FeedDickhäuter
TierreichBrockhaus 1882

Dickhäuter oder Vielhufer (Pachydermata oder Multungula) nannte man bisher eine große Gruppe meist großer und plumper Säugetiere, deren schwerfälliger Rumpf auf dicken, verhältnismäßig kurzen, massiven Füßen ruht, deren Zehen mit ihrem Endgliede in hornigen Hufen stecken und einzig die Erde berühren. Die Zahl der Zehen wechselt insofern, als Im bis zwei Zehen den Boden berühren können; in letzterm Falle finden sich aber stets noch rudimentäre Zehen, sog. Afterklauen, die in einiger Höhe über dem Boden schweben und denen stets unverschmolzene Knochen in der Mittelhand und dem Mittelfuße entsprechen. überall dienen die Füße nur zum Gehen, nie zum Festhalten, Klettern oder Graben, aber nichtsdestoweniger finden sich in den äußern Formen sehr viele Verschiedenheiten vom säulenförmigen Fuße des Elefanten bis zum gespaltenen Hufe des Schweins. Auch das Zahnsystem ist außerordentlich wechselvoll und nur insofern übereinstimmend, als meist alle drei Arten von Zähnen, Schneide⸗, Eck⸗ und Backenzähne, vorkommen, deren Ausbildung aber in allen möglichen Formen spielt. Die Haut dick, fest, schwielig oder faßte und meist nur mit steifen Borsten besetzt. Man aßte in dieser sehr unnatürlichen Ordnung die Schweine, dach ferde, Nashörner, Tapire, Rüsseltiere, Klippda se und häufig auch die Einhufer zusammen, während man andererseits die Wiederkäuer als besondere Ordnung trennte. Jetzt hat man, namentlich in Berücksichtigung der fossilen, äußerst zahlreichen Typen, deren Verwandtschaft mit diesen D. man anerkennen mußte, vor allen Dingen die Rüsseltiere einerseits und die Klippdachse (Hyrax) andererseits, ausgeschieden und innerhalb der andern zwei Reihen anerkannt, die sich wesentlich durch die Struktur der Füße unterscheiden. Die eine Reihe, die der Gleichzeher (Artiodactyla), zeichnet sich durch paarige Zehen aus, beginnt mit den vierzehigen Anoplotherien der ältern Tertiärzeit und läuft in der jetzigen Schöpfung in den Nilpferden, Schweinen und Wiederkäuern aus. Die andere, die der Ungleichzeher (Perissodactyla), mit unpaar gebildeten Zehen, beginnt ebenfalls in den ältern Tertiärschichten mit Palaeotherium und setzt sich durch die Tapire und Nashörner bis in die Einhufer fort. Bei beiden Reihen ist die fortschreitende Reduktion der Zehen merkwürdig, die allmählich bei den Gleichzehern auf der Mittel⸗ und vierter Finger) schwinden, wie bei en Wiederkäuern, während bei den Ungleichzehern nur der Mittelfinger (Pferde) übrigbleibt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 314Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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