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ReligionBrockhaus 1882

Domschulen oder Stiftsschulen hießen im Mittelalter die Schulen, welche bei den Domstiftern oder Kathedralkirchen bestanden und von Geistlichen derselben geleitet wurden. Sie hatten zunächst die Bestimmung, diejenigen, welche in den Dienst der Kirche treten sollten, für venselben durch wissenschaftlichen Unterricht und fromme Uübungen vorzubereiten; nebenbei dienten sie auch dazu, solche, die für weltliche Thätigkeit einer höhern geistigen Ausrüstung bedurften, bis zu einer gewissen Stufe emporznfuhren. In diesen Schulen lehrte man gewöhnlich nur das Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik), selten alle sieben freien Künste (außer den drei genannten: Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik (das 3 . suf Es lassen sich für die Geschichte der D. fünf Perioden annehmen: 1) Zeitalter der Begründung kirchlicher Ordnungen bei den german. Völkern: Schulen an den Bischofssitzen in Italien und Spanien, in England und im Merovingerreiche, Konzilienbeschlüsse für die Bildung des Klerus. 2) Zeitalter der Karolinger: Karls des Großen Kapitulare von 789, Anordnungen der Aachener Synode von 802, umfassende Thätigkeit des Hrabanus Maurus, zahlreiche D. im Westfränkischen und im Ostfränkischen Reiche. Die Klassiker werden mehr berücksichtigt, die lat. Poesie wird gepflegt. 3) Zeitalter der sächs. Kaiser und der ersten Capetinger (Gerbert): Blütezeit der D., besonders im nordwestl. Deutschland (Utrecht, Hildesheim, Paderborn). 4) Zeitalter des Verfalls seit der Mitte des 11. Jahrh. 5) Zeitalter der großen Umgestaltungen: die Brüder vom gemeinsamen Leben, der Humanismus auch in den D. u Münster), die Reformation. Einige Gymnasien, in Magdeburg, Halberstadt, Merseburg und Naumburg, werden noch jetzt Domgymnasien genannt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 456Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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