Drahtseil (frz. corde en fil de fer, engl. cable of iron wire), ein aus Eisen-oder Stahldrähten zusammengedrehtes Seil. D. dienen in neuerer Zeit als Ersatz der Hanfseile überall da, wo eine sehr große Festigkeit verlangt wird. Hauptsächlich sind dieselben als Förderseile beim Grubenbetrieb, bei Drahtseilbahnen, beim Brückenbau, als Transmissionen auf weitere Entfernungen, statt der Ketten bei der Schleppschiffahrt, als Tauwerk der Schiffe und bei Hebevorrichtungen und Kranen in Gebrauch. Die erste Anwendung fanden die D. im Grubenbetrieb, für welchen sie 1827 in einer Grube bei Clausthal im Harz durch den Oberbergrat Albert eingeführt wurden. Diese ältern Seile waren einfach aus einer Anzahl von Drähten zusammengedreht, während bei den jetzt gebräuchlichen in allen Fällen, in denen mehr als fünf Drähte zu einem Seil vereinigt werden sollen, dieselben in zwei oder mehrere sch Abteilungen geschieden werden, deren jede für sich zusammen gedreht wird, worauf die so erhaltenen Litzen durch abermaliges Zusammendrehen zu einem Seil vereinigt werden. Besonders starke D. (Taue) werden durch Vereinigung mehrerer Seile erzeugt. Da beim einfachen Zusammendrehen innerhalb der einzelnen Litzen, sowie in der Seilmitte ein Hohlraum entstehen würde, windet man die Drähte um einen aus geglühtem Draht oder bestem Hanf gebildeten Kern (Seele); das Innere des Seils wird gleichfalls von einer Litze oder einer Wauds u gebildet. Die größte Drahtseilfabrik Deutschlands ist jetzt die von Felten u. Guilleaume in Köln am Rhein. 4* Vorstehende Fig. 1 stellt den Querschnitt eines sechslitzigen D. dar, bei welchem die Seele der einelnen Litzen aus Drähten gebildet ist und sechs rähte um den Kerndraht gewunden sind; Fig. 2 zeigt den Querschnitt eines gleichfalls sechslitzigen Seils, bei welchem acht um eine Haufeele gewundene Drähte je eine Litze biln. Während in der ersten Zeit die D. durch Handarbeit mit Anwendung eines Drehschlüssels in einer der Fabrikation der Hanfseile — Weise hergestellt wurden, führte der gesteigerte Bedarf bald zur Konstruktion von Drahtseilmaschinen. Die ersten derartigen Maschinen, wie die von dem Mechaniker Wurm in Wien konstruierte, beruhten in ihrer Wirkungsweise auf der Nachahmung der Handarbeit. Die neuern Konstruktionen, Drahtseilspinnmaschinen genannt, sind kombinierte Litzen⸗ und Seilmaschinen, sodaß zuerst die Litzen und aus diesen von derselben Maf ine die fertigen Seile hergestellt werden. Eine . verbreitete Gattung der D., welche hauptsächlich als Förderseile benutzt wird, sind die Flach⸗ oder Banddrahtseile, welche durch Vereinigung mehrerer der beschriebenen Rundseile gebildet werden, indem man dieselben parallel nebeneinander mittels Nähdrahts, Schrauben oder Nieten befestigt. Sowohl Rund⸗ als Flachseile werden in neuester Zeit zur Vermeidung der Orydation häufig aus verzinktem Draht hergestellt; andernfalls müssen die D. mit einem gegen Rost schützenden Anstrich versehen werden. 3u Transmissionen wurden D. zuerst w1850 von dem franz. Ingenieur Hirn angewendet; gegenwärtig finden sie für diesen Zweck als das wohlfeilste Mittel, Betriebskräfte auf größere Entfernungen ohne erheblichen Kraftverlust zu übertragen, immer weitere Verbreitung. Eine Drahtseiltransmission, wie sie konstruiert wird, wenn die zu treibende Scheibe nicht über 120 m von der treibenden entfernt ist, ist in Fig. 3 veranschaulicht. Es ist hier a die treibende, b die getriebene Scheibe. Das treibende Seilstück 2 wird durch die Tragrolle 6, das geführte Seilstück g, seiner größern Durchsenkung entsprechend, durch die beiden Tragrollen 1 c unterstützt (bei kleinern Entfernungen können die Tragrollen fortgelassen werden). Fi die Kraft auf größere Entfernungen zu uübertragen, so wendet man den zusammengesetzten Seiltrieb an, dessen Einrichtung aus Fig. 4 exsichtlich ist. Statt der Tragrollen sind hier doppelte Seilscheiben oder Seilscheiben mit zwei Rinnen angebracht, sodaß sich die Transmission aus einer entsprechenden Anzahl einzelner Seiltriebe zusammensetzt. In der Abbildung sind vier solcher Stationen abed dargestellt. Die Rinnen der Seilscheiben entsprechen der Stärke des Seils und sind öfters mit Holz, Guttapercha, Leder oder Bindfaden aus-Eolißen Die Verbindung der Seilenden, das Splissen, erfolgt in der Weise, daß man beide Enden auf eine kurze Strecke vechielzeil die Hanfseelen entfernt und die Drähte wechselseitig ineinander flicht.