Herzog (Hans), General der eidgenössischen Armee, Bor 1819 zu Aarau, erhielt seine wissenschaftliche Vorbildung auf dem Gymnasium daselbst, studierte 1837—38 in Genf Chemie und Physik und bestand später, dem Wunsche seines Vaters folgend, seine kaufmännische Lehrzeit in Triest, Mailand und Havre, um dann in das väterliche Fabrikationsgeschäft einzutreten. Seit seinem ersten Militärdienst, den er 1839 zu Thun absolvierte, widmete er seine ganze freie Zeit dem Studium der Militärwissenschaften und diente 1846 als Volontär bei der württemb. Artillerie. Von da an bis 1860 blieb H.im Geschäft seines Vaters, nahm jedoch als Milizoffizier am Sonderbundsfeldzuge von 1847, mehrern Grenzbesetzungen, Truppenzusammenzügen u. s. w. teil. Im J. 1860 vom Bundesrat zum Chef der eidgenössischen Artillerie ernannt, wandte er diesem Amte seine ganze Thätigkeit zu und beschäftigte sich vorzüglich mit der Umwandlung der glatten Geschütze in gezogene, sowie mit der Neubewaffnung der Infanterie. Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871 wurde H. von der Bundesversammlung zum Oberbefehlshaber der 37000 Mann starken, zum Schutze der schweiz. Grenze aufgestellten Armee erwählt. H. bildete mit derselben eine Kette, welche in den Jurathälern um Delsberg und Pruntrut begann und an den Ufern der Birs, Ergolz und des Rheins an Stärke zunahm; hinter derselben standen zwei Divisionen in Reserve, während eine Brigade in den Kantonen Zürich und Schaffhausen aufgestellt war. Als im August die Entlassung des größten Teils der Armee verfügt ward, hatte H. den Mut, über die von bit im Milizheere gefundenen, durch die Nachlässigkeit einzelner Kantone verschuldeten übelstände einen wahrheitsgetreuen Bericht einzuliefern, in welchem er die Kriegstüchtigkeit des eidgenössischen Heers als eine Illusion hinstellte und zugleich seine Entlassung forderte. Die Umstände bewogen ihn jedoch, 20. Jan. 1871 das Kommando wieder zu übernehmen und mit 20000 Mann die Westgrenze zu besetzen, als die anz. Ostarmee unter Bourbaki den Entsatz von lfort und den Durchbruch in den Schwarzwald anstrebte. Am 1. Febr. schloß H. in Verrieres mit dem franz. General Clinchant eine Konvention, in-Kelds deren die ungefähr 85000 Mann starke franz. rmee unter Niederlegung der Wafsfen und Übergabe ihrer 260 Geschütze auf schweiz. Gebiet übertrat und in den verschiedenen Kantonen interniert wurde. Hierauf trat H. wieder in seine frühere Stellung als Chef der Artillerie zurück, in welcher er rastlos an der Verbesserung der schweiz. Heerzustände arbeitet. Die durchgreifende Umgestaltung, welche dieselben seit der Bundesverfassung von 1874 erlitten haben, läßt sich größtenteils auf seine Erfahrungen während der Grenzbesetzungen von 1870 und 1871 zurückführen. H. lebt in Aarau.