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ErdkundeBrockhaus 1882

Dolmen (aus dem kelt. Daul, d. i. Tisch, und Maen, d. i. Stein, Steintisch), in England Cromech (gleichfalls aus dem kelt. Crom, d. i. Kreis, und Lech, d. i. Stein, Steinkreis), in Dänemark Steendysser (Steingräber) und Jättestuer (Riesenstuben), in Deutschland Hünengräber, Steinhäuser, Riesenbetten, ist die Bezeichnung für die aus großen Steinmassen gebildeten Denkmäler aus vorhistor. Zeit, die man früher, indessen ohne zureichenden Grund, den Kelten zuschrieb. In der Nähe derselben finden sich oft einzeln aufgerichtete Steine, Menhirs (s. d.). Die D., amegalithische y Monumente, können in zwei Klassen geteilt werden, in die unbedeckten, welche weder jetzt noch früher unter einem Erdhügel standen, und in solche, die durch einen Hügel oder Tumulus von oft beträchtlicher Höhe bedeckt sind. Jene sind die eigentlichen D., zu diesen gehören die Dolmenhügel in Frankreich und in andern Ländern, die Gangbauten auf Sylt und in Skandinavien, die Jattestuer in Dänemark. Die D. bestehen in der Regel aus einem oder mehrern unbehauenen Steinkolossen, die auf mehrern in die Erde gepflanzten kleinern Steinblöcken (Trägern) oder auf einem Steinhaufen liegen und so eine oder mehrere Kammern bilden. Der Boden der letztern ist gewöhnlich mit kleinern Steinen gepflastert, auch finden sich oft die senkrechten Kammersteine mit solchen ausgezwickt, besonders in den bedeckten D. Unter diesen nehmen die sog. Ganggräber eine hervorragende Stellung ein: zu den Kammern derselben führen von außen gleichfalls bedeckte Gänge, weshalb manche Altertumsforscher geneigt sind, in diesen Anlagen zum Teil vormalige Wohnungen der Urmenschen anzunehmen. Die Verbreitung der D. ist eine ungemein weite: sie erscheinen in den deutschen Küstenländern bis Königsberg, südlich bis zum Kreise Ziegenrück in Thüringen, in Schleswig-Holstein und Jütland, auf Fünen und Seeland, im Südwesten von Schweden und in Norwegen bis Smaalenene (59. Breitegrad), zahlreich dann auf den brit. Inseln, in Frankreich und auf der Pyrenäischen Halbinsel, in erstaunlich großer Menge im nördl. Afrika (Algier), auch in Arabien, Palästina, am Kaukasus, in Indien, wo die Khasias noch heute derartige Anlagen errichten, und noch auf der Küste von Malabar, selbst in Amerika, nämlich in Peru. Der Charakter derselben bleibt sich im ganzen überall gleich; die indischen D. haben in einer ihrer vier Seitenwände ein rundes Loch, welches mit den über das Begräbnis Periorbenen zuf Diensten der Speisung u. dgl. des Verstorbenen zusammenhängt. Zu den schönsten Denkmälern in Deutschland gehört das bei Thuine im Osnabrückischen und zu den größten das bei Hekese ebendort. Sie liegen frei. Als eins der interessantesten Beispiele der in einem künstlich aufgeschütteten Erd- und Steinhügel verborgenen Kammern ist die auf der Insel Gavr'innis bei Carnacim Morbihan zu erwähnen. Der sie deckende Hügel hat eine Höhe von 10 m und einen Umfang von 100 m. Die tafelförmigen Steine des Eingangs von Granit zeigen eingehauene Figuren: Schlangen, Axte, gerade Linien, konzentrische Bogenlinien, Zickzacke, Ellipsen u. dgl. Derartige Figuren sind in einigen Denkmälern Frankreichs und Mitteldeutschlands an den innern Wandflächen sogar mit Farben ausgeführt. liber die Bedeutung der D. kann jetzt nach den darin gemachten Funden kein Zweifel mehr herrschen: die verbrannten und unverbrannten menschlichen Gebeine in denselben mit den Beigaben aus Stein, Knochen, Muscheln u. s. w., in den spätern auch aus Metall (Gold, Bronze, Eisen), charakterisieren sie als Gräber. Zeitlich hat man sie wohl der sog. neolithischen Periode (des geschliffenen und polierten Steins) zugeteilt, allein sie reichen zum Teil in eine viel jüngere Zeit herab, indem in einigen Münzen aus der spätern röm. Kaiserzeit gefunden worden sind. Unsicher dagegen ist bis jetzt, von wem die D. errichtet wurden. Den Kelten hat sie für Frankreich Alex. Bertrand abgesprochen; andererseits ist nicht daher pen eit daß so zahlreiche und gewaltige Denkmäler von einem einzigen Wandervolke erbaut wurden; so kann man sie einstweilen überhaupt nur als Erscheinungen einer bestimmten Kulturstufe ansehen, nicht als chronologisch überall in allen Ländern gleichzeitige Monumente: bei Völkern von rascherer und früherer Entwickelung verschwanden diese Denkmalsformen früher als bei später und langsamer in der Kultur vorschreitenden; sie sind im allgemeinen das Erzeugnis eines gleichartigen Triebes, gewissen Anschauungen einen entsprechenden Ausdruck zu geben. Ein bestimmtes »Dolmenvolko hat indes niemals existiert. Vgl. von Bonstetten, Essai sur les dolmensv (Genf 1865); Joly, (Der Mensch vor der Zeit der Bibliotheko, Lpz. 1880); J. Fergusson, „(Rudestone monuments in all countriesb (Lond. 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 443Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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