FeedBaseler Konzil
ReligionBrockhaus 1882

Baseler Konzil, die letzte der allgemeinen Kirchenversammlungen des 15. Jahrh., auf welcher eine Kirchenreform angestrebt wurde; sie dauerte vom 27. Aug. 1431 bis 7. Mai 1449. Das Konzil zu Kostnitz hatte, um die Kirche an Haupt und Gliedern zu reformieren, die altkirchliche Anschauung von den allgemeinen Kirchenversammlungen als oberster richterlicher und gesetzgebender Macht in der Kirche erneuert und durch das Dekret Frequens den periodischen Zusammentritt solcher Kirchenparlamente verordnet. Obgleich unzufrieden mit dieser Beschränkung der päpstl. Gewalt, berief Martin V., durch polit. Bedrängnisse und durch die Unbeugsamkeit der hussitischen Ketzer in Verlegenheit gebracht, ein neues Konzil nach Basel. Sein Nachfolger Eugen IV. bestätigte die Berufung und übertrug die Leitung des Konzils dem Kardinallegaten Giuliano Cesarini von St.⸗Angelo. Vom 27. Aug. 1431, wo die Beratungen durch Bevollmächtigte des Kardinallegaten eröffnet wurden, bis zu dessen persönlichem Erscheinen in der Versammlung 14. Dez. versammelten sich allmählich die Prälaten, Abte, Doktoren und Abgeordneten der Fürsten. Bereits 18. Dez. löste der Papst durch die Bulle Quoniam alto das Konzil auf, um ein anderes nach Bologna einzuberufen, aber Kaiser Sigismund wie auch der Kardinallegat machten die lebhaftesten Gegenvorstellungen, und das Konzil selbst erklärte sich 15. Febr. 1432 für eine Fortsetzung des Kostnitzer Konzils, das als ökumenisches seine Gewalt unmittelbar von Gott habe und auch über dem Papste stehe. Der Papst wurde wiederholt nach Basel eingeladen und als er nicht erschien, des Ungehorsams angeklagt und mit Absetzung bedroht. der 5 Empörungen im Kirchenstaate bedrängt, gab der Papst den Vorstellungen Kaiser Sigismunds nach und erkannte am 1. Aug. 1433 das Konzil und dessen bisher gefaßte Beschlüsse an. Dieses hatte unterdessen sein Ansehen sehr gehoben durch die wenigstens teilweise Beseitigung der hussitischen Ketzerei. Durch ein Schreiben vom 15. Okt. 1431, dann durch mehrere Deputationen eingeladen, erschien nach langen Verhandlungen, besonders wegen des freien Geleits, erst am 4. Jan. 1433 eine große Deputation der Hussiten, Prokop und Rokyczana an der Spitze von wuchr als 300 Reitern, in Basel. Auf Grund der hier gepflogenen Verhandlungen kamen 30. Nov. 1433 die sog. Prager Kompaktaten zu Stande, nach welchen gegen Einräumung des Laienkelchs und einiger anderer Punkte die gemäßigtere Partei der Hussiten sich mit Rom versöhnte. Bei der andern Aufgabe, eine Reform der Kirche an Haupt und Gliedern durchzuführen, ließ das Konzil sich allzusehr von seiner Feindschaft gegen die Kurie leiten. Seit dem Jan. 1435 wurden eine Reihe von Beschlüssen zur Hebung der Sittenzucht und Reform des Klerus gefaßt, wie gegen das Konkubinat der Priester, gegen Misbräuche des Bannes, des Interdikts und des Appellationsrechts, gegen Vernachlässigung der klösterlichen und priesterlichen Pflichten, gegen Narrenfeste und allerlei Störungen des Gottesdienstes. Die Tendenz ging auf eine Einschränkung der päpstl. Monarchie zu Gunsten der dem Ende Aristokratie und der Universitäten. Zu em Ende wurde die freie Wahl der Kapitel wiederhergestellt, die al Disposition über die Pfründen an Kathedra Hund Kollegiatkirchen beinahe völlig aufgehoben, die Appellationen nach Rom beschränkt und durch I der Annaten, Palliengelder und Taxen bei Bestätigung oder Verleihung geistlicher Würden und Pfründen ohne Gewährung einer Entschädigung, der röm. Kurie die reichste Quelle ihrer Einkünfte gerade in dem Augenblicke verstopft, wo der Papst der Geldmittel zur Wiedereroberung des Kirchenstaats am dringendsten Beschuz Den Schluß der Reformen bildete, laut Beschluß vom 25. März 1436, ein neues Papstwahlgesetz und eine völlige Umgestaltung des Kardinalkollegiums. Der Papst sollte hiernach beim Antritte seines Amts eidlich geloben, die Beschlüsse des Konzils aufrecht zu erhalten und dasselbe alljährlich zusammenberufen. Das Kardinalkollegium wurde auf 24 Mitglieder beschränkt, die aus allen Nationen in der Weise zu wählen sein sollten, daß keiner mehr als ein Dritteil angehören, und die sich selbst ergänzen und als eine Art von permanentem Ausschuß alle Amtshandlungen des Papstes überwachen, seine Bullen kontrasignieren und dafür die sell te der Einkünfte des Kirchenstaats beziehen ollten. Diese Beschlüsse, die selbst von der mildern Minorität des Konzils gemißbilligt wurden, erneuerten den Streit mit dem Papste, der dann anläßlich der Unionsverhandlungen mit den Griechen zum völligen Bruch führte. Schon 1430, nachdem die Turken die Stadt Thessalonich eingenommen hatten, schickte der griech. Kaiser Joh. Paläologus, um das Abendland zur Hilfeleistung gegen die Türken zu veranlassen, eine Gesandtschaft an den Papst mit Vorschlägen betreffs einer kirchlichen Union. In einem Schreiben vom 15. Okt. 1433 wandten sich dann der Kaiser wie der Patriarch von Konstantinopel, ohne des Streits zwischen Papst und Konzil Erwähnung zu thun, sowohl an dieses als an jenen, um Unionsverhandlungen einzuleiten. Beide Par-⸗ teien, Papst und Konzil, suchten nun durch die ärgsten Intri uen die Griechen auf ihre Seite zu ziehen. In einer stärmischen Sitzung, 7. Mai 1437, in der nur das Einschreiten bewaffneter baseler Bürger das Blutvergießen hinderte, beriet das Konzil über den Ort der Unionsversammlung mit den Griechen; die Majorität beschloß, dieselbe in Basel, Avignon oder einer Stadt Savoyens abzuhalten, während die dem Papste mehr geneigte Minorität eine Stadt Italiens bestimmte. Darüber trennte sich das Kon90 Cesarini und die dem Papste günstigen Mitglieder verließen Basel, die feindliche Mehrheit, geleitet von Louis d'Allemand, Kardinal und u Ramef von Arles, einem geistvollen, sittenreinen Manne, blieb zurück und ging jetzt noch immer weiter in ihrer Opposition gegen den Papst. Am 31. Juli 1437 wurde derselbe nebst seinen Kardinälen wegen Un⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 531Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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