Dove (Heinr. Wilh.), berühmter Physiker, geb. 6. Okt. 1803 zu Liegnitz, besuchte die dortige Ritterakademie und widmete sich seit Ostern 1821 erst zu Breslau, dann seit 1824 zu Berlin mathem. und physik. Studien. Nachdem er zu Berlin 1826 promoviert, habilitierte er sich Ostern 1826 als Privatdocent zu Königsberg und erhielt daselbst im Sommer 1828 eine außerord. Professur, die er Michaelis 1829 mit einer solchen in Berlin vertauschte. Hier wurde er 1837 in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen und 1845 zum ord. Professor befördert. Unter den zahlreichen Ehren, die ihm zuteil wurden, ist hervorzuheben, daß D., nachdem ihm 1860, nach dem Tode A. von Humboldts, das von diesem getragene Zeichen des preuß. Ordens pour le mérite verliehen war, am 20. Sept. 1867 zum Vizekanzler der Friedensklasse dieses Ordens ernannt wurde. D. starb 4. April 1879 zu Berlin. Obgleich sich die wissenschaftlichen Leistungen D.s auf alle Gebiete der gesamten Physik erstrecken, und er auf einzelne Teile derselben, wie besonders auf die Lehre von der Elektricität und die optischen Disciplinen, äußerst fördernd eingewirkt hat, gründet sich doch sein Ruf vorzugsweise auf seine epochemachenden Arbeiten in den Gebieten der Meteorologie, Atmosphärologie und Klimatologie, welche Wissenschaften durch ihn ihre wahre Begründung sowie eine fruchtbringende Umgestaltung erfahren haben. Das von ihm aufgestellte und nach ihm benannte Gesetz der Drehung der Winde galt lange Zeit als allgemeine Windtheorie, bis Galton (1863) und Buys-Ballot das neuere allgemeine cyklonische Windgesetz aufstellten. Allein D. hatte schon früher die cyklonische Natur der Winde erkannt, und Galton knüpfte eigentlich an D.s Ansicht über das eyklonische Wesen der Winde an. D. hat viele seiner Untersuchungen und Entdeckungen in den Abhandlungen der berliner Akademie, in „Poggendorffs Annalen »‚F in der «Zeitschrift für Erdkunde v», der „Zeitschrift des Preußischen Statistischen Bureauv und andern periodischen Schriften niedergelegt. Als seine Hauptwerke sind zu nennen: «Meteorolog. Untersuchungeno (Berl. 1837), Aber die nichtperiodischen Anderungen der Temperaturverteilung auf der Oberfläche der Erdes (6 Tle., Berl. 1840— 59), «über den Zusammenhang der Wärmeveränderungen der Atmosphäre mit der Entwickelung der Pflanzen v (Berl. 1846), «Temperaturtafeln (Berl. 1848), «Monatsisothermeno (Berl. 1850) und «Verbreitung der Wärme auf der Oberfläche der Erde, dargestellt durch Isothermen und Isanomalen» (Berl. 1852). Ferner gehören hierher: die „(Monats- und Jahresisothermen in der Polarprojektiono (Berl. 1864), die «Darstellung der Wärmeerscheinungen durch fünftägige Mittel» (3 Tle., Berl. 1856—70) und «Die Witterungserscheinungen des nördl. Deutschland, 1858—635 (Berl. 1864). Hieran reihen sich noch: «Das Gesetz der Stürme » (Berl. 1857; 4. Aufl. 1874, auch ins Englische und Französische übersetzt), Die Stürme der gemäßigten Zonev (Berl. 1863), «Klimatolog. Beiträgen (2 Tle., Berl. 1857—69), «Klimatologie von Norddeutschland » (2 Tle., Berl. 1868—71), «Eiszeit, ohn und Sirocco (Berl. 1867), «Der schweiz. öhn » (Berl. 1868) u. s. w. Andern Gebieten der WWan gehören an: «über Maß und Messenv (2. Aufl., Berl. 1835), Untersuchungen im Gebiete der Induktionselektricitäto (Berl. 1843), «Über Wirkungen aus der Ferney (Berl. 1845), «Über Clektricitäte (Berl. 1848), Darstellung der Farben1859), „Anwendung des Stereoskops um falsches von echtem Papiergeld zu unterscheiden» (Berl. 1859), «Der Kreislauf des Wassers auf der Oberfläche der Erder (Berl. 1866), 4Gedächtnisrede 429 A. von Humboldto (Berl. 1869). Auf D.s Betrie wurde zu Berlin das Königliche Meteorologische Institut ins Leben gerufen, — — das bis zu seinem Tode — Wer unter seiner Leitung stand und sein Beobachtungssystem auch auf einen großen Teil“ des übrigen Deutschland ausdehnte.