Delvigne (Henri Gustave), franz. Kapitän, bekannt durch den ersten Anstoß zur Herstellung gezogener, für die Infanterie brauchbarer Gewehre. D. war 1799 zu Hamburg geboren; als Souslieutenant der königl. Garde schlug er in der Schrift Recherches sur le feu de Linfanterie par un officier de voltigeurs de la garde royales 1826 die Kammerbüchsen mit Geschoßstauchung vor. Bei der Erpedition gegen Algier wurde er mit dem Kommando pvon 100 auserwählten Schützen betraut, die teils mit Gewehren seines Systems, teils mit Wallbüchsen bewaffnet waren. Die von D. 1836 herausgegebenen Schristen „Exposé d'un nouveau système d'armement pour länfanteries und 4Observations sur un nouveau modeèle de carabin rayée et sur le feu des tirailleurs en Afrique erregten die Aufmerksamkeit des Herzogs von Orléans und bewirkten, daß bei der Formation des ersten Chasseurbataillons 1838 dasselbe mit Gewehren à la Delvigne bewaffnet wurde und diese Gewehre auch den später errichteten Chasseurbataillonen gegeben wurden. Der von D. gegebene Anstoß hat die Entwickelung der Handfeuerwaffen bis 0 ihrem heutigen Standpunkte vorbereitet und überhaupt ermöglicht. Außer den genannten Schriften veröffentlichte D.: „Sur l'emploi des balles cylindro-coniques évidées (Par. 1843) und „L'emploi des balles cylindroconiques évidéeso (Par. 1849). Beim Ausbruch der Julirevolution verließ er den Militärdienst und lebte dann in Toulon. Außer den Kammerbüchsen hat D. viele andere Erfindungen gemacht: Explosionsgeschosse, Revolver, Zimmergewehre, Rettungsapparate u. s. w.; in den zehn letzten Jahren seines Lebens beschäftigte er sich besonders mit der Benutzung der Feuerwaffen zu Zwecken der Rettung Schiffbrüchiger, nach welcher Richtung hin man ihm die Erfindung der Flèches porte-amarres (Rettungsraketen) verdankt. Er starb 18. Okt. 1876 zu Toulon. [Delfino.