FeedDunois und Longueville
GeschichteBrockhaus 1882

Dunois und Longueville (Jean, Bastard von Orléans, * von), geb. 23. Nov. 1402, war der natürliche Sohn des von dem Herzog von Burgund ermordeten Herzogs Ludwig von Orleans, zweiten Sohnes König Karls V., von seiner Geliebten Mariette d'Enghien, der Frau des Ritters Albret de Cany. Zum geistlichen Stande bestimmt, entlief der feurige Jüngling seinen Lehrern und trat als Hauptmann in die Dienste des Dauphin, der ihn mit zahlreichen Gütern in der Dauphiné beschenkte. Er ging 1422 als Geisel für den mit Karl VII. unterhandelnden Grafen Richmond an den Hof von Bretagne, worauf er in der Gunst des Königs stieg und von demselben mit einer Menge Herrschaften belehnt wurde. Der Bastard von Orléans, wie er sich nannte, entsetzte 1427 das von Engländern belagerte Montargis mit geringer Mannschaft. Als die Engländer Orléans belagerten, gesellte er sich mit einem kleinen Korps den Verteidigern zu und behauptete diesen Platz, bis 1429 die Jungfrau von Orleéans zum Entsatz herbeieilte. Nach der Schlacht von Patay (18. Juli 1429) durchzog er mit einem geringen Korps die von den Engländern überschwemmten Provinzen und nahm die festen Plätze. Seinem aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Halbbruder, dem Herzog von Orléans, stellte er großmütig eine Menge Familiengüter zurück und erhielt dafür die Grafreb Dunois, nach der er sich nun nannte. D. vertrieb 1442 den gefürchteten Talbot von Dieppe, wofür er mit der Grafschaft Longueville belohnt ward. Dann übernahm er 1448 den Befehl der Normandie und reinigte bis 1450 diese Provinz, sowie bis 1455 auch meist Guyenne durch die Einnahme aller festen Plätze von den Engländern. Ludwig XI. schickte ihn nach seiner Thronbesteigung 1462 als Gouverneur nach dem sich an Frankreich ergebenden Genua, beraubte ihn aber kurz darauf aus Argwohn und Eifersucht aller seiner Amter. D. stellte sich deshalb an die Spitze des Bundes Pour le bien public und erhielt im Vertrage zu St.⸗Maur (1465) seine konfiszierten Güter wieder. Er starb 24. Nov. 1468. Seine Nachkommen, meist ausgezeichnete Persönlichkeiten, stiegen an Würden und Reichtümern, und schon sein Enkel, Frangois II., wurde von Ludwig XII. 1505 zum Herzog von Longueville erhoben. Karl IX. und Ludwig XIV. erklärten die D. zu Prinzen des königl. Hauses, unterließen jedoch die gesetzliche Einregistrierung der Würde. Seit Louis J.„gest. 1516, waren die D. auch souveräne Fürsten von Neuchätel und später im Besitze der Grafschaft Valengin. Henri Il., Herzog von Longueville, Fürst von Neuchätel und Valengin u. s. w., geb. 27. April 1595, war gleich den übrigen Großen ein Feind Richelieus, führte 1637 ein Armeekorps nach Hochburgund und kämpfte in den folgenden Jahren mit vielem Glück in Lothringen, im Elsaß, am Rhein und in Italien. Mazarin schickte ihn 1645 auf den Kongreß nach Münster. Er ließ sich dann für die ehrgeizigen Pläne seiner Schwäger Condé und (z Conti gewinnen, kehrte mit dem Frieden vom t I1. März 1649 an den Hof zurück, wurde verhaftet, später aber freigelassen und starb auf seinen Gütern 11. Mai 1663. — Seine Gemahlin zweiter Chent war die aus den Händeln der Fronde berühmte, durch Schönheit und Geist gleich ausgezeichnete Anne Genevieve von Bourbon-Condé, vermählt 2. Jan. 1642. Mit ihrem Bruder, dem I von Condé, erschien sie auf dem Kongreßf in Münster als eifrige Teilnehmerin an den Intriguen der Friedensverhandlung. Nach dem pariser Ve der W vom 5. Jan. 1649 trat sie an die Spitze der Mißvergnügten und suchte, nachdem sie ihren Anbeter, den Prinzen Marsillae, und Conti gewonnen, auch ihren Bruder zum Beitritt zu bewegen. In dieser Rolle war das Stadthaus ihre Residenz, und hier war es auch, wo sie 29. Jan. 1649 von dem Prinzen Charles Paris entbunden wurde. Während der dreimonatlichen Blockade der Hauptstadt übte die Herzogin den größten Einfluß über die Gegner des Hofs; bei ihr wurden die Bedingungen des 11. März 1649 unterzeichneten Vertrags entworfen. Als 1650 ihre nächsten Verwandten, die Häupter der Verschwörung, zu Paris verhaftet wurden, entkam sie in die Normandie und gelangte nach vielfachen Abenteuern nach Rotterdam, von wo sie nach Stenay, dem Hauptquartier des großen Turenne, ging, den sie für die Partei der Fronde gewonnen hatte. Hierauf erließ sie ein Manifest gegen den Hof, verhandelte mit Spanien und andern auswärtigen Höfen um Hilfstruppen, kehrte aber, als der Hof 1651 die Gefangenen frei ab, nach Paris zurück und unterhandelte nun den Frieden mit Spanien. Als wischen ihrem Bruder, dem Prinzen Condé, und der Königin neue Zerwürfnisse ausbrachen, floh sie mit demselben nach Bordeaux, unterwarf sich aber hier 31. Juli 1653. üusshe des Abfalls und der feindlichen Maßregeln ihres begünstigten Liebhabers, Larochefoucauld, entzog sie sich nun der Welt und starb 15. April 1679 unter den härtesten Bußübungen. Vgl. Willeforce, KLa vie de la duchesse de Longueville (Par. 1738; Amsterd. 1739). — Ihr jüngerer Sohn, Charles Paris, Herzog von Longueville, früher unter dem Namen des Grafen St.⸗Paul bekannt, erhielt nach dem Tode seiner Brüder die Güter und Würden seiner Familie. Er zeichnete sich 1667 im Feldzuge nach den Niederlanden, 1668 in der Franche-Comté aus und zog nach dem Aachener Frieden dem bedrängten Candia mit zu Hilfe. Im Kriege gegen Holland fand er 12. Juni 1672 seinen Tod bei dem Rheinübergang am Tollhuys als ein Opfer seines kühnen Vordringens. Mit ihm endete der legitime Stamm der Dunois.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 649Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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