Dürkheim oder Dürkheim an der Hardt, Stadt im Bezirksamt Neustadt der bayr. Rheinpfalz, an der Monsheim-Neustadter Eisenbahn, am Ostfuße der Hardt und vor dem Eingange zum Thal der Isenach anmutig in 117 m Höhe, 13 km nördlich von Neustadt, gelegen, Sitz eines Amtsgerichts, eines Rentamts, der Pollichia (naturwissenschaftlichen Vereins der Pfalz) mit reicher Naturalienammlung und Bibliothek im Stadthause und eines ltertumsvereins, hat eine kath. und 5 evang. Kirchen, eine Synagoge, eine Lateinschule, Handelsschule, städtische und Privattöchterschule und zählt (1880) 6089 E., welche neben bedeutendem Wein- und Obstbau Weinhandel treiben und eine Öl⸗, drei apiermühlen und eine Farbenfabrik unterhalten. ur Stadt gehören ein Eisensäuerling und die an der Stelle des ehemaligen Nonnenklosters Schönfeld stehende Saline Philippshall, welche aus sieben Solquellen jährlich 10000 Ctr. Koch⸗, Vieh⸗ und Dungsalz liefert und Handel mit Mutterlauge treibt. D. ist das einzige Solbad der Pfalz; als Trinkbrunnen dient hauptsächlich der Bleichbrunnen. Eine bennd Badeanstalt wurde 1875 erbaut, ein Kursalon efindet sich im Stadthause, daneben seit 1883 eine eiserne Kolonnade. Außer den Solbädern zieht vor-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. V. herbei die Traubenkur im Herbste zahlreiche Gäste erbei. D. oder Thuringoheim war in frühester Zeit im Besitz der Frankenherzöge aus dem Geschlecht der Salier und wird schon 742 erwähnt. Kaiser Konrad II. schenkte seine Güter zu D. der Abtei Limburg, deren Lehnsträger seit 1127 die Grafen von Leiningen waren. Unter diesen ließ Graf Friedrich III. 1260 — 70 eine Feste bauen, Emich V. umgab 1359 —79 den Ort mit Mauern und Graben und erhob ihn zur Stadt. Diese wurde 1470 vom Kurfürsten Friedrich von der Pfalz erobert, im Dreißigjährigen Kriege von den Spaniern, 1674 und 1689 von den Franzosen geplündert und verheert. Als Residenz der Grafen von Leiningen-Hartenburg erhielt sie 1700 neue Privilegien, dann ein neues Schloß mit Lustgarten und 1780 ein Theater, in welchem der berühmte Iffland selbst dirigierte. Das Schloß wurde 1794 von den Franzosen unter Custine zerstört. Am 15. Juni 1840 fand hier ein Gefecht zwischen den Preußen und den Insurgenten statt. Etwa 2 km im SW. von D., am Eingang in das Isenach- oder Dürkheimerthal, liegen als eine derschönsten Kloster-und Kirchenruinen Deutschlands die stattlichen Trümmer der ehemaligen Benediktinerabtei Lintburg oder Limburg, welche von Kaiser Konrad II. 12. Juli 1030, an demselben Tage, wo er den Grundstein zum Dom von Speier legte, an Stelle des väterlichen Stammschlosses gegründet, 1504 vom hartenburger Grafen von Leiningen, Emich VIII., erobert und zerstört, 1515— 51 dürftig wieder aufgebaut, aber 1571 vom Kurfürsten von der Pfalz aufgehoben wurde. Etwa 2,5 km westlicher liegen die umfangreichen Ruinen der Hartenburg, eine der größten in Deutschland, mit kolossalem Rundturme, die um 1200 von den Grafen von Leiningen gegründet und 1689 von den Franzosen zerstört wurde; in 1 Km Entfernung davon liegen die Reste der frühroman. Burg Schloßeck, seit 1880 von Dr. Mehlis aufgedeckt, 4 km südwestlich von D. die roman. Kirche des Klosters Seebach. Nordöstlich von Limburg umschließt den Scheitel des Kastanienbergs die Heidenmauer, ein 10—25 m breiter, 3—10 m hoher Steinwall, der mit dem Kloster Limburg den Stoff zu Coopers Roman „«Die Heidenmauer und die Benediktiner geliefert hat. Durch Nachgrabungen des Altertumsvereins zu D. wurden hier seit 1874 Reste von thönernen Gefäßen und andere Altertümer gefunden. Vgl. Butters, Führer durch Bad D. und seine Umgebungen (Dürkh. 1868).