Dolomit (nach dem franz. Mineralogen Dolomieu genannt), auch Bitterkalk oder Braunspat, ist die Bezeichnung für ein Gestein und zugleich auch für das Mineral, aus welchem dasselbe in seiner normalen Beschaffenheit besteht. Das Mineral D. krystallisiert rhombödrisch-hexagonal, isomorph mit dem Kalkspat, und ist chemisch eine Verbindung von kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Magnesia, meist zu je 1 Molekül. Rußerlich läßt sich das Dolomitgestein oft kaum von dem Kalkstein, dem bloß aus kohlensaurem Kalk bestehenden Aggregat von Kalkspatindividuen, unterscheiden; es ist etwas härter und etwas schwerer als Kallstein und braust auch in derben Stücken, nur viel schwächer, mit kalter Chlorwasserstoffsäure auf. Das Dolomitgestein, welches normal aus 54,35 Proz. Calcium- und 45,65 Proz. Magnesiumcarbonat zusammengesetzt ist, bildet bald statuenmarmor- oder zuckerähnliche, deutlich krystallinische, bald dichte, auch oolithische und cavernöse Varietäten (Rauchwacke) und tritt einerseits schon im Gebiet der alten krystallinischen Schiefer, andererseits in fast allen sedimentären Formationen jedweden Alters auf, am reichlichsten entwickelt im Devon, der obern Dyas, der Trias und dem Jura, vielfach in gewaltigen, höhlenreichen Felsformen mit zerrissenen, ruinenähnlichen Konturen (Gegend von Altenstein und Liebenstein in Thüringen, von Muggendorf und Streitberg in der Fränkischen Schweiz, die landschaftlich berühmten, wildgestalteten Kolosse Südtirols im Fassa⸗- und Ampezzothal). Wahrscheinlich hat man in vielen dieser Ablagerungen ehemalige Korallenriffe zu erblicken. Andere D. sind ursprüngn gewöhnliche Kalksteine gewesen, welche durch Zufuhr einer Lösung von doppeltkohlensaurer Magnesia eine Umwandlung erlitten, oder sie sind aus schwach magnesiahaltigen Kalksteinen entstanden, in denen durch atmosphärische, kohlensäurehaltige Gewässer das Kalkcarbonat teilweise ausgelaugt und so das Magnesiacarbonat erheblich angereichert wurde. Zwischen dem D. und dem Kalkstein stehen die sog. dolomitischen Kalksteine, welche weniger Magnesia und mehr Kalk besitzen als der normale D. und eine sehr weite Verbreitung haben.