Drobisch (Mor. Wilh.), Mathematiker und Philosoph, geb. 16. Aug. 1802 zu Leipzig, besuchte erst die Nikolaischule daselbst, dann die Fürstenschule zu Grimma und widmete sich hierauf seit 1820 auf der Universität seiner Vaterstadt mathem. und Dlilos Studien. Er habilitierte sich 1824 in der philos. Fakultät, ward 1826 zum außerord. Professor der Philosophie, in demselben Jahre zum ord. Professor der Mathematik ernannt und erhielt 1842, nachdem er seit 1832fortwährend neben mathem. auch philos. Vorträge mit Beifall gehalten, dazu das Prädikat als ord. Professor der Philosophie, gab jedoch 1868 die Professur der Mathematik auf. Zu der 1846 am 200jährigen Geburtstag Leibniz' erfolgten Be-Hänrduug der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Iuarnd uunl gab er die erste Veranlassung. Von Jugend auf gleichmäßig von Mathematik und Philosophie angezogen, strebte er, ohne beide Wissenschaften 1 vermischen, die Mathematik mit philos. Gründlichkeit uPhildie und zu lehren und auf die Probleme der Philosophie den Geist math. Klarheit und Strenge überzutragen. Diese Richtung, geweckt durch Lichtenbergs, genährt durch Kants Schriften, erhielt später ihre bestimmte Ausbildung durch das Studium der Werke Herharts, in denen er den Geist exakter Forschung, Strenge in der Begrenzung und Entwickelung der Begriffe, vereinigt mit sorgfältiger Berücksichtigung der Thatsachen der Erfahrung auf die Philosophie angewendet aund. Aus diesem Bestreben gingen folgende Schriften hervor: «⸗Beiträge zur Orientierung über Herbarts System der Philosophien (Lpz. 1834), Neue Darstellung der Logikv (Lpz. 1836; 4. Aufl. 1875), 4Grundlehren der Religionsphilosophies (Lpz. 1840), «Empirische Psychologien (Lpz. 1842), «Erste Grundlehren der mathem. Psychologies (Lpz. 1850), De philosophia scientiae naturali insitad (Lpz. 1864), «Die moralische Statistik und die menschliche Willensfreiheito (Lpz. 1867), lber die Fortbildung der Philosophie durch Herbarto (Lpz. 1876), mehrere akademische Programme und eine Reihe von Abhandlungen in Fichtes „Zeitschrift für Philosophier und in Allihns „Zeitschrift für exakte Philosophießo. Auf seine mathem. Thätigkeit beziehen sich: Philologie und Mathematik als Gegenstände des Gymnasialunterrichtso (Lpz. 1832), Grundzüge der Lehre von den höhern numerischen Gleichungeno (Lpz. 1834), sowie größere und kleinere Abhandlungen in den Schriften der Jablonowfskischen und der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften. An seinem 50jährigen Professorjubiläum (1876) erhielt er den Titel als Geheimer Hofrat.