FeedDoré (Gustave Paul)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Doré (Gustave Paul), franz. Zeichner und Maler, geb. zu Straßburg 6. Jan. 1833, kam 1847 nach Paris, wo er schon im nächsten Jahre als Zeichner für das «Journal pour rires arbeitete. Mit einer lebhaften Phantasie und einer gewandten Hand begabt, entwickelte er seitdem eine staunenswerte Produktivität. Skizzen, Phantasiebilder, Genrestücke, Werke aller Art förderte er in großer Zahl zu Tage. Doch erst 1854, bei der Veröffentlichung des Musée Anglo-Frangaiso, welches er mit Philippon niin. gelang es ihm, die Aufmerksamkeit des Publikums in höherm Grade auf sich zu degenh Der franz. Feldzug in der Krim gab ihm Gelegenheit zu vielen Darstellungen von Bravourthaten franz. und engl. Soldaten, in denen die lebendigste Auffassung sich mit einem hervorragenden Verständnis malerischer Wirkung verbindet. Die Zeichnungen für die illustrierten Ausgaben der „(Oeuvres de Rabelaiso (1854), der Légende du Juif Erranto (1855), der Contes drôlatiqueso von Balzac befestigten seinen Ruf. Von nun an wurde Di.s Zeichenstift der Gehilfe zahlreicher typographischer Pracht- und Luxuswerke. Seine Hauptwerke dieser Gattung seit 1856 sind: Voyage aux Pyrénéeso, von Taine (1857), Dantes Infernop (1861), „Contes de Perraulto (1862), „Don Quixotes (1863), die Bibel (2 Bde., 1865), Lafontaines Fabeln (1866), Ariosts Rasender Rolando, große Folianten, mit Hunderten von großen und kleinen Holzschnitten ausgeschmückt und trotz ihres hohen Preises so gesucht, daß sie außerordentlichen Abgang sinden. Die Bibel und «Inkernoy zeichnen sich vor seinen übrigen Arbeiten durch Großartigkeit, die Märchen durch reiche Poesie der gestaltenden Phantasie aus. Viel verdankt D. ohne Widerrede den geistreichen Xylographen, die seine Werke vervielfältigten (Pannemaker, Pisan u. a.), und besonders die theatralische Seite seines Talents und die häufige Anwendung des malerischen Effekts mit Blitzlichtern, die weiß und grell in die Komposition hineinfallen, auszubilden verstanden. Neben dieser umfassenden Thätigkeit als Zeichner fand D. noch Zeit, die Malerei zu betreiben, und zeigte sich darin nicht weniger fruchtbar. Mit den Bildern, die er seit den Wilden Fichten, in der Ausstellung 1850, bis zum Moses vor Pharao (1879) auf kolossalen Leinwandstücken herstellte, könnte man ganze Museen ausfüllen. In Frankreich fanden D.s Gemälde weniger Beifall als im Auslande, zumal in Nordamerika; sein Spielsalon in Baden-Baden (Le tapis vert, 1867), ein in künstlerischer Beziehung wenig wertvolles Bild, aber von einer außerordentlichen Dimension, wurde von einem Amerikaner zu dem Preise von 50000 Frs. angekauft. Auch als Bildhauer hat sich D. in neuerer Zeit einen Namen gemacht, namentlich durch die Gruppe einer Parze mit Amor, der sie vergebens um Schonung eines Lebensfadens anfleht (1878), und durch die Darstellung einer Agypterin, die ihren Knaben emporhält, um ihn vor dem Biß einer Schlange zu schützen (1879). D. starb in der Nacht vom 22. zum 23. Jan. 1883 zu Paris und wurde 25. Jan. auf dem Friedhof Pore-Lachaise beerdigt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 486Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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