Doria (Andrea), als Held und Staatsmann einer der hervorragendsten Männer seines Jahrhunderts, war 30. Nov. 1468 in dem seiner Familie gehörenden Oneglia an der Riviera di Ponente geboren. Seine Jugend fiel in die Zeit, wo Genua die Selbständigkeit an die mailänd. Sforza verloren hatte. Um sich für eine öffentliche Laufbahn zu bilden, ging er an den Hof des Herzogs Friedrich von Urbino, später nach Neapel in die Dienste König Ferdinands (aus der aragon. Nebenlinie), wo er sich den Ruf eines tüchtigen Kriegers erwarb. Von einer Wallfahrt nach Jerusalem zurückgekehrt, fand er sein Vaterland durch Bürgerkrieg zerrüttet und war nun eifrigst bemüht, die Eintracht zwischen Volkund Adel wiederherzustellen. den seit dem Kriege der Ligue von Cambrai in talien währenden Kämpfen erhielt er 1513 den berbefehl über die Galeeren, vertrieb die Franzosen aus den Seeplätzen, reinigte den Golf von Genua von den Seeräubern und schwang sich schnell zu einem berühmten Admiral empor. Als Genua franz. Schutzherrschaft anheimfiel, schloß sich der bereits einflußreiche D. der franz. Partei an, trat mit seinen eigenen und den genues. Schiffen in die Dienste Franz' J. und wurde von demselben 1524 zum Admiral der vereinigten Flotten erhoben, worauf er den Spaniern bedeutende Verluste zufügte. Dessenungeachtet behandelten die Franzosen D. mit Ungunst, und Papst Clemens VII., um den Übertritt des wichtigen Bundesgenossen zu Kaiser Karl V. zu hindern, fand es geraten, denselben in seine Dienste zu nehmen. Mit sechs Galeeren erschien nun D. vor dem von den Spaniern genommenen Genua, schlug den zum Entsatze herbeieilenden Vizekönig von Neapel, Charles de Lannoy, und verteidigte mit seiner geringen Macht, mit der sich die eifersüchtigen Franzosen nicht vereinigen mochten, auch den wichtigen Hafen von Civitavecchia gegen die Kaiserlichen. Endlich, da der or m nach der Plünderung Roms 1527 nicht mehr im Stande war, eine Flotte zu halten, wurde Franz I. bewogen, Andrea wieder in Dienst zu nehmen; zugleich wurden demselben wichtige Vorteile für Genua, ihm selbst die Statthalterschaft versprochen. Er sah sich bald völlig getäuscht. Im Jan. 1528 hatte er seinen Neffen Filippino mit zehn Galeeren zur Unterstützung der Franzosen vor Neapel gesandt, und dieser schlug nicht nur den span. Vizekönig Moncada, Lannoys Nachfolger, sondern nahm auch viele angesehene Männer gefangen, denen er versichern mußte, daß sie nicht an Frankreich ausgeliefert würden. Franzl. slellte aber dennoch ein solches Ansinnen an D., und dieser, der alles Vertrauen zu den Franzosen verloren hatte, ging plötzlich zur Sache Kaiser Karls V. über, unter Bedingung der Erhaltung von Genuas Selbständigkeit. D. half nun die Franzosen erst aus Neapel, dann aus Genua vertreiben. Er befestigte hierauf die Republik im Verein mit den angesehensten Bürgern durch eine neue Verfassung, die bis zur Auflösung des Staats bestand. Der Kaiser ernannte ihn zum Oberbefehlshaber seiner Streitkräfte, zum Großkanzler des Königreichs Neapel und verlieh ihm das Fürstentum Melfi und die Herrschaft Tursi. Hierauf beschäftigte sich D. mit der Unterdrückung der türk. Seeräuberei und gewann auch 1532 an den griech. Küsten einen glänzenden Sieg über die türk. Flotte. Im J. 1535 leitete er die Eroberung von Tunis durch Karl V., und als 1542 der Kaiser gegen D.s Rat ein gleiches Unternehmen gegen Algier wagte, rettete er die kaiserl. Macht vor gänzlichem Untergange. Auch D. hatte dabei einen Teil seiner Galeeren verloren, war aber bereits 1543 schon wieder so stark gerüstet, daß er Chaireddin Barbarossa von der franz. Flotte vor Nizza abschneiden konnte. Alt und mit Staatsgeschäften überhäuft, nahm D. seinen Nefsen Gianettino zum Stellvertreter auf der See an, und dieser rechtfertigte das Vertrauen als Befehlshaber. Aber minder besonnen und staatsklug als sein Oheim, erbitterte er durch ÜUbermut Bürger und Adel, was 3. Jan. 1547 zum 4e. Noch der Verschwörung des Fiesco (s. d.) führte. Noch im hohen Alter unternahm D. persönlich mehrere Seezüge, verjagte 1554 die Franzosen aus Corsica und starb als erster Bürger der Freien Stadt 15. Nov. 1560. Vgl. C. Sigonio, De vita et gestis Andreae D.5 (Genf 1586); Guerrazzi, Vita di Andrea D.m5 (2 Bde., Mail. 1864).