Bach (Alexander, Freiherr von), österr. Staatsmann, geb. 4. Jan. 1813 zu Loosdorf in Niederösterreich als Sohn eines Justizamtmanns, später Advokaten in Wien, wo auch der junge B. seine öffentliche Thätigkeit im Dienste der Kammerprokuratur begann. In dieser Zeit unternahm B. ausgedehnte Reisen, die ihn über einen großen Teil Curopas und, in Gemeinschaft mit seinem Bruder August, 1847 auch nach dem Orient führten. Nach dem Tode des Vaters übernahm er als Advokat dessen Geschäftskanzlei, eine der bedeutendsten in Wien, und trat in Opposition gegen das herrschende System, die sich in dem juridisch-polit. Leseverein einen Sammelpunkt geschaffen hatte. Am 13. März 1848 erschien er, einer der vielen Deputationen des Tags bie anschließend, in der Hofburg und unterstützte hier kräftig die Forderungen des Volks. So sehr er sich aber im Beginn der Bewegung vorgedrängt hatte, hielt er sich doch im weitern Verlaufe derselben klug im Hintergrunde. Er beteiligte sich zwar als Vertreter des Advokatenstandes an dem neugebildeten provisorischen Gemeindeausschuß von Wien und gelangte in den durch Bürgerliche verstärkten Ausschuß niederösterr. Stände, aber sein Verhalten war sehr reserviert. In dem Kabinett Doblhoff-Wessenberg, das vom Kaiser 19. Juli definitiv genehmigt ward, erhielt B. die Leitung des Justizministeriums. Von einem Wahlbezirk Wiens in den konstituierenden Reichstag gewählt, bekämpfte er die Parteistellung der demokratischen Linken in der ungar. Frage, be ——14 welcher er, wie bei der deutschen Frage, nahe u die gleiche lberzeugung und Tendenz mit der saw, Rechten vertrat. Die Stimmung gegen B. wurde infolge seiner antidemokratischen Wendung eine in Amt nig daß er 8. Okt. zugleich mit Doblhoff sein Amt niederlegte. Doch nahm er 21. Nov. in dem neugebildeten Kabinett Schwarzenberg-Stadion das Portefeuille der Mait wieder an. Nach Stadions Ausscheiden im ai 1849 trat er für diesen zunächst provisorisch an die Spitze der innern Verwaltung, die er dann, seit 28. Juli w1849, bleibend als Minister des Innern leitete, und übergab das Portefeuille der Justiz an Schmerling. Er setzte mit Energie das von seinem önerr e eingeleitete Werk der Centralisation der österr. Monarchie fort. Unter den von ihm durcheführten Reformen sind die wichtigsten: die Auf1 der Patrimonialgerichte, die Durchführung der Grundentlastung, das Gemeindegesetz, die neue und in Ssterreich und Ungarn ganz gleichmäßige Organisierung der Verwaltung, die Germanisierung der östl. Länder. Hingegen war das Regierungssystem Sal absolutistisch und begünstigte die Herrt chaft des Klerus auf allen Gebieten, wie er denn auch an dem Abschluß des Konkordats mit dem päpstl. Stuhle vom 18. Aug. 1855 eifrigen Anteil nahm. Die von ihm vertretene Politik brach indes mit dem ital. Kriege von 1859 zusammen und B.s Ministerlaufbahm nahm am 21. Aug. 1859 ihr Ende; darauf wurde ihm die Bots astersiell in Rom übertragen, wo er als eine Stütze der Ultramontanen wirkte und bis 1867 verweilte. Mit seinem Bruder Eduard unternahm B. in den J. 1870—77 wiederholt große Reisen. B. wurde 1854 vom Kaiser in den Freiherrnstand erhoben, ist phe Rath, Großkreuz des Leopolds⸗ und Franz-Josephs-Ordens, Ehrenbürger vieler österr. Städte und war bis zu feinem Rücktritte Kurator der Akademie der Wissenschaften. — Sein Bruder Eduard, Freiherr von B., geb. zu Wien 21. Dez. 1814, machte seine Beamienlaulbahn in Galizien, war 1848 Kreishauptmann in Czernowitz, 1849 — 50 Civilkommissar in Siebenbürgen, 1852 Statthalter von Oberösterreich, 1854 Civilkommissar in den Donaufürstentümern, 1855—63 wieder Statthalter von Oberösterreich und eine der Stützen der konservativen Partei, und lebt seitdem im Ruhestande. Im J. 1854 wurde er vom Kaiser ebenfalls in den Freiherrnstand erhoben.