FeedCarsteus (Asmus Jak.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Carsteus (Asmus Jak.), bahnbrechender deutscher Maler, geb. zu St. Jurgen bei Schleswig f 10. Mai 1754 als Sohn eines Müllers, mußte, nachdem er den Vater verloren und die Verhältnisse der Familie sich verschlechtert hatten, trotz seiner früh erwachten Neigung zur Kunst im 16. Jahre bei einem Weinhändler Bruyn in Schleswig in die Lehre treten. Sobald er mündig geworden, 1776, verließ er dessen Haus und ging auf gut Glück nach Kopenhagen, wo er sich mit größtem Eifer dem Studium der bildenden Kunst, namentlich der antiken, widmete, während er sich gleichzeitig durch Porträtmalerei den Unterhalt zu verschaffen suchte. Dabei las er die Alten, besonders den Homer, so- wie Shakspeare, Ossian, Klopstock, die ihn zu eigener poetischer Thätigkeit anregten (1783 erschien in Kopenhagen ein Bändchen „Oden und Elegien v von ihm unter dem Namen Jakob) und denen er die Motive seiner Kompositionen entnahm. Seine Studien betrieb er fast ganz autodidaktisch; zur topenhagener Akademie trat er nur den kurze Zeit in Beziehung; er wurde von derselben verwiesen, da er sich bei einer Preisverteilung zurückgesetzt fühlte und die ihm zuerkannte Medaille zweiter Klasse ausschlug. Ostern 1783 ging er in egleitung seines ebenfalls dem Kunststudium obliegenden Bruders Friedrich nach Italien, wo er namentlich in Mantua die Fresken Giulio Romanos studierte, aber Mittellosigteit nötigte ihn, nach Deutschland zurückzukehren. Über Zürich, wo er Lavater und Geßner kennen lernte, kam er nach Lübeck. Fast fünf Jahre erwarb er hier wieder seinen Unterhalt mit Porträtmalen und studierte dabei mit rastlosem Fleiße. Endlich ward ein reicher Kunstliebhaber, Matthäus Rodde, auf ihn aufmerksam gemacht, der ihn in den Stand setzte, 1788 nach Berlin überzusiedeln. Hier lebte er anfänglich sehr still, fast nur mit Arbeiten für Buchhändler beschäftigt, z. B. den Illustrationen zu Ramlers Mythologiev und zur — von Moritz, jedoch der Erfolg, welchen seine Komposition Der Sturz der Engel, hatte, verschaffte ihm eine Stellung als Professor an der Akademie. Von wichtigern Arbeiten, die er in Berlin ausgeführt hat, sind die dekorativen Malereien im ehemals Dorvilleschen Hause zu Grunde gegangen ähnliche in einem Zimmer des königl. Schlosses (Frieskomposition mytholog. Inhalts, grau in grau) noch erhalten. ährend der Thätigkeit an diesen Werken stand er in besonders naher geistiger Beziehung zu dem Architekten Hans Christian Genelli (dem Oheim des Malers). Auch mehrere plastische Arbeiten, unter anderm ein Modell zum Denkmale Friedrichs d. Gr., fallen in diese Zeit. Im J. 1792 wurde ihm das lange ersehnte Glück zuteil die Mittel zu einer zweijährigen Studienreise nach Italien zu erhalten. In Rom brach sein Schaffenstrieb mächtig hervor; die großartige Auffassung und der hohe Stil seiner Kompositionen erregten Staunen. Die Gegenstände derselben sind meist den klassischen Dichtern des Altertums sowie dem Dante, Ossian und Shakspeare Audhoff es sind ausschließlich Zeichnungen, meist in Rotstift, und Blätter in Wasser⸗ und Deckfarben; mit der Technik der Olmalerei hat er sich fast gar nicht befaßt. Sein Streben war darauf gerichtet, der Malerei die im herrschenden Kunstbetriebe verloren gegangene Würde dadurch dung mür den daß er sie vermöge ihrer Verbindung mit den höchsten Bildungselementen befähigte, an der geistigen und sittlichen Erziehung des Volks teilzunehmen. In diesem hohen Sinne schaffend, richtete er Aus. Augenmerk auf die Wandmalerei; fur diese Ausführungsweise sind die meisten seiner Kompositionen gedacht. Um seine künstlerische Entwickelung nicht 1 unterbrechen, schien es ihm Pflicht gegen sich selbst, in Rom zu bleiben. Dadurch kam er in Konflikt mit der Akademie in Berlin und mit dem Kurator derselben, dem Minister von Heinitz, welcher ihm das Stipendium, das er genoß, in der wohlwollenden Absicht gewährt hatte, daß C. nach den Jahren des ital. Studiums innerlich bereichert und künstlerisch befestigt zur Lehrthätigkeit in die Heimat zurückkehren sollte. C.s Weigerung führte den Bruch herbei, demzufolge der Minister sich dem Künstler entzog und dieser, auf sich selbst angewiesen, 11 Dasein kümmerlich weiter fristete und, obwohl fortwährend rastlos schaffend, nach wenig Jahren dem Brustleiden erlag, mit welchem er von Nar. auf behaftet gewesen war. Er starb 26. dai 1798 und wurde auf dem prot. Friedhofe in Rom, bei der Pyramide des Cestius, begraben, wo ein sinniges Denkmal seinen Namen feiert. Wenn C. auch fast nur Entwürfe hinterlassen hat, erscheint er doch nichtsdestoweniger als ein Künstler ersten Ranges, der bei glücklichen Verhältnissen und förderlichem Verständnis der Mitwelt des Höchsten fähig gewesen wäre, wie denn seine Werke zahllosen Künstlern eine Quelle der Begeisterung für die erhabenen Aufgaben der Kunst geworden sind. Eine erste Lebensbeschreibung von C. lieferte sein Freund Fernow (1806; mit Kommentar und Verzeichnis der Werke neu herausg. von Riegel, Hannov. 1867). Durch Fernows Vermittelung und auf Goethes Fürsprache gelangten die nachgelassenen 5915 uo C. in den Besitz des weimarischen Hofs und sind jetzt im großherzogl. Museum daselbst aufbewahrt. Sie wurden in Auswahl durch W. Müller in Umriß gestochen, ein Unternehmen, welches H. Riegel mit Hilfe der Kupferstecher Merz, Schütz und des Lithographen G. Koch fortsetzte und zu einer Gesamtausgabe von C. Werken verbolltändigt (2 Bde., Lpz. 1869 u. 1874) und mit Kommentar ausgestattet hat. Bereits 1799 war der Cyklus Die Argonauteno, von J. A. Koch gestochen, in Rom herausgegeben worden. Zahlreiche Originale besinden sich in Kopenhagen, in Berlin und anderwärts in Privatbesitz zerstreut. Vgl. Schöne, Beiträge zur Lebensgeschichte des Malers C.v(Lpz. 1866); F. von Alten, (Verzeichnis der Werke u. f. w. von C.v (Oldenb. 1866); A. Sach, „(C.' Jugend und Lehrjahrer (Halle 1881). OCarta (ital.), Papier; C. bollata, Stempelpapier, C. rigata, Patronenpapier, für die Patronen oder Musterzeichnungen in der Weberei.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 21Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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