FeedEchsen
TierreichBrockhaus 1882

Echsen, Eidechsen, oder Saurier (Sauria) bilden eine Ordnung in der Klasse der Lurche (s. d.) oder Reptilien und gehören nebst den Schlangen, mit welchen sie die größte Verwandtschaft haben, zu der Unterklasse der Schuppenschleicher (Pholidota), die sich von den Panzerschleichern (Krokodilen und Schildkröten) durch Hautschuppen, eine quere Afterspalte und doppelte Rute unterscheiden. Mit Ausnahme weniger Gattungen von schlangenartiger Gestalt, z. B. der Blindschleiche, haben alle äußerlich hervortretende Füße, die, meist vier, sehr selten nur zwei an der Zahl, bald mehr zum Laufen, beim Chamäleon sogar zum Klettern, bald zum Schwimmen eingerichtet sind. Ihr fast immer etwas langgestreckter Körper ist mit sehr mannigfach gebildeten Schuppen und Schildern, bei einigen mit einer schuppenlosen und geringelten Haut bedeckt. Die Färbung ist oft sehr lebhaft und bei einigen, den Chamäleonen, einem merkwürdigen Wechsel unterworfen, die Körpergröße verschieden, von 5 em bis 2 m. Alle sind mit Zähnen versehen, die aber nur zum Festhalten einer Beute, nicht zum Kauen dienen und meist nur in die Kiefer eingepflanzt sind, nur sehr selten noch in die Gaumenbeine wie bei den Schlangen. Hinsichtlich der Befestigung der meist spitzen, kegelförmigen Zähne hat man Akrodonten, bei welchen sie auf dem Kieferrande angewachsen sind, und Pleurodonten unterschieden, deren Zähne innen an den Kieferrand angelehnt sind. Die Struktur der Kiefer bildet das wesentlichste Unterscheidungszeichen von den Schlangen; bei diesen sind nämlich die beiden Unterkieferäste vorn am Kinn getrennt, sodaß sie seitlich voneinander bewegt werden können, bei den Eidechsen dagegen sind sie durch feste Bänder und Knorpel miteinander verbunden oder selbst gänzlich verwachsen. Mit sehr wenigen Ausnahmen ernähren sie sich nur aus dem Tierreiche; während die kleinern Arten sich mit Insekten begnügen, sind die großen furchtbare Raubtiere. Alle legen Cier, überlassen aber die Ausbrütung der atmosphärischen Wärme. In den kältern Erdgegenden ist ihre Zahl nicht groß; Deutschland besitzt etwa acht Arten, die während des Winters in Schlaf verfallen, im Sommer aber sehr beweglich, jedoch unschädlich sind. In Aquatorialländern erscheinen sie hingegen in großen Mengen und von mannigfachster Gestaltung. Nutzen zieht der Mensch kaum von ihnen, doch schätzt man das Fleisch gewisser Arten, z. B. der Tejuechsen und Leguane in Brasilien als Leckerbissen. Man unterscheidet unter den E. mehrere Gruppen, die man hauptsächlich durch den Bau der Zunge charakterisiert hat: Spaltzüngler (Eissilinguia) mit vorn zweispitziger, schlangenähnlicher Zunge, wozu die Warane der Alten, die Tejus der Neuen Welt und unsere gewöhnlichen Eidechsen gehören; Dickzüngler (Crassilinguia) mit dicker, fleischiger, an der Spitze abgerundeter Zunge, wozu die meist kurzbeinigen, plumpen Agamen der südl. Erdteile, die sonderbaren Leguane und Basilisken, sowie die mit Haftscheiben an den Füßen versehenen Geckos gerechnet werden; die Wurmzüngler (Vermilinguia), durch die wurmförmige, weit vorschnellbare Zunge ausgezeichnet und nur die Chamäleons begreifend, und endlich die Kurzzüngler (Brevilinguia) mit kurzer, scheidenloser Zunge, die durch allmähliche Reduktion der Füße sich den Schlangen nähern und worunter die Schleichen, wie unsere Blindschleiche, die Wirbelschleichen und die ganz fußlosen Doppelschleichen gehören, welche letztere manche Forscher auch als fünfte Gruppe unter dem Namen der Ringelechsen (Annulata) abtrennen. In der Vorwelt waren außer diesen Familien noch andere, jetzt ausgestorbene repräsentiert, wie die Dinosaurier (s. d.), Ichthyosaurus (s. d.), Plesiosaurus (s. d.) und die Pterodaktyle (s. d.). Die genannten Typen, die man ebenso wie die Krokodile gewöhnlich zu den E. stellt, haben zum Teil so abweichende Organisation, daß sie besondere Gruppen oder selbst Klassen bilden müssen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 722Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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