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GeschichteBrockhaus 1882

Doria, ursprünglich d'Oria, d. i. Kinder der Oria, der Gemahlin Arduins von Narbonne (in der ersten Hälfte des 12. Jahrh.), heißt ein altes Adelsgeschlecht in Genua, das mit den Fieschi, Grimaldi und Spinola an der Spitze der Aristokratie 45 Antonio D., 1154 einer der vier Konsuln, brachte Genuas Handel und Schiffahrt zu hoher Blüte. Zeitgenossen von ihm waren Andrea D., dem erblich ein Teil Siciliens zufiel, und Nicola D., ein treuer Anhänger Kaiser Heinrichs V. In den Kämpfen der Guelfen und Ghibellinen hielten sich die D. mit wenigen Ausnahmen zu den letztern und wurden deshalb von den Hohenstaufen begünstigt. Perceval D., im J. 1260 Statthalter der Mark Ancona, des Herzogtums Spoleto und der Romagna, war einer der tapfersten Heerführer König Manfreds. An den Kämpfen der genues. Geschlechter um die Herrschaft in Wert die D. thätigen Anteil. Nach ihrem Siege in Verbindung mit den Spinola über die Grimaldi und Fieschi beherrschte Oberto D. mit einem Spinola den Staat Genua unumschränkt. Er richtete 2. April 1284 mit seinem Sohne Corrado in der Seeschlacht bei Meloria die Flotte und Seemacht Pisas für immer zu Grunde. Unter Corrado D., der mit Corrado Spinola ebenfalls die Herrschaft teilte, schlug Lamba D. 8. Sept. 1297 bei den Curzolaren die venet. Flotte unter Andrea Dandolo vollständig aufs Haupt. Aus den 1306 zwischen den Familien D. und Spinola ausbrechenden blutigen Parteikämpfen gingen die D. insolge ihres weitverzweigten ghibellinischen Anhangs siegreich hervor. Auch unter veränderten polit. Verhältnissen blieben die D. einflußreich, standen sortwährend an der Spitze der genues. Seemacht und glänzten als die größten Seehelden des 14., 15. und 16. Jahrh. Während Filippo D. 1356 einen verheerenden Zug an die venet. Küsten unternommen, wurde ein Grimaldi in einem Seetreffen gegen die Venetianer und Aragonier besiegt, sodaß sich Genua der Schutzherrschaft Mailands unterwerfen mußte. Paganino D. schüttelte aber dieses Joch wieder ab und vernichtete 4. Nov. 1354 nochmals die venet. Flotte. Filippo D. stellte durch Siege über die Aragonesen in Sicilien die genues. Macht her und nahm Tripolis weg. In dem langen Kampfe mit Venedig, welchem der Turiner Friede 1381 ein Ziel setzte, thaten mehrere D. sich hervor. In den Fehden, die gegen Ende des 14. Jahrh. Genua zerrütteten und unter die Oberherrschaft Frankreichs brachten, spielten sie mit den Fieschi die Hauptrolle. Als 1409 die Franzosen verjagt wurden, doch nur um den mailändischen Visconti als Oberherrn den Beis zu räumen, erhoben sich beide Familien zur Befreiung ihres Vaterlandes. In allen Kriegen des 15. Jahrh. erscheinen Mitglieder des Hauses. Zeitgenossen des berühmten Andrea Doria s. d.) waren dessen Vetter Gianettino D., der sich durch Tapferkeit gegen die Corsen auszeichnete, aber durch seinen Übermut die Verschwörung Fiescos (s. d.) herbeiführte und ermordet wurde, Jeronimo D., ein weiser Staatsmann, spä5ter Kardinal und Inhaber vieler Bistümer. Gio⸗ )][vanni Andrea D., Sohn Gianettinos, erlangte schon als Jüngling in Land- und Seeschlachten Ruhm. Im J. 1556 übernahm er den Oberbefehl über die im Dienste Philipps II. stehende genues. Flotte und 1560 befehligte er ein span. Belagerungsheer vor Tripolis. Nachdem er 1564 eine Seeschlacht unweit Corsica gewonnen, führte er 1570 die span. Flotte, welche den Venetianern beim Entsatze von Cypern helfen sollte. Nationaleifersucht verzögerte jedoch die Vereinigung der Flotten, und die Insel ging verloren. Im folgenden Jahre war er einer der Befehlshaber der Flotte in der Liga des Papstes, Spaniens und Venedigs gegen die Türken, stellte sich aber durch sein Verhalten in der Seeschlacht von Lepanto (7. Okt. 1571) gegründetem Tadel bloß. Von seinem Großoheim Andrea erbte er 1570 das Fürstentum Melfi, die Herrschaft Tursi und viele andere Besitztümer im genues., mailänd. und sardin. Gebiete. Er starb 1606 und hinterließ zwei Söhne, von denen Innocenz 1642 als Kardinal starb, während Andrea als letzter Sprößling das Geschlecht fortpflanzte. Die Familie Di teilt sich gegenwärtig in mehrere Zweige. Die Linie Andreas repräsentiert der Fürst Giovanni Andrea D. Pamphili Landi in Rom (geb. 4. Aug. 1843), Fürst von Melfi und Valmontone, zugleich Erbe der im J. 1761 im Mannsstamm ausgestorbenen Familie Papst Innocenz' X. und Besitzer des Palastes Andrea D.s in Genua. Ein Nebenzweig sind die Fürsten von Angri in Neapel. Die D. von Tursi, auch von Giovanni Andrea stammend, sind in den Colonna von Paliano (s. d.) aufgegangen. In Genua blüht der Zweig Lamba Doria in mehrern Linien.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 488Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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