Dreyse (Joh. Nikol. von), ausgezeichneter deutscher Techniker, namentlich bekannt als Erfinder des Zündnadelgewehrs, geb. 20. Nov. 1787 zu Sömmerda, Sohn eines Schlossermeisters, erlangte schon als Lehrling in der Werkstätte seines Vaters eine höhere Ausbildung und Fertigkeit. Nach Ablauf seiner Lehrzeit arbeitete er seit 1806 in Altenburg und Dresden, 1809—14 aber in Paris, wo es ihm gelang, in der von Napoleon I. begünstigten Gewehrfabrik des helvet. Offiziers Pauli Beschäftigung zu finden und somit seinem besondern Interesse für die Technik der Feuerwaffen zu genügen. Darauf lehrte D. 1814 nach Sömmerda zurück, wo er sich zunächst mit der Anfertigung von Modellen zu Maschinen aller Art beschäftigte, aber auch unter der Firma Dreyse u. Kronbiegel ein noch bestehendes Etablissement zur Herstellung von Eisenwaren auf sog. kaltem Wege begründete. Die Versuche, welche damals mit Umwandlung der Steinschlösser an Gewehren zur Perkussionszündung gemacht wurden, lenkten auch D.s Aufmerksamkeit diesem Gegenstande zu, und er errichtete, nachdem er sich vielfach mit der Herstellung von Zündpräparaten für Perkussionsgewehre beschäftigt, eine Fabrik für Zündhütchen, die unter der Firma Dreyse u. Collenbusch 1824 von der preuß. Regierung ein Patent erhielt. In demselben Jahre ward auch eine von ihm konstruierte Dampfmaschine, die statt eines Kessels einen sog. Dampferzeuger besaß, patentiert. Seine Bestrebungen Hunhen sodann für die nächste Zeit dahin, die von ihm längst gehegte Idee der Verlegung des Entzündungsprozesses bei den Gewehren von außen nach innen, sowie die Konstruktion einer die gesamten zum Schuß erforderlichen Teile in sich enthaltenden sog. hrihne zur Ausführung zu bringen. Dies führte ihn 1827 zur Erfindung des Zündnadelgewehrs (s. d.), das zunächst noch seine Ladung von vorn erhielt. Mit Unterstützung der preuß. Regierung, die er für seineErfindunginteressierthatte, arbeitete nun D. unausgesetzt an der Vervollkommnung seiner Feuerwaffe, bis ihm nach rastlosen und kostspieligen Versuchen endlich 1836 die Herstellung eines von hinten zu ladenden Zündnadel-Infanteriegewehrs gelang. Dasselbe wurde 1840, nachdem sich bei den angestellten Prüfungen in Spandau und Lübben als vorzüglich erwiesen, in Preußen als Militärwaffe zunächst für die Füsilierbataillone eingeführt. Gleichzeitig erhielt D. die Mittel zur Errichtung einer größern Gewehr- und Gewehrmunitionsfabrik, deren Betrieb 1841 begann. Eine der letzten Erfindungen Dis ist diejenige eines für Sprenggeschosse eingerichteten Gewehrs, des sog. Granatgewehrs, dessen Einführung aber zufolge der Beschlüsse der internationalen Petersburger Konferenz (1868) unterbleiben mußte. In Anerkennung seiner Verdienste um die Bewaffnung der Armee wurde D. 1864 in den erblichen Adelstand erhoben. Bereits 1846 hatte er den Titel eines Kommissionsrats, 1854 den eines Geh. Kommissionsrats erhalten. D. starb 9. Dez. 1867. Vgl. «Nikolaus von D. und die Geschichte des preuß. Zündnadelgewehrso (Berl. 1866). Die Fabrik ging nun an seinen einzigen Sohn, Franzvon D., geb. 2. März 1822, über, der schon früher den technischen Betrieb geleitet und mit Eifer für die weitere Vervollkommnung und Fortentwickelung der Waffenkonstruktionen gewirkt hat. Im J. 1870 vermehrte er die an sich schon bedeutende Gewehr- und Gewehrmunitionsfabrik noch durch Anlage einer Maschinenfabrik, verbunden mit Eisengießerei, in welcher außer Werkzeugmaschinen, ökonomischen Gerätschaften u. s. w. hauptsächlich auch Gegenstände für Eisenbahnbedarf gefertigt werden. Eine bemerkenswerte Konstruktion des jüngern D. ist die Anbringung des Rotationsstücks bei Jagd- und Kriegsgewehren, wodurch die Anbringung der Züge auf den hintern Teil des Laufs beschränkt und die Rasanz der Bahn wie die Präcision des Schusses erheblich gesteigert werden.