FeedCondeé
GeschichteBrockhaus 1882

Condeé (Ludwig II. von Bourbon, Prinz von), seiner kriegerischen Talente wie überhaupt seines glänzenden Geistes wegen der große C. genannt, eb. 8. Sept. 1621 zu Paris, führte bis zum Tode seines Vaters Henri II. (1646) den Titel «Herzog von Enghien », war schon 1640 bei der Belagerung von Arras und 1642 bei der von Perpignan thätig. Im folgenden Jahre befehligte er die franz. Armee egen die Spanier in den Niederlanden, wo er das feindliche Heer 19. Mai 1643 bei Rocroi fast aufrieb und Dem Cap einnahm. Im Herbst wurde er nach dem Elsaß geschickt, um Turenne zu unter-Dyedde und übernahm im folgenden Jahre den berbefehl in Süddeutschland. Am 3. und 5. Aug. 1644 focht er unglücklich gegen den bayr. General Merey, besiegte denselben aber, mit Turenne vereint, 3. Aug. 1645 in der Schlacht von . Er kämpfte 1646 unter dem Herzog von Orléans in Flandern und eroberte Dünkirchen. Der Tod seines Vaters machte ihn zum Haupte seiner Familie und neben dem Herzog von Orléans zum höchstgestellten Manne im Staate, brachte ihn aber in Konflikt mit Mazarin. Dennoch mußte ihm dieser 1648 den Befehl in den Niederlanden geben. C. eroberte Ypern und gewann 20. Aug. die Schlacht bei Lens, als ihn der ausbrechende Kampf der Fronde (s. d.) zurückrief. Jetzt erklärte er sich für den Hof, obgleich sein Bruder, der Prinz Conti, und seine Schwester, die Herzogin von Longueville, zur Gegenpartei standen. Nachdem sich der Hof 6. Jan. 1649 heimlich aus Paris entfernt hatte, schloß C. die Stadt ein und führte durch seine Operationen einen Vertrag herbei, dem zufolge der Hof in der Mitte des August nach Paris zurückkehrte. Da sich aber der Hof wenig dankbar gegen ihn zeigte, äußerte er laut seine Unzufriedenheit, weshalb Mazarin ihn 18. Jan. 1650 nebst seinem Bruder und seinem Schwager, dem Herzog von Longueville, verhaften ließ. Die Bewaffnung der Stadt Bordeaux durch die Herzogin von Longueville und den Herzog von Bouillon, sowie die Drohungen der Fronde und Turennes, der mit 16000 Spaniern in die Champagne vorrückte, nötigten indes Mazarin, die Verhafteten freizugeben. Wiewohl jetzt C. hoch in der Volksgunst stand, während Mazarin durch das Parlament verbannt wurde, blieb doch sein Verhältnis zum Hofe ein feindliches, auch als Ludwig XIV. 1651 die Regierung selbst antrat. Er ging deshalb nach Bordeaux, wo er Truppen warb, um den Krieg gegen den Hof zu beginnen. Durch ein von den Herzögen von Orléans, Beaufort und Nemours aus den Niederlanden ihm zugeführtes Hilfskorps verstärkt, schlug er 6. April 1652 bei Bleneau die Streitmacht des Hofs und zog gegen Paris. Allein Turenne rückte zum Schutze des Hofs heran und die Stimmung der Stadt schwankte, sodaß sich der Prinz C. im August nach der Champagne wandte, wo ihn ein span. Korps unter Fuensaldagna erwartete. Nach dem förmlichen Ausbruche des Kriegs zwischen Frankreich und Spanien übernahm C. den Oberbefehl der span. Armee, konnte jedoch gegen Turenne nichts ausrichten. Mazarin machte ihm 1653 einen mißt, sind unter K aufzusuchen. Friedensantrag, den er aus Mißtrauen ausschlug, worauf er vom Parlament zu Paris als Vaterlandsverräter zum Tode verurteilt und seiner Güter und Würden beraubt wurde. Als indessen 1659 der Friede zwischen Spanien und Labiktter zu Stande kam, erfolgte auch C.s Rehabilitierung, sodaß er sogar 1660 nach Paris zurückkehren konnte und 1668 den Auftrag erhielt, die Franche-Comté 10 occupieren. Er befehligte 1673 in den Niederanden, griff 11. Aug. 1674 die Verbündeten bei dem Dorfe Senef an und lieferte drei mörderische Gefechte, nach welchen sich beide Parteien den Sie Emennrs Im Feldzuge von 1675 erhielt C. nach urennes Tode (27. Juni) den Oberbefehl der franz. Armee in Deutschland. Obschon er Montecuculi zwang, die Belagerung von Hagenau aufzuheben, und Zabern znnierte, mußte er doch bald, durch heftige Gichtanfälle gezwungen, das Kommando für immer niederlegen. Auf seinem Landsize Chantilly verbrachte er den Rest seines Lebens im Umgange mit den ausgezeichnetsten Geistern Elann. Sei und starb 11. desch 1686 zu rmenlr leau. Sein Leben haben beschrieben: Desormeaux (4 Bde., Par. 1756 — 58; deutsch, Potsd. 1783), Ludwig Joseph, Prinz von C. (Lond. 1806), Mahon Cond. 1840; 2. Aufl., Lond. 1861), Lemercier (Tours 1844; 10. Aufl. 1869), Voivreuil (Tours 1847); vgl. ferner Fitzpatrick, Great C. and the period of the Fronden (2. Aufl., 2 Bde., Lond. 1874); La Brune,Mémoire pour servir à Phistoire de Louis de Bourbon, prince de C. (Köln 1693).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 552Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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