FeedDyck (sprich Deik, Anton van)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Dyck (sprich Deik, Anton van), einer der berühmtesten niederländ. Porträt- und Historienmaler, geb. 22. März 1599 zu Antwerpen, war der Sohn des Glasmalers Franz van D., der ihn in Gemeinschaft mit der Mutter, welche die Landschaftsmalerei übte, in den Anfängen der Kunst unterrichtete. Der Vater gab ihn 1610 zu H. van Balen in die Lehre, wo er bis 1615 blieb. Seine künstlerische Vollendung suchte er sodann in der Schule des P. P. Rubens, in der er auch so schnelle Fortschritte machte, daß der Meister ihn bald bei Ausführung seiner großen Arbeiten verwenden konnte. D. eignete sich indes anfänglich die Eigentümlichkeiten seines Lehrers mit ider-Jiulie Übertreibung an, und erst das Studium der Italiener brachte ihn auf den von der Natur ihm vorgeschriebenen Weg. Nach Ausfuhrung einiger selbständiger Gemälde ward er bereits 1618 in die St.⸗Lukasbrüderschaft seiner Vaterstadt als Meister eingeschrieben und erlangte bald einen so ausgedehnten Ruf, daß er 1620 an den Hof König Jakobs J. nach London berufen ward. Im folgenden Jahre reiste er von England nach Italien, und nachdem er zunächst in Genua thätig gewesen, malte er in Rom den Kardinal Bentivoglio mit solcher Kunst, daß dieser sein Beschützer wurde. Danach begab er sich nach Bologna und . wo er vornehmlich Tizian und Paul Veronese studierte. über Mantua und Rom nach Genua zurückgekehrt, folgte er 1623 dem Rufe des Vizekönigs Philibert Emanuel von Savoyen nach Palermo, von wo ihn jedoch die ausbrechende Pest bald wieder vertrieb. Nach Ausführung zahlreicher Werke, namentlich Porträts ital. Großen, landete er 4. Juli 1625 in Marseille, besuchte Paris und begab sich nach seiner Vaterstadt, wo er sechs volle Jahre in angestrengter Arbeit thätig war. Mißverhältnisse zwischen ihm und seinem Lehrer trühten indes diese Zeit, sodaß er bereitwillig einer Einladung des Prinzen Friedrich von Oranien nach dem Haag folgte, wo er wiederum viele angesehene Personen malte. Er ward 1632 zum zweiten mal nach England berufen, wo König r Karl I. ihm einen Jahresgehalt von 200 Pfund t aussetzte und ihn auch sonst mit Ehren und Wohlthaten überhäufte. D. ward hier in das verschwenderische Leben des Hofs gezogen, und sein Haus war der Sammelplatz der vornehmen und gebildeten Welt. Er verheiratete sich in England mit Marie Ruthwen, der schönen, aber armen Tochter des Grafen Gowrie, und begab sich dann infolge der revolutionären Ereignisse daselbst in seine Heimat, von da nach Paris. Da er aber nirgends genügende Arbeit fand, kehrte er nach zwei Monaten nach England zurück, wo er bald, 9. Dez. 1641, starb und mit großer Pracht in der Paulskirche beigesetzt wurde. D. suchte statt des Ausdrucks gewalts amer Affekte, wie sie Rubens liebte, mehr einen weichern, ja sentimentalen Zug in seine Darstellungen zu legen. So malte er gern ruhige, empfindungsreiche Scenen, die er, wie z. B. den toten, von den Seinen beweinten Christus, sehr oft wiederholte. Zwei Bilder derart besitzt die antwerpener Akademie, zwei andere die Galerie in München; auch das madrider sowie das berliner Museum haben dergleichen aufuweisen. Ein anderer, ebenfalls vielfältig von ihm dargestellter Gegenstand ist das Märtyrertum des heil. Sebastian. Endlich behandelte er gern die Heilige Familie und entwickelte darin all seine Anmut und Liebenswürdigkeit. Beispiele derart finden sich in den londoner Galerien, im Louvre, in Berlin. Am größten war D. im Porträt, deren man noch jetzt dritthalbhundert von seiner Hand nachweisen zu können glaubt. Er verstand es meisterhaft, den ganzen Habitus der vornehmen Welt mit seiner Charakteristik wiederzugeben, und verband damit eine ber Dil warme Färbung. Eine Anzahl vorzüglicher Bildnisse befindet sich im Palast Brignole u Genua, unter ihnen das des Marchese Brignole felbst ein großes Reiterbild. Andere zahlreiche Porträts finden sich in Florenz, Antwerpen, im Louvre, in Madrid, in London, in Dresden, München, zu Wien in der Galerie Liechtenstein u. s. w. Von den zahlreichen Bildern Karls I. und der königl. Familie ist das des Königs im Louvre das schönste. D. brachte ferner einen Cyklus von Bildnissen mitlebender Künstler und Kunstfreunde zu Stande, welcher 1636 zu Antwerpen unter dem Titel Icones principum, virorum ete.v im Stich erschien. Die vollständigste Sammlung seiner Bildnisse ist die Iconographie, ou vies des hommes illustres du 17 siècleo (2 Bde., Amsterd. 1759), die aber in den Abdrücken mittelmäßig ist. D. hat auch selbst einige jetzt sehr seltene Blätter gefertigt. Vgl. Carpenter, cMemoir of Sir Anton van D. with à descriptive catalogue of his etchingso (Lond. 1844).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 685Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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