Donar, in der german. Mythologie nach Wuotan der von den alten Deutschen am meisten verehrte Gott, altsächs. Thunar, nordisch Thör. Bei den Skandinaviern war er die erste Gottheit, um welche sich eine Menge von Mythen +++ hat. Nach nordischem Bericht ist er der älteste Sohn Odhins und der Erde. Er wird dargestellt als Mann im besten Alter, mit langem rotem Bart, von kräftiger Gestalt, gutmütig, bieder und ehrlich, aber auch leicht erregbar und zornig. Er reitet nie, sondern geht stets zu Fuß oder fährt auf seinem mit Böcken bespannten Wagen. D. ist in erster Linie Gewittergott, der Donnerer. Als solcher führt er den Hammer Mjölnir, mit welchem er die Blitze schleudert. Um diesen handhaben zu können, trägt er einen Eisenhandschuh. In dieser Eigenschaft als Gott des Gewitters faßten ihn die röm. Schriftsteller als Jupiter auf. Sein Hammer, die «Donnerkeilev, lebt noch jetzt im Volksglauben in verschiedenen Gegenden Deutschlands fort. Da das Gewitter aber Fruchtbarkeit erzeugt, ist D. auch der die Acker befruchtende, der Segen bringende Gott, und hierin berührt er sich oft mit Wuotan. Deshalb wurde er hauptsächlich im Norden von den freien Bauern verehrt. Zum Schutze derselben und der Götter hat er viele Kämpfe mit den Riesen zu bestehen. Diese entwenden ihm auch beim Beginn des Winters seinen Hammer, und erst im Frühjahr kommt er wieder in den Besitz desselben. Als Gott des Blitzes ist D. zugleich Gott des Feuers und als solcher Beschützer des häuslichen Herdes und der Familie. Mit seinem Hammer weiht er die Che und schenkt derselben Fruchtbarkeit. Auch die Gesundheit der Menschen schirmt er, und daher wurden ihm bei Krankheiten Opfer dargebracht. Hieraus erklären sich eine Menge Volksgebräuche, daß man in vielen Gegenden Deutschlands namentlich den Donnerstag, den dem D. geweihten Tag in der Woche, zu Hochzeiten wählt, daß man das Baden am Donnerstag für besonders gut hält u. dgl. Unter den Tieren sind dem D. der Storch, das Eichhörnchen, Rotkehlchen heilig; auch Böcke und Füchse stehen unter seinem Schutz. Unter den Bäumen ist ihm vor allem die Eiche geweiht (man vergleiche die Donarseiche in Hessen, welche Bonifacius fällte), auch die Haselnußstaude und wegen ihrer rötlichen Farbe die Rotbeere und die Hagebutte. In den Legenden vom heil. Petrus und Elias lebt die Gestalt D.s noch fort; eine Reihe von Orten, wie Donnersberg, Dorsheim u. s. w. haben den Namen des alten Gottes bewahrt. Vgl. Uhland, Mythus vom Thorro (Stuttg. 1836).