke. Sodann folgten das «Echo russ. Nationallieder o (Prag 1829) und das „Echo böhm. Nationalliedero (Prag 1840), sowie die 4Centifoliav Prag 1840), letzteres eine Sammlung von 100 Gedichten teils erotischen, teils naturphilos. Inhalts. Auch veröffentlichte er eine Gesamtausgabe seiner „Gedichter» (Prag 1847). Sodann lieferte C. Arbeiten zur Kunde der böhm. Sprache und Litteratur, sowie Hilfsbücher für den höhern Unterricht. Zu erstern gehören die Böhm. Rechtschreibungslehrev (Prag 1840; 2. Aufl. 1842), Nachträge zu Jungmanns böhm. Wörterbuchv (Prag 1851), «Philosophie des slaw. Volkso (Prag 1851), eine ausgezeichnete Sammlung slaw. Sprichwörter und Vorlesungen über die vergleichende slaw. Grammatiko (Prag 1853); zu letztern das „Böhm. Lesebuch für Gymnasien » (4 Bde., Prag 1851—52). Seine gesammelten Korrespondenzen erschienen in Prag (1864), seine gesammelten Werke ebenda (2 Bde., 1871—76). Eine Biographie C.s hat Hanusch (Prag 1855) veröffentlicht. — Sein ältester Sohn ist der Botaniker Ladislaw C. (s. d.); ein zweiter Sohn, Jaromir C., geb. 1846, hat sich durch Forschungen und Monographien über ältere böhm. Rechtsverhältnisse und Rechtsdenkmäler hervorgethan.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 754Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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