Dordrechter Synode, eine zur Beilegung der Arminianischen Streitigkeiten vom 13. Nov. 1618 bis 9. Mai 1619 zu Dordrecht abgehaltene Synode der reform. Kirche. An der Spitze der Arminianer standen damals die Hauptführer der republikanischen Partei, Oldenbarneveld, Hugo Grotius und Hogenbeet, dagegen trat Moritz von Oranien auf die Seite der Kontraremonstranten. Nachdem jene drei Führer 28. Aug. 1618 verhaftet waren (Uòxtenbogaert entging demselben Schicksal nur durch die Flucht) und in mehrern Staaten die Magistrate gewaltsam verändert waren, wurde der jahrelange Streit, ob eine Generalsynode der gesamten reform. Kirche oder eine Nationalsynode Winaalmn holländ. Staaten oder nur einzelne Provinzialsynoden beuen werden sollten, um den kirchlichen Streit beizulegen, zu Gunsten der Abhaltung einer Nationalsynode entschieden, zu welcher jedoch auch Abgesandte der wichtigsten auswärtigen Kirchen eingeladen werden sollten. Man wandte sich in diesem Sinne an die reform. Kirche Frankreichs, an den König von England, den Kurfürsten von der Pfalz, den Kurfürsten von Brandenburg, den Landgrafen von Hessen, die vier vornehmsten Orte der deutschen Schweiz Zürich, Basel, Bern, Schaffhausen), die Republik Genf, an Bremen, den Grafen von Ostfriesland und an die wallonischen und franz. Gemeinden Belgiens. Nur Anhalt wurde nicht eingeladen, weil die Rechtgläubigkeit der anhalter Kirche bezweifelt wurde. Die Gesandten der franz. Kirche wurden gehindert, nach Dordrecht zu reien: der Kurfürst von Brandenburg lehnte die Beschickung der Under ab, wahrscheinlich aus Rücksicht für seine luth. Unterthanen. Die übrigen Kirchen wählten Vertreter und instruierten dieselben sämtlich dahin, gegen die Arminianer zu stimmen. In demselben Sinne waren auch unter dem zunehmenden Einfluß Moritz' von Oranien in Holland die Wahlen der Provinzialsynoden ausgefallen. Nur in Utrecht hatten die Arminianer die Majorität und wählten drei Mitglieder ihrer Partei als Deputierte. Aber die kontraremonstrantische Minorität trat sofort zusammen und — ⁷ drei andere, und die Synode nahm diese als ihre Mitglieder an, nicht aber jene. Unter diesen Umständen war das Schicksal der Arminianer von vornherein entschieden und es handelte sich nur darum, ihre Verurteilung durch einen feierlichen Spruch der Kirche zu bestätigen. Dem entsprach auch das ganze Verfahren der Synode. Zum Präsidenten wählte man den heftigsten Gegner der Arminianer, Joh. Bogermann, Prediger zu Leeuwarden, zum ersten Sekretär den ebenso heftigen Festus Hommius, Prediger zu Leiden, und auch als Assessoren zwei gleichgesinnte Männer. In der fünften Sitzung vom 16. Nov. beschloß man, den Professor der Theologie zu Leiden, Simon Episcopius, nebst 12 andern Arminianern aus verschiedenen Teilen des Landes vorzuladen, um sie wegen ihrer Lehre zur Verantwortung zu ziehen. Sie sollten binnen 14 Tagen erscheinen, und bis dahin erledigte die Synode einige weniger wichtige Aufgaben: eine Kommission ward mit der Berichtigung der holländ. Bibelübersetzung beauftragt, es wurden regelmäßige Katechisationen und Katechismuspredigten angeordnet, für die holländ. Missionare in Ostindien wurde eine Instruktion betreffs der Taufe von Kindern heidnischer Eltern festgestellt. In der 22. Sitzung am 6. Dez. erschienen die Arminianer, Episcopius überreichte den auswärtigen Theologen eine ausführliche Apologie seiner olten und verteidigte dieselbe in einer wirkungsvollen Rede, in welcher zugleich freimütig erklärt war, daß die Arminianer die Gegenpartei nicht als Richter und den Spruch der schismatischen Synode, falls sie ihr Verfahren nicht gänzlich ändere, so wenig anerkennen könnten wie die Protestanten die Beschlüsse des Tridentiner Konzils. Um alles Disputieren abzuschneiden, gab die Synode den Remonstranten auf, ihre Verteidigung nur schriftlich zu führen, mündlich dagegen nur auf bestimmt vorgelegte Fragen zu antworten. Dieser harten Bestimmung suchten sie sich möglichst zu entziehen, aber als sie in der 57. Sitzung am 14. Jan. energisch das Recht freier Verteidigung forderten, schloß der Vorsitzende sie unter den heftigsten Vorwürfen als Lügner und Betrüger von der Versammlung aus. Jetzt wurde die Darstellung der Arminianischen Lehre von der Synode selbst vorgenommen und eine Widerlegung ich Irrtümer hinzugefügt. Darüber einigte man sich bald, schwieriger dagegen über das gegen die Anhänger dieser Lehre zu beobachtende Verfahren, zumal die Ausländer hier ihre Mitwirkung zum Teil versagten. Endlich wurde beschlossen, alle Arminianer aus den kirchlichen Amtern zu entfernen. In der 145. Sitzung am 9. Mai 1619 ward die Synode geschlossen. Sie bedeutet für die reform. Kirche dasselbe, wie die Einführung der Konkordienformel für die lutherische, nämlich den Sieg des strengsten Dogmatismus. Vgl. Acta Synodi nationalis Dortrechti habitaey (Dordrecht 1620), Acta et scripta synodalia Dordracena Ministrorum Remonstrantiumo (Harderwyk 1620); Al. Schweiger, «Die prot. Centraldogmen in ihrer Entwickelung innerhalb der reform.