FeedDubois (Guillaume)
GeschichteBrockhaus 1882

Dubois (Guillaume), Kardinal und franz. Minister unter der Regentschaft des Herzogs von Orléans, geb. 6. Sept. 1656 als der Sohn eines Apothekers zu Brive-la-Gaillarde in der Auvergne, kam als 13jähriger Knabe nach Paris in das Kollegium St.⸗Michel, wo er sich tüchtige Kenntnisse erwarb, und wurde dann Hauslehrer. Durch Bekanntschaft mit Saint⸗-Laurent, dem Unterhofmeister des Herzogs von Chartres, gelangte er in das Haus des Herzogs von Orléans, der ihn bschen zum Erzieher des jungen Prinzen machte. Obschon von häßlichem Außern, wußte er — doch durch ein kluges, gewandtes Betragen wie durch Witz und Anstelligkeit selbst bei der Herzogin sehr beliebt * machen und erhielt besonders das unumschränkte Vertrauen seines Zöglings, das er freilich weniger durch seinen didaktischen Eifer als durch seine schuldvolle Nachlässigkeit gegen die Ausschweifungen des Herzogs, ja durch eigene Teilnahme daran erwarb. Indem er die Verbindung Orléans' mit der legitimierten Tochter Ludwigs XIV., Mademoiselle de Blois, vermittelte, zog er auch die Augen des Königs auf sich. Dieser verlieh ihm dafür zunächst die Abtei St.⸗Just in der Picardie und teilte ihn der Gesandtschaft nach London zu. D. knüpfte hier wichtige Verbindungen an, insbesondere mit dem Lord Stanhope, der ihm später förderlich wurde. Nach seiner Rückkehr war er unter dem Titel eines Sekretärs im nächsten Vertrauen des Herzogs von Orléans, und als dieser 1715 die Regentschaft übernahm, wurde er gegen die Abmahnungen der einflußreichsten Personen, die den Günstling fürchteten, zum Mitglied des Conseils erhoben. Der Ausbruch des Kriegs mit Spanien, der in der Quadrupelallianz seinen Höhepunkt fand, veranlaßte den Herzog, D. nach dem Haag zu senden, wo wesentlich durch ihn jenes Bündnis zu Stande kam. Zur Belohnung erhielt er vom Regenten das Ministerium des Auswärtigen, das Erzbistum von Cambrai, den Kardinalshut und den Vorsitz in den Konvokationen des franz. Klerus wie des Ministeriums und wurde auch zum Mitgliede der Akademie ernannt. D. hatte das Verdienst, daß er Frankreich nach der Lesinder Katastrophe mit großer Gewandtheit in gesündere Verwaltungsbahnen zu lenken 5.—* Er starb 10. Aug. 1723. ubois (Jacques), latinisiert Sylvius (s. d.), franz. Anatom.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 605Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6