FeedDu Barail (Francois Charles)
GeschichteBrockhaus 1882

Du Barail (Francois Charles), franz. General, geb. zu Versailles 28. Mai 1820, trat 1839 in ein franz. Kavallerieregiment und wurde 1842 in demselben Offizier, 1848 Kapitän, 1854 Oberstlieutenant und 1857 Oberst und Kommandeur eines Regiments Chasseurs d'Afrigue. Im J. 1863 wurde D. Brigadegeneral, nahm am Deutsch-Französischen Kriege als Kommandeur der 1. Reserve-Kavalleriedivision, welche aus den vier Regimentern Chasseurs d'Afrique bestand, teil und geriet bei der Kapitulation der Rheinarmee bei Metz im Okt. 1870 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nach Beendigung des Kriegs übernahm D. den Befehl über das neuerrichtete 3. Armeekorps der Armee von Versailles und 25. Mai 1873 die Leitung des Kriegsministeriums, von welcher er jedoch schon nach Jahresfrist (22. Mai 1874) zurücktrat, worauf er in Tours den Befehl über das 9. Armeekorps drei Jahre hindurch führte. D. war dann in Paris als Mitglied des Kavalleriekomitees an den Beratungen über die Reformen im Bereiche der Taktik und Ausbildung der franz. Kavallerie thätig. Ein General der alten Schule, vermochte er sich mit den Vorschlägen des Generals de Galliffet nicht zu befreunden; der Gegensatz dieser Anschauungen ließ seine Thätigkeit unfruchtbar bleiben. ö Du (Marie Jeanne, Gräfin), Geliebte Ludwigs XV. von Frankreich, war die Tochter des Steuerbeamten Gomard de Vaubernier und 19. Aug. 1746 zu Vaucouleurs geboren. Nachdem sie bei einer Modehändlerin gearbeitet, kam sie als Freudenmädchen zu der berüchtigten Gourdon, wo sie wegen ihrer Schönheit den Namen l'Ange erhielt. Der Graf Jean D., in dessen Hause sich vornehme Spieler versammelten, nahm sie zu sich, und hier lernte sie der königl. Kammerdiener Lebel kennen, der sie dem fast 60jährigen König zuführte. Ludwig XV. war bald so sehr von ihr gefesselt, daß er sie bei sich behielt, ihre Vermählung mit dem Bruder des Grafen, einem Trunkenbolde, bewirkte und sie 1769 bei Hofe einführte. Der Minister Choiseul suchte sie zwar zu stürzen, führte aber dadurch nur seinen eigenen Sturz herbei. In die eigentlichen Regierungsangelegenheiten mischte sich die D. nicht, weil sie zu ungebildet und zu träge war, auch nichts als das Vergnügen liebte. Aber die der Politik des Ministers feindselige Hof⸗ und Priesterpartei gebrauchte den persönlichen Einfluß der D. zur Durchführung ihrer Intriguen gegen Choiseul. Letzterer erhielt den Abschied und die D. brachte den Herzog von Aiguillon ans Ruder und unterstützte denselben gegen das Parlament. dach dem Tode Ludwigs XV. wurde sie verhaftet und nach einem Kloster bei Meaux gebracht; doch durfte sie sehr bald in ihr Schloß bei Marly zurückkehren, wo sie mit großem Glanz lebte. In der ersten Zeit der Revolution ließ man sie ungestört. Als sie aber die Emigranten eifrig unterstützte und mit den Anhängern Brissots in Verbindung trat, ließ sie Robespierre vor Gericht stellen und 6. Dez. 1793 guillotinieren. Auf dem Wege zum Richtplatze zerfloß sie in Thränen, rief das Volk um Hilfe und Mitleiden an und bat, als sie den Kopf unter das Beil legen sollte: Monsieur le bourreau, encore un moment.v Die unter ihrem Namen erschienenen Mémoireso 1 Bde., Par. 1829 —30) sind unecht, doch von vielem Interesse.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 599Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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