FeedDönniges
GeschichteBrockhaus 1882

Dönniges (Franz Alexander Friedr. Wilh., Ritter von), deutscher Diplomat und Publizist, geb. 13. Jan. 1814 in dem Dorfe Colbatz bei tettin, widmete sich zu Bonn und Berlin staatswissenschaftlichen und histor. Studien und begann hierauf staatswissenschaftliche Vorlesungen an der berliner Universität. 90 den J. 1838 und 1839 unternahm er eine wissenschaftliche Reise nach Italien. Hier entdeckte er zu Turin die kaiserl. Ratsbücher Heinrichs VII., welche er nach seiner Rückkehr unter dem Titel Acta Henrici VII.» (2 Bde., Berl. 1839) herausgab und in einer unvollendeten «Geschichte des deutschen Kaisertums im 14. Jahrh.y (2 Tle., Berl. 1841—42) teilweise verarbeitete. Für Rankes („Jahrbücher des 4. die Reichs unter dem sächs. Hause bearbeitete er die Jahrbücher unter der heet 1841 Kaiser Ottos I.v» (Berl. 1840). D. erhielt 1841 eine Professur an der berliner Universität, folgte aber dem damaligen Kronprinzen, nachherigen Könige Max II. von Bayern, 1842 nach München und teilte hier einige Jahre dessen 1 und staatswissenschaftliche Studien. Zwar sah er sich 1845 durch die damals am Hofe des Königs Ludwig herrschende Richtung veranlaßt, München zu verlassen, doch blieb er stets in lebhaften Beziehungen zum Kronprinzen Max, während er zugleich seine rege Teilnahme an den staatswissenschaftlichen Tagesfragen durch viele nationalökonomische und finanzielle Journalarbeiten bethätigte. Eben als sein System des freien Handels und der Schutzzöller (Berl. 1847) erschienen und Die deutsche Schiffahrtsakte und die Differentialzölles (Berl. 1848) unter der Presse war, wurde er 1847 wieder als Bibliothekar des Kronprinzen nach München berusen und ihm dann 1848 der Hofratstitel sowie das bayr. Indigenat verliehen. D. ward 1851 zum Legationssekretär bei dem Bunde mit dem Titel eines Legationsrats ernannt, ging jedoch sofort als zweiter Bevollmächtigter Bayerns zu den Dresdener Konferenzen ab. Noch im Herbst desselben Jahres erhielt er die erbetene Entlassung aus dem Staatsdienst und den Titel als Geh. Legationsrat. In diese Zeit fällt die Herausgabe seiner deutschen Bearbeitung der «Altschott. und altengl. Volksballaden» (Münch. 1852). Im J. 1852 trat er als Ministerialrat wieder in das Ministerium des Auswärtigen, wurde zwar 1855 auf sein Ansuchen abermals in Ruhestand versetzt, aber 1856 der bayr. Gesandtschaft in Turin attachiert. Als 1859 die bayr. Legation in Turin aufgehoben wurde, nahm er seinen Aufenthalt in der Schweiz. Im April 1860 erfolgte seine Erhebung in den erblichen bayr. Ritterstand und im Mai 1862 seine Ernennung zum bayr. Geschäftsträger bei der Regierung der Schweiz. Nach dem Tode des Königs Max II. (1864) führten Familienverhältnisse das Ende seiner diplomatischen Stellung herbei. Anfang 1865 zur Disposition gestellt, behielt er zunächst seinen Wohnsitz in Genf, den er sodann nach München verlegte. Seine hier entfaltete Thätigkeit, Bayern 1866 von dem Kriege mit Preußen Imen wrachh und eine neutrale Stellung einzunehmen, brachte ihn mit dem Fürsten Chlodwig Hohenlohe in Berührung, auf dessen Vorschlag er im Juli 1867 zum „Nntenin Per Gesandten und bevollmächtigten Minister in Bern ernannt wurde. Anfang 1869 erhielt er eine außerordentliche Mission nach Madrid, nach deren Beendigung er seine Stellung im Febr. 1870 mit dem Gesandtschaftsposten am ital. Hofe vertauschte. Er starb 4. Jan. 1872, kurz nach Übersiedelung des Hofs und der Mission, zu Rom. In seinen polit. Ansichten und Bestrebungen war er dem gemäßigtliberalen Fortschritt zugethan; in der Deutschen Frage vertrat er die Triasideev. ö Seine Tochter Helene von D., bekannt durch ihr Verhältnis zu Hassalle (s. d.), welcher wegen dieser Beziehungen von dem walach. Bojaren Racowitza im Duell erschossen wurde, verheiratete sich später mit dem Schauspieler Siegwart Friedmann (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 475Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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