Dynamit (von den Bergleuten in Californien und Nevada Giant⸗-powder genannt) ist die Bezeichnung für ein von dem Schweden Alfred Nobel in den Handel gebrachtes, gegenwärtig allgemein angewandtes Sprengmaterial, welches dadurch hergestellt wird, daß man gewisse poröse pulverförmige anorganische oder organische Körper mit Nitroglycerin (s. d.) tränkt. Gewöhnlich besteht der D. aus 60—75 Teilen Nitroglycerin und 25—40 Teilen Infusorienerde, anstatt der letztern hat man indessen auch Thon (Porzellanerde), Kohlenpulver, Zucker u. s. w. zu verwenden versucht. Er erscheint als eine graubraune, rötliche oder schwarze, geruchlose, fettig erscheinende Masse von 1,6 bis 1,8 Volumengewicht. D. ist ein vorzügliches Sprengmaterial. Gut bereitet, explodiert er durch bloßen Stoß nicht, wie durch vielfache, unter den kritischsten Umständen ausgeführte Versuche erwiesen ist; wenn einzelne Fälle vorgekommen sein sollen, daß D. ohne Hinzutritt von Feuer und nur durch Stoß sich entzündet haben soll, so ist dies auf schlechte Bereitung zurückzuführen. Dagegen ist der D. höchst gefährlich, wenn das darin enthaltene Nitroglycerin durch Kälte erstarrt ist. Es liegen konstatierte Fälle vor, wo gefrorene Dynamitpatronen durch bloßes Hinfallen sich entzündeten. Bei seiner Verwendung als Sprengmittel bedarf er einer künstlichen Zündung durch explodierendes Knallquecksilber oder den überspringenden elektrischen Funken, wobei er eine solche heftige Wirkung ausübt, daß selbst ohne Besatz die größten Eisenblöcke zersprengt werden. In offenem Raume verbrennt er ohne Explosion. Bei seiner Verbrennung entwickelt er nur Kohlensäure, Wasserdampf und Stickgas. Vorzüge des D. gegen das Sprengpulver sind: er erleidet keine Veränderung durch Feuchtigkeit; er bewirkt große Arbeitsersparnis, weil weniger Bohrlöcher von geringerm Durchmesser erforderlich sind, ferner Ersparnis an Kosten: obgleich D. 3½ bis 4 mal soviel kostet als Pulver, leistet er doch 8 mal soviel, ferner verbreitet er keine schädlichen Gase; außerdem ist seine Anwendung, wenn die Arbeiter über seine Eigenschaften gehörig instruiert sind, relativ gefahrlos. Für den Gebrauch wird das Dynamitpulver in Iu Stein aus Pergamentpapier fest eingedrückt. n Steinkohle kann das Pulver locker verwendet werden. Zur Zündung bedient man sich einer Zündschnur mit aufgeschobenem und mittels Zange darauf festgekniffenem Zündhütchen; diese wird 3 em tief in das Pulver geschoben, dies fest angedrückt und die Patrone mit einem Papierstöpsel geschlossen. Der Besatz wird aus losem Sande hergestellt. Beim Transport bieten D. und Dynamitpatronen keine Gefahr dar, solange die Zündschnur mit Zündhütchen getrennt von dem D. transportiert werden. Auf deutschen Bahnen dürfen D. und Dynamitpräparate nicht versandt werden. Dynamitähnliche Gemische sind unter anderm der Lithofrakteur, das Dualin (s. d.), das Koloniapulver, das Fulminatin, die Lignose, das Sebastin, das Serranin, das Heraklin u. s. w. Vgl. R. von Wagner, «Handbuch der chem. Technologie (10. Aufl., Lpz. 1875); derselbe, „Jahresbericht über die Leistungen der chem. Technologie «Encyklopäd. Handbuch der technischen Chemie v (3. Aufl., Bd. 3, Art. 4Glycerinv», Braunschw. 1876); Trauzl. 4 Explosive Nitrilverbindungen (Wien 1869); J. Mahler, 4 Die moderne Sprengtechnik' (Wien 1873); C. von Meyer, Die Explosivkörpery (Braunschw. 1874).