Droste-Hülshoff (Annette Elisabeth, Freiin von), hervorragende Dichterin, Cousine des vorigen, geb. 10. Jan. 1797 auf dem Gute Hülshoff bei Münster, erhielt, kränklich und abgeschieden von der Welt, eine ausgezeichnete wissenschaftliche Bildung. Erst seit 1826 lernte sie in Koblenz, Köln und Bonn weitere Kreise ausgezeichneter Männer und Frauen kennen, kehrte aber bald auf das mütterliche Landgut Rüschbaus bei Münster zurück, wo sie den Wissenschaften, der Natur und der Poesie lebte. Wegen zunehmender Kränklichkeit 370 sie 1841 auf Schloß Mörsburg am Bodensee zu ihrem Schwager von Laßberg, in dessen Nähe sie 1843 einen Weinberg ankaufte. Sie starb auf Mörsburg am 24. Mai 1848. Es erschienen von ihr „Gedichter (Münst. 1838, Stuttg. 1844; 4. Aufl. 1877), aus ihrem Nachlaß Das geistliche Jahr nebst einem Anhang religiöser Gedichter (Stuttg. 1852; 3. Aufl. 1876) und Letzte Gabeno (Hannov. 1860). Ihre „Gesammelten Schrifteno wurden von L. Schücking, ihrem Freunde, herausgegeben (3 Bde., Stuttg. 1878—79). Die Gedichte sind von großer Vollendung der Form und offenbaren eine hervorragende dichterische Kraft. Namentlich zeichnet sie sich aus auf dem Gebiete des Stimmungsbildes und der poetischen Erzählung; ihre Naturschilderungen haben einen eigentümlichen Reiz. Tiefe der Empfindung und große Lebendigkeit der Sprache sind charakteristische Eigenschaften ihrer Dichtungen, von denen die vorzüglichsten die Natur ihres Heimatlandes Westfalen zum Hintergrunde haben. In ihren religiösen Anschauungen huldigte Annette von D. einer streng kath. Rechtgläubigkeit, aber ohne Fanatismus. Vgl. Schücking, «Annette von D. Ein Lebensbildo (2. Aufl., Hannov. 1871), Briefe der Freiin Annette von D.y (herausg. von Schlüter, Münst. 1877; 2. Aufl. 1880).