Dorn (Alexander von), Volkswirt der freihändlerischen Richtung, geb. 9. Febr. 1838 in Wiener-Neustadt, trat nach vollendeten Universitätsstudien (1858) in den österr. Staatsdienst und wurde 1863 vom Handelsministerium als offizieller Berichterstatter zur türk. Ausstellung nach Konstantinopel gesandt. In dem von ihm erstatteten Bericht (Lpz. 1864) wurden auch die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse der Türkei behandelt mit besonderer Rücksicht auf die mögliche Entwickelung des österr. Handels dahin. Im J. 1867 studierte er im Auftrage des Handelsministers die gewerbliche Centralstelle in Württemberg und die damit zusammenhängenden Institutionen, und berichtete hierüber in der Schrift Pflege und Förderung des gewerblichen Fortschritts durch die Regierung in Württembergo (Wien 1868). Nachdem er 1868 aus dem Staatsdienst ausgetreten war, übernahm er die Redaction des volkswirtschaftlichen Teils des «Pester Lloydo und Anfang 1872 die Redaction der «Triester Zeitungs, worin er politisch für den einheitlichen Staatsgedanken und wirtschaftlich für Entwickelung des österr. Seehandels, des Orienthandels und überhaupt für die Teilnahme Osterreichs am Welthandel eintritt. Große Aufmerksamkeit wandte D. den Eisenbahnfragen zu und veröffentlichte auf diesem Gebiete «Aufgaben der Eisenbahnpolitiko (Berl. 1874). In diesem Buche wird die Theorie vertreten, daß man als Ziel der Eisenbahnpolitik anstreben müsse, die Konkurrenz auf die Schienen selbst zu verlegen, d. h. das Fahren auf den vorhandenen Schienenwegen unter den nötigen Kautelen jedermann mit eigenen Betriebsmitteln zu gestatten. Das Eigentum der Schienenwege müsse an den Staat übergeben werden, der Betrieb des Verkehrs komme jedoch der privaten Thätigkeit und Konkurrenz zu. Auf den volkswirtschaftlichen Kongressen zu Danzig (1872) und Wien (1873) war D. Referent in der Eisenbahnfrage, auf dem zu München (1875) in der Einkommensteuerfrage; über den lehtern Kongreß verfaßte er auch den offiziellen Bericht (Berl. 1875). Als Anhänger der freihändlerischen Richtung gehört D. seit 1868 der ständigen Deputation des Volkswirtschaftlichen Kongresses an. Auch ist er Ehrenmitglied des Cobden-Klubs. Bei dem irredentistischen Bombenattentat auf den Kaiser Franz Joseph in Triest am 2. Aug. 1882 wurde D., der am Festzuge des Veteranenvereins teilnahm, durch ein Bombenstück, welches ihm ein Schienbein zerschmetterte, schwer verwundet und infolge dessen mehrere Monate an das Krankenlager gefesselt.