FeedDona-Francisca
ErdkundeBrockhaus 1882

Dona-Francisca, eine 1851 vom hamburger Kolonisationsverein gegründete deutsche Kolonie im nördlichsten Teile der südbrasil. Provinz Sta.⸗ Catharina, deren Gebiet 20 km westlich von der Hafenstadt Säo-Francisco beginnt, wird von den Flüßchen Caxoeira und Bucarein bewässert, die sich in die mit der Bai von Säo-Francisco in Verbindung stehende Lagoa de Saguassu ergießen, aber nur für ganz flache Fahrzeuge schiffbar sind. Der ruchtbare Boden und das treffliche Klima bieten ür deutsche Auswanderer die günstigsten Bedingungen; nur die tiefer liegenden Stellen sind sumpfig und unfruchtbar. Man baut Reis und Zuckerrohr, sodann Mais, Mandioca, Bananen, treffliche Rüben, Gemüse, Ananas, Orangen, Kaffee für den eigenen Bedarf, Tabak, Ol⸗ und Gespinstpflanzen. Der Viehstand ist wegen Man-Auß an Weiden nur unbedeutend. Die ersten Insiedler waren 118 Deutsche und Schweizer. Ihre Zahl stieg 1852 — 56 von 720 auf 1428 und belief sich 1877 auf 15977 Bewohner auf 665,7 am; die Kolonie hat 27 Schulen mit 650 Schülern. D. unterscheidet sich von den übrigen deutschen Kolonien in Brasilien dadurch, daß sich hier nicht ausschließlich ärmere Landleute und Handwerker, sondern auch wohlhabendere Kolonisten angesiedelt haben, die ihr Besitztum bearbeiten lassen. Infolge dessen hat sich ein Teil der ärmern Einwanderer als Tagelöhner in ein abhängiges Verhältnis begeben, und viele der Handwerker haben ihre gewohnte Arbeit dem Feldbau vorgezogen. Dieser Umstand war der Ausdehnung des Anbaues nicht günstig, drückte aber den wirtschaftlichen und geselligen Verhältnissen ein mehr europ. Gepräge auf. Die meisten Bodenprodukte werden in der Kolonie selbst konsumiert. Der Hauptort, seit 1877 eine Stadt, heißt Joinville, weil der Prinz von Joinville dem Kolonisationsverein den Grund und Boden von der Mitgift seiner Gemahlin, der brasil. Prinzessin Francisca, abgetreten hatte. oinville hat sechs Nerbafabriken, wovon drei mit Dampf und drei mit Wasser bewegt werden, fünf Zuckermühlen (eine mit Dampf), neun Mandiocamühlen, elf Glmühlen, sechs Sägemühlen (eine mit Dampf), vier Reismühlen (eine mit Dampf), sieben Tapioca⸗, Arrowroot⸗ u. s. w. Mühlen (eine mit Dampf) und zählt 2523 E. Etwa 70 Km südlicher liegt die Kolonie Blumenqu (s. d.). Vgl. Dörffel, „Die Kolonie D. in der südbrasil. Provinz Sta.⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 457Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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