FeedChodowiecki (Daniel Nikolaus)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Chodowiecki (Daniel Nikolaus), hervorragender deutscher Maler und Kupferstecher, geb. 16. Okt. 1726 zu Danzig, erhielt von seinem Vater, einem Kornhändler, die erste Anleitung im Zeichnen. Nach des Vaters Tode (1740) kam er als Lehrling in eine Spezereihandlung seiner Vaterstadt 1743 in das Geschäft seines Oheims Ayrer nach Berlin, in welchem er auch nach Vollendung seiner Lehrzeit bis 1754 verblieb. Jede freie Stunde benutzte C. zum Zeichnen nach der Natur oder zum Kopieren von Kupferstichen. Nachdem er die Handlung verlassen, fing er an, selbständig zu arbeiten, ubte sich im Malen und fertigte namentlich Miniaturbilder für Dosen. In Rodes Akademie vervollkommnete er sich im Naturzeichnen und in der Olmalerei, bis er 1756 seine ersten Versuche im Radieren machte. C. zeichnete und stach zunächst Figuren aus dem Volksleben (Würfelspieler, Bettelbuben, Soldatenweiber, russ. Gefangene u. s. w.), sowie verschiedene Blätter zur Zeitgeschichte . B. die Apotheose Friedrichs II.), welche die Aufmerksamkeit des preuß. Königs erregten. In diese Zeit fällt auch der Abschied des Calas von seiner Familie, ein Olbild, das er 1767 in der Größe des Originals zweimal in Kupfer stach, und mit welchem er seinen Ruf begründete. Die Akademie der Künste mählte ihn 1764 zum Rektor, 1788 zum Vizedirektor und 1797 zum wirklichen Direktor. Er starb 7. Febr. 1801. C. war sehr arbeitsam und bis kurz vor seinem Tode unermüdlich thätig. Für den „Genealog. Kalenderv lieferte er nicht weniger als 1275 Darstellungen auf 178 Platten. Außerdem hat er zu 235 Werken die Kupfer gezeichnet und gestochen. Im ganzen hat der Künstler den Stich zu 2025 Darstellungen auf 978 Platten besorgt. Hierzu kommen noch an 2000 Zeichnungen, die er zu Romanen, Schauspielen, Gedichten als Titelkupfer und Vignetten oder als Illustrationen zu Basedows Lavaters Physiognomische Fragmenter fertigte. Rehrere von seinen Blättern sind sehr selten, besonders (nach Engelmann) 1, 2, 3, 4, 11, 16, 20, 22, 23, 47, 48 (I. Pl.), 53, 55, 55a, 98, 139, 18⁰ und 950, darunter auch die, welche sog. Einfälle (Croquis) enthalten, kleine geistvolle, in den Plattenrand als flüchtige Gedanken leicht radierte Figuren, die der Künstler nach wenigen Abdrücken ausschleifen ließ. C. wußte auf einem kleinen Raume seinen charakteristischen und geistvollen Figuren eine solche psychol. Wahrheit zu geben, daß er als ein in seiner Art noch unübertroffener Sitten⸗ und Seelenmaler zu bezeichnen ist. Von seinen Olbildern sind noch das Blindekuhspiel und der Hahnenschlag im berliner, und der Ruheplatz im Tiergarten im leinzißer Museum zu nennen. Eine vollständige Sammlung seiner Blätter mit allen Seltenheiten und in allen Abdrücken besitzen die Erben des Buchhändlers Dr. W. Engelmann in Leipzig, der auch ein erschöpfendes Verzeichnis (C.s sämtliche Kupferstichen, Lpz. 1857, Gottfried C., jüngerer Bruder des vorigen, geb. 11. Juli 1728, gest. 1781, radierte mehreres teils nach eigener, teils nach des Bruders Erfindung und malte vorzüglich Jagdstücke und kleinere Landschaften. — Wilhelm C., der Sohn von Daniel C., geb. 1765, arbeitete als Kupferstecher in Berlin mit großem Erfolge in des Vaters Manier, starb aber schon 26. Okt. 1805.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 330Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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