FeedEbene bezeichnet in der Geographie
ErdkundeBrockhaus 1882

Ebene bezeichnet in der Geographie, im Gegensatz zum Gebirge, die einfachste Form des Bodenreliefs, nämlich eine mehr oder minder ausgedehnte, horizontale oder geneigte Landstrecke ohne alle oder doch mit nur sehr wenig Über deren Niveau sich erhebenden Erhöhungen oder unter dasselbe tauchenden Eintiefungen. Obgleich aber der Charakter der E. die Horizontalität und Ungebrochenheit der Oberflächengestaltung ist, so unterliegt doch weder die eine noch die andere streng mathem. Auffassung. Beide werden durch die Natur nur annähernd vertreten, und keine C. behauptet in irgend beträchtlichem Umfange eine völlig horizontale und glatte Oberfläche. Der Wechsel zwischen geringen Eintiefungen und Erhabenheiten in ausgedehnten Züen ruft eine wellenförmige E. hervor, gleichbn das Bild einer in leichte Wellenbewegung veretzten und so plötzlich erstarrten Wasserfläche. Die E. wird auch als and bet bezeichnet, selbst dann noch, wenn ein Land, d. h. ein natürlich abgegrenzter Oberflächenraum, durch schwache Senkungen und niedrige Terrainwellen, durch flache Gründe und sanft ansteigende Anhöhen und Landrücken oder durch niedrige Abbrüche und Terrassen, dur Flußbetten, Seebecken, wassererfüllte oder trockene Aushöhlungen oder selbst durch einzelne höhere Berge eine vertikale Gliederung erhält, sobald diese dertikalen Unterschiede oder Wechsel von hoch und tief auf ein geringes Maß beschränkt bleiben. Der bei weitem größte Teil der Erdoberfläche hat die Gestalt der E.; aber man unterscheidet mit Rücksicht auf den verschiedenen Grad der absoluten Erhebung der einzelnen C. über das Niveau des Meers zwischen Tiefebenen (bei beschränktern Raumverhältnissen bisweilen auch Niederungen genannt), die im ganzen und großen ihrer Erstreckung nur wenig über dem Meeresspiegel erhaben liegen, und Hochebenen (auch Tafelländer oder Plateaus), zu denen man um ein Bedeutenderes hinaufsteigen muß. Die Tiefebenen bilden das Tiefland im Gegensatz zu dem Hochland, welches nicht nur die Hochebenen, sondern auch das Gebirgsland begreift. Dieser Gegensatz ist jedoch nur ein relativer, da sich ein bestimmtes Maß der Erhebung nicht angeben läßt, bei welcher eine C. zu den Tiefebenen oder zu den Hochebenen zu rechnen ist. Eine vom Meeresrande allmählich selbst bis zu 300 m und noch höher aufsteigende E. wird stets als Tiefebene bezeichnet werden können, während man eine schroff, wenn auch nur bis zu 200 m sich erhebende C. zu den Hochebenen (in solchen Fällen insbesondere Platten genannt) rechnet. In Ländergebieten, wo die Hochebenen in einer Höhe von 1950— 3250 m liegen, wird natürlich der Ausdruck Tiefebene auch noch auf Bodenflächen Anwendung finden, die bis zu 400 m und darüber ansteigen. Im allgemeinen Sprachgebrauch nennt man Plateaus vorzugsweise solche Bodenanschwellungen, welche auf die Rauheit des Klimas merklich einwirken, während man die Bezeichnung Hochebene auf bedeutendere Gesamterhebungen größerer Erdräume (d. h. bedeutend in Bezug auf deren allgemeines Relief) beschränkt. Die größten Hochebenen sind in Asien die Wüste Gobi, in Afrika die Sahara, die man früher für ein Tiefland Derid und die südafrik. Mulde; in Europa die oberschwäb.⸗bayr. und die castilische Hochebene; in Nordamerika die Hochebene von Mexiko und das Große Westplateau (s. Cordilleras), in Südamerika das von Quito, welches bis 2900 m, und das des Titicacasees, welches bis 4000 meemporsteigt. Die Tiefebenen, welche den überwiegend größern Raum von der Landfläche der Erde einnehmen, beginnen gewöhnlich am Meere, von dem sie sich ganz allmählich nach dem Innern erheben. Zuweilen finden sie sich auch im Innern, vom Hochlande gleich Becken umschlossen (die österr., ober⸗ und niederungar., oberrhein., niederarragon. Tiefebene). Auch sinken sie bis unter das Meeresniveau herab, wie sich dies im kleinen bei den Niederungen Hollands und an den Küsten Schleswigs, am großartigsten in der uralo-kaspischen Erdsenke zeigt, in welcher der Kaspisee 24 m unter dem Spiegel des Schwarzen Meers liegt. (S. Depression, geographisch.) Die größten Tiefebenen sind in Europa die sarmatisch-germanische, die sich von der Schelde bis an den Ural erstreckt, und die niederungarische an der Donau-Theiß; in Asien die westsibirische, die von Turan, Hindostan, China und das Euphratgebiet; in Amerika die des Mississippi, Orinoco, Amazonas und La Plata; in Australien die ungemessenen Räume des Innern. Hinsichtlich ihrer dußern Physiognomie weichen, je nach der geognost. Beschaffenheit des Bodens, des Klimas, der Bewässerung, der Vegetationsbekleidung und deren Benutzung, die Hoch- und Tiefebenen sehr voneinander ab, wenn sie auch beide, gemäß der Einförmigkeit ihrer Oberfläche, eine große Gleichheit in den übrigen Naturverhältnissen darbieten. Die äußersten Extreme sind die Wüsten (s. d.), die sich vorzugsweise in Afrika und Asien ausdehnen, und die Kulturebenen, welche keinem Erdteile Du und dem Hoch⸗ und Tieflande angehören. Dazwischen liegen die mehr oder weniger kulturfähigen Heiden Europas, wie die von La Mancha in Spanien, Les Landes in Pußten un die lüneburgische, die jütländische, die Pußten Ungarns, die Steppen in Südrußland, Westsibirien, Centralasien und im Sudan, die Karroo des Kaplandes, die Praierien oder Savannen in Nordamerika, die Llanos und Pampas in Südamerika, die Tundren in Nordrußland und in Nordsibirien.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 702Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6