Drake (Friedr.), einer der ersten Bildhauer der neuesten Zeit, wurde 23. Juni 1805 in Pyrmont geboren. Der Vater, obwohl als Mechaniker sehr geschickt, lebte in dürftigen Umständen, weshalb er sich gern bei seinen Arbeiten vom Sohne hilfreiche Hand leisten ließ. Seine Mußestunden benutzte der junge D., um kleine Schnitzereien aus Holz oder Elfenbein auszuführen. Im Alter von 17 Jahren ging er als Gehilfe zum Mechaniker Breithaupt nach Kassel. Nachdem er hier vier Jahre gearbeitet, gab ein geschnitzter Christuskopf, für den ein Antiquitätenhändler einen hohen Preis erzielte, seinem Streben die ausschließliche Richtung auf die Plastik. Durch die nach dem Leben modellierte Büste eines pyrmonter Verwandten Rauchs diesem empfohlen, kam er nach Berlin, wo ihn Rauch bei sich wohnen und an den Unternehmungen der Werkstatt teilnehmen ließ. Nun entstanden auch selbständige Schöpfungen. Die erste war eine Madonna mit dem Kinde in Marmor, welche die Kaiserin von Rußland kaufte. Dann folgten die Gruppe des sterbenden Kriegers, dem ein Genius den Kranz der Ehren zeigt, eine Winzerin in Marmor, die der Künstler in kolossaler Dimension zu wiederholen unternahm. Daneben hatte sich D. bereits großen Ruhm in der Porträtstatuette erworben. Meisterhaft in Stellung und Ausdruck sind die von seinem Lehrer Rauch, Schinkel, Schiller, Goethe und den beiden Humboldt. Seine Geschicklichkeit für das Porträt bewährte D. 1836 an dem Standbilde für Doann Möser auf dem Domplatze zu Osnabrück. Mannigfache kleinere Arbeiten beschäftigten ihn dann neben der Ausführung der acht sitzenden Kolossalfiguren der preuß. Provinzen im Weißen Saale des Schlosses zu Berlin, welche er 1844 vollendete. Dieser Aufgabe folgten zwei Kolossalstatuen des Königs Friedrich Wilhelm III. in Marmor. Die eine wurde 1845 vollendet, stellt den Monarchen in Uniform und mit dem Hermelin bekleidet dar und ist zu Stettin aufgestellt; die andere fertigte der Künstler im Auftrage von berliner Bürgern, die sie 1850 im Tiergarten errichten ließen. Um das runde Fußgestell dieser Statue schlingt sich ein Relief, welches in idealer Auffassung Gestalten beiderlei Geschlechts und von jedem Lebensalter in dem heitern Genuß des Lebens in eslichen Natur ur Anschauung bringt. Dieser trefflichen Arbeit Hae die kolossale Gruppe eines Kriegers, dem die ictoria den Kranz reicht, eine der acht Gruppen auf der Schloßbrücke zu Berlin. Auch in diesem Werke zeigt sich D.s ganze Eigentümlichkeit, den Moment festzuhalten und ihn mit Kraft und Grazie zugleich durch den unverdrossensten Fleiß und die sorgfältigste Durcharbeitung ins Leben treten zu lassen. Für Jena arbeitete D., außer der Kolossalbüste des Naturforschers Oken, in Erz die kolossale Statue des Kurfürsten Johann Friedrich, welche 1858 aufgestellt wurde. Nach Rügen kam die kolossale Marmorstatue des Fürsten Malte-Putbus (1859). Es folgte die WIII Reiterstatue des Königs Friedrich Wilhelm III. für Köln (1864). In demselben Jahre erhielt auch die Vorhalle des Museums in Berlin von seiner Hand die unvergleichlich gelungene Marmorstatue seines Lehrers Rauch. feul Wittenberg, dessen Schloßkirchenpforte er schon rüher mit Statuetten musizierender Knaben in Erz . hatte, arbeitete er eine Kolossalstatue Melanchthons. Zugleich vollendete er eine Reiterstatue des Kaisers Wilhelm I. für die große Rheinbrücke in Köln. Die neuern Ereignisse gingen an dem Schaffen des Meisters gleichfalls nicht spurlos vorüber. Er vollendete die Büsten Bismarcks, Moltkes, dann auch jene von Ranke und Raumer. Auch die 9m hohe Victoria auf der 1873 enthüllten Siegessäule in Berlin und das Denkmal für die im ehn 55 1870/71 Gefallenen der Stadt Aachen sind ein Werk; endlich 0 noch zu nennen sein Humboldtonument in Philadelphia und fünf Figuren zum Grabmal der Herzogin Elisabeth Michailowna von Nassau am Neroberg bei Wiesbaden. D. starb 6. April 1882 in Berlin, nachdem er längere Jahre hindurch das Ehrenamt eines Vizekanzlers des preuß. Ordens pour le méêrite für Wissenschaften und Künste verwaltet hatte. Er war Mitglied und Senator der Akademie zu Berlin sowie derer von Petersburg, Antwerpen, Rom und des Institut de France. D. war ein Künstler voll Ernst und tiefer Begeisterung für seine Kunst, dem die unermüdlichste Ausdauer bei allem, was er sich vorgesetzt hatte, zur Seite stand und der mit der Gewalt einer charaktervollen Realität in seinen Schöpfungen den feinsten Sinn für Schönheit und Anmut an den Tag legte.