FeedDynamik
TechnikBrockhaus 1882

Dynamik (grch., von duante, die Kraft) nennt man denjenigen Teil der Mechanik, welcher die Lehre von der Bewegung der Körper und von den bewegenden Kräften behandelt, im Gegensatz zu der Statik (s. d.) oder der Lehre vom Gleichgewichte der Körper und der sich aufhebenden Kräfte. Da nun die Körper l als feste, flüssige und luftförmige vorkommen, so hat man hiernach jeden jener beiden Hauptteile der Mechanik wieder in drei Disciplinen zerlegt. Man unterscheidet demnach in der D.: 1) die D. im engern Sinne (auch Geodynamik genannt) oder die Lehre von den Bewegungskräften der festen Körper; 2) die Hydrodynamik oder Hydraulik (s. d.) und 3) die Aérodynamik (s. d.) oder Pneumatik. (S. Phoronomie, Kinetik, Kinematik.) In philos. Beziehung versteht man unter D Hedie mismus diejenige naturphilos. Ansicht, welche die stoffliche Erscheinung der Materie aus einer mehr oder minder großen Anzahl von Kraftwirkungen abzuleiten und zu erklären sucht. Während die gewöhnliche Vorstellungsweise und nach ihr ein großer Teil der naturphilos. Theorie sich eine Kraft nur als die Wirkungsart eines bestehenden Dinges oder Stoffs denken zu können meint, sucht umgekehrt der Dynamismus den Nachweis zu liefern, daß die Kraft überall das Ursprüngliche und der Stoff nur die erscheinende Wirkung derselben sei. Er stützt diesen Nachweis namentlich darauf, daß, wo wir z. B. durch den Tastsinn den Stoff unmittelbar wahrzunehmen glauben, wir in Wahrheit nur eine bestimmte Druckkraft, welche auf unsere Tastorgane ausgeübt wird, zu erfahren vermögen und daß nur die Gewohnheit des Denkens und der Sprache uns veranlaßt, auf ein bestehendes Etwas als das Substrat dieser Kraftwirkung zu schließen. Allein auch die Kraft wird von uns nicht unmittelbar erfahren, sondern vielmehr als Ursache für die Veränderung unserer Empfindungen vorausgesetzt, und es erweisen 1 somit sowohl Kraft als auch Stoff lediglich als eziehungsbegriffe, durch welche wir uns den Inhalt unserer wechselnden Empfindungen metaphysisch zu deuten gewöhnt sind. Durch Anwendung der Kategorie der Substantialität auf den Empfindungsinhalt entsteht die Vorstellung des Stoffs, durch Anwendung der Kategorie der Kausalität auf denselben Empfindungsinhalt entsteht die Kategorie der Kraft. In der deutschen Philosophie 6 der Dynamismus wesentlich durch die Naturphilosophie Kants und der idealistischen Richtung speziell Schellings und seiner Schule vertreten, welche letztere seit Fichte überhaupt die Tendenz sprun⸗ alle scheinbare Realität als Produkt urprünglicher substratloser Funktionen aufzufassen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 688Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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