FeedDrummond
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Drummond, berühmtes schott. Geschlecht, leitet seinen Ursprung von einem gewissen Mauritius ab, der das Schiff kommandierte, auf welchem Edgar Atheling und seine Schwester, die Prinzessin Margareta, um 1060 von Ungarn nach England zurückkehrten. Als Margareta sich mit Malcolm III. vermählte, begleitete Mauritius sie nach Schottland, wo er sich niederließ. Von ihm stammte im elften Gliede Sir John D. von Stobhall, dessen Tochter Annabella die Gemahlin Roberts III. (1390 —1406) war, und die Altermutter der königl. Familie Stuart und der meisten europ. Fürstenhäuser ist. — Sein ältester Sohn, John D., war der Ahnherr des Lords D. und Grafen von Perth; von dem jüngern, William, stammte der Dichter William D. von Hawthornden (geb. 13. Dez. 1585, gest. 4. Dez. 1649), der wegen der Harmonie seiner Verse mit Spenser verglichen wird. Seine Tears on the death of Moeliadeso (1612), ein Elegiencyklus auf den Tod des Prinzen Heinrich, Sohn Jakobs I., «The wandering Muses, or river Forth feastingo (1617), namentlich aber seine Sonette erwarben ihm einen hohen Ruf. Er war ein vertrauter Freund Ben Jonsons. James D., erster Graf von Perth (gest. 1611), war der Urgroßvater James Dis, vierten Grafen von Perth, welcher, 1648 geboren, 1678 Mitglied des Geheimen Rats und 1684 Kanzler von Schottland wurde. Seine Härte und Willkür zogen ihm allgemeinen Haß zu, der durch seinen übertritt zum Katholizismus noch vermehrt wurde. Nach der Revolution von 1688 suchte er zu entfliehen, wurde jedoch in Stirling-Castle festgehalten, bis man ihn 1693 gegen einen Revers freiließ. Sodann begab er sich nach Frankreich zu Jakob, der ihn zum Herzog von Perth, Oberkammerherrn, Ritter des Hosenbandordens und Gouverneur des Prinzen von Wales ernannte. Er starb in St.⸗Germain 11. März 1716. Seine Letters from James, Earl of Perth, to his sister, the Countess of Errob (Lond. 1845) wurden von der Camden-Society veröffentlicht. — Sein Enkel, James D., Herzog von Perth, einer der eifrigsten Anhänger des Prätendenten Karl Eduard, focht tapfer in den Schlachten von Prestons⸗-Pans (1745) und Culloden (1746), und rettete sich dann nach Frankreich, wo er bald darauf starb. — James D., Herzog von Melfort, war der Vater von Charles Edward D., Herzog von Melfort (geb. 1752), der 9. April w1840 zu Rom als Prälat der röm. Kirche und als apostolischer Protonotarius starb. — Sein Neffe, George D., geb. 6. Mai 1807, hatte Gelegenheit, sich der engl. Regierung dienstbar zu erweisen, worauf die über seine Vorfahren ausgesprochene Acht aufgehoben und er 1853 vom Oberhause als Graf von Perth und Melfort anerkannt wurde. Von James, zweitem Lord D., stammte James Lord Maderty (1609), dessen Enkel, William D., 1686 zum Viscount Strathallan erhoben ward. Er war ein treuer Diener Karls I., focht in Irland und bei Worcester und wanderte dann nach Rußland aus, wo der Zar Alexei Michailowitsch ihn als Generallieutenant anstellte. Nach der Restauration kehrte er in sein Vaterland zurück, ward Oberbefehlshaber der Truppen in Schottland und starb 1688. Da sein Enkel 1711 kinderlos starb, so ging der Titel auf William, den Nachkommen eines jüngern Sohnes des ersten Lords Maderty, über, welcher 1746, für die Sache der Stuarts kämpfend, bei Culloden den Tod fand. — Der Enkel desselben, James Andrew John Lawrence Charles D., geb. 1767, Ward Durch Parlamentsakte vom J. 1824 wieder in den Titel eines Viscount Strathallan eingesetzt, in welchem 1851 ihm sein ältester Sohn William Henry, geb. 5. Mai 1810, folgte. — Der jüngere Bruder des bei Culloden gefallenen Viscount Strathallan, Andrew D., wurde der Gründer des bekannten Bankierhauses D. in London. Teilhaber desselben war Henry D., geb. 5. Dez. 1786, Parlamentsmitglied für West-Surrey und ein Haupt der Irvingianer, zu deren Besten er einen ansehnlichen Deil seines großen Vermögens verwandte. Unter anderm erbaute er für sie zwei Kirchen und schrieb zur Verteidigung ihrer Grundsätze ein Werk über Revealed religiono (Lond. 1845). Er starb 20. Febr. 1860. — Zu einer andern Linie gehörte der Archäolog Sir William D., Gesandter in der Türkei (1801) und Palermo (1808), geb. um 1760 in Schottland, gest. zu Rom 29. März 1828.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 579Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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