FeedDufour (Wilh. Heinr.)
GeschichteBrockhaus 1882

Dufour (Wilh. Heinr.), berühmter schweiz. General, geb. 15. Sept. 1787 zu Konstanz, widmete sich zu Genf, dem Heimatsorte seiner Eltern, mathem. und jurist. Studien. Als die Vereinigung Genfs mit dem franz. Kaiserreiche erfolgte, trat er 1807 in die Polytechnische Schule zu Paris, wurde 1809 Genieoffizier, in welcher Stellung er in Korfu den Festungsbau leitete und den letzten Feldzügen Napoleons beiwohnte, und zeichnete sich, 1815 zum Kapitän befördert, bei der Befestigung und Verteidigung von Grenoble (Fort L'Ecluse) aus. Nach Wiedervereinigung Genfs mit der Schweiz stieg er bis 1827 zum Oberst im eidgenössischen Generalstabe, wurde 1831 Chef des Generalstabes und bald darauf Oberstquartiermeister. D. erwarb sich besondere Verdienste um das eidgenössische Heerwesen teils als Direktor der Militärschule zu Thun, wo — — Napoleon III. unter ihm seine militärischen Studien machte, teils durch seine Triangulierung und topogr. Aufnahme der Schweiz, aus welcher die Topogr. Karte der Schweizy (25 Blatt, 1842—65), ein Meisterwerk der neuern Kartographie, hervorgegangen ist. Im Okt. 1847 als General an die Spitze des zur Bewältigung des Sonderbundes aufgebotenen eidgenössischen Heers berufen, zeigte er sich in jeder Beziehung der ihm erteilten Aufgabe gewachsen und führte den Krieg innerhalb eines Monats zum glücklichen Ende. Er ging mit der hier doppelten Vorsicht und Bedachtsamkeit zu Werke, bewährte sich als fester Charakter und zeigte gegen die überwundenen Mitbürger eine ebenso kluge als humane Schonung. Auch 1849 bei der Grenzbesetzung im bad. it Preußen 1856, als wegen Neuenburg ein Krieg mit Preußen bevorstand, und 1859 bei der Grenzbesetzung im ital. Kriege war er wieder zum Oberbefehlshaber des eidgenössischen Heeres bestimmt. Mehrmalige Anerbietungen PMü militärischer Stellen von seiten ausländischer Mächte und Parteien schlug er aus, um seine Kräfte der Schweiz zu widmen. Der gemäßigt-konservativen Partei angehörend, nahm er im allgemeinen an den Parteikämpfen seines Heimatskantons wenig Anteil, trat aber doch manchmal im Großen Rate von Genf dem persönlichen Regiment Fazys energisch entgegen und wurde deshalb bei den Nationalratswahlen von 1848 von der radikalen Partei auf die Seite gesetzt, dafür aber von einem bernischen Wahlkreise gewählt. Zuerst als Nationalrat, dann als Ständerat gehörte er nun bis 1870 der Bundesversammlung an und wurde während dieser Zeit vom eidgenössischen Bundesrate mehrmals mit Missionen an Napoleon III. betraut, dessen Freundschaft er als Lehrer in Thun gewonnen hatte. Auch am Abschluß der Genfer Konvention 1864 nahm er als Delegierter der Schweiz und Präsident des Kongresses in hervorragender Weise Anteil. Seine letzten Jahre brachte er zurückgezogen, mit mathem. und histor. Studien beschäftigt, auf seinem Landgute in Contamines bei Genf zu, wo er am 14. Juli 1875 starb. Ihm zu Ehren wurde die höchste Spitze des Monte-Rosa Dufourspitze genannt und auch die (Topogr. Karte der Schweizv im Maßstab 1:100000 trägt seinen Namen. Ein Reiterstandbild des Generals ist für Genf projektiert. Als Zeugnis seiner gelehrten kriegsgeschichtlichen Forschungen gilt das (Mémoire sur Partillerie des anciens et sur celle du moyen-Ager (Par. u. Genf 1840; 3. Aufl. 1854). Die neuere Kriegführung behandeln: Mémorial pour les travaux de guerrer (Genf u. Par. 1820), De la fortification permanentes (3. Aufl., Genf 185⁴) und Cours de tactiques (Genf 1840; 2. Aufl. 1851; deutsch von Tscharner, Zür. 1842). Von seinen mathem. Schriften sind zu nennen: Instruction sur le dessin des reconnaissances militaireso (Genf 1827), Gëοmétrie perspective avec des applications à la reécherche des ombreso (Genf 1857). Dis letzte strategische Arbeit ist: La campagne du Sonderbund et les événements de 18565 (Par. 1876). Vgl. Ochsenbein, «General D. (Bern 1880), und Senn-Barbieux, Das Buch vom General D.v (Zür. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 620Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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