FeedEdin Ug Warbement von Schottland
ErdkundeBrockhaus 1882

Edin Ug Warbement von Schottland, sowie Municipalstadt, Parlamentsborough und Hauptort der schott. Grafschaft Mid-Lothian (s. d.), liegt auf drei parallelen, durch tiefe Schluchten getrennten Höhenrücken und besteht aus der Altstadt auf der mittlern, zugleich höchsten und schmalsten Höhe, einst vom Adel, jetzt von den untersten Klassen bewohnt, dem St. Leonhardshill auf der Südseite, wo die Mittelklassen und die Arbeitsleute wohnen, und der Neustadt auf der Nordseite, wo die reiche und vornehme Welt ihren Sitz hat. Seit 1850 hat sich die Stadt sehr ausgedehnt, sodaß sie die Hafenstadt Leith (s. d.) mit einschließt, mit deren 58 196 E. die Gefamtbevölkerung E.s (1881) 286 543 Seelen zählt. Die Lage der Stadt mit den mannigfaltigsten Aussichten auf das nahe Meer, seine Inseln und Schiffe, auf die angrenzenden 2m und benachbarten Bergpartien ist einzig in ihrer Art. E. zeigt sich als eine der schönsten und Arte Leil Städte zugleich. Die Altstadt, der bevölkertste Teil, hat einige Hauptstraßen und viele enge, winkelige, sehr unreinliche Seitengassen, schlecht gebaute Häuser, die auf und an der Anhöhe über⸗ und untereinander liegen. Doch sind neuerdings viele alte Häuser abgebrochen und neue bessere Straßen angelegt worden, wodurch die Luft viel gesünder geworden ist. Ganz am östl. Ende der Hauptstraße liegt das alte düstere esidenzschloß der schott. Könige, Holyrood (s. d.), mit einer zertrümmerten Kirche, dessen Umgegend drarer dem Sahton Schuldnern ein Asyl bietet. Hinter dem Schlosse erhebt sich der 250 m hohe Felsen Arthur's-Seat, auch Scottish-Lion genannt. Rings um den Berg führt eine schöne sichere Straße The Queen's Drive. Am entgegengesetzten westl. Ausgang der 1700 m langen Highstreet (Hochstraße), deren Fortsetzung die Canongate ist, liegt auf einem 113 m hohen Felsen das alte feste Edinburgh-Castle, welches aus der Masse von modernen Gebäuden seltsam hervorragt, aber nur aus Kasernen, Arsenal u. s. w. besteht. Dabei steht die Bronzestatue des Herzogs von Nork und ein Gedenktreuz zum Andenken an einige im ind. Gengude gefallene Krieger. Andere merkwürdige Gebäude der Altstadt sind: die durch viele Anbaue entstellte Kathedrale St.⸗Giles mit einem achteckigen Turm, welche in neuester Zeit William Chambers (f. d.) auf eigene Kosten restaurieren ließ; die Kirche Tron-Church, im 17. Jahrh. im neuern got. Stile erbaut; das alte, 1632—40 erbaute und mit einer Vorderseitefacade im J. 1808 geschmückte Parlamentshaus, jetzt Sitz der obern Gerichtsbehörden; die Grafschaftshalle, eine Nachbildung des Erechtheums zu Athen; das 1789 — 1834 erbaute schöne Universitätsgebäude mit einem kolossalen Balkon, getragen von vier dor. Säulen, jede aus einem Stück bestehend; die 1761 in edelm Stile ausgeführte Börse; die Bank von Schottland; das Polizeiamt; das im J. 1879 geöffnete neue große Krantenhaus; das Haus des Reformators Knox. Vor dem Parlamentshause 14 die Reiterstatue Karls II. Der öIH parallel läuft die Cowgate (Kuhstraße), von zwei Brücken überspannt, der Brücke Georgs IV. von 1836 und der Südbrücke von 1788, einem kuühnen Bau aus einem einzigen Bogen. Südlich von der Altstadt hat sich E. sehr ausgedehnt, und schließt jetzt die Vorstädte Newington, The Grange, Bruntsfield, Morningside und erchiston mit schönen Straßen und zahlreichen Landhäusern ein. über die Thalschlucht, welche die Alt⸗ von der Neustadt trennt, früher ein See und daher noch North-Loch genannt, später ein Renamt seit 1763 entwässert und jetzt in schöne Gartenanlagen, durch welche die Eisenbahn geht, verwandelt, führt als Fortsetzung der Südbrücke die überaus belebte Nordbrücke, ein Meisterstück der Baukunst vom J. 1772, Boae 97 m lang und aus drei kühn gewölbten ogen von 2m Höhe bestehend und 1875, um die Pferdebahn darüber führen zu können, breiter gemacht, und außerdem der Mound oder Earth-Mound, früher ein mächtiger, mit einem eingemauerten Geländer eingefaßter Erdwall, MRon er mit schönen Anlagen ausgelegt. Auf diesem Mound der das Thal in einen östl. und einen westl. Teil scheidet, sieht die Royal-Institution mit dor. Säulen, daroben die Bildsäule der Königin Victoria, ferner die Nationalgalerie, und in dem östl. Garten das prachtvolle, 1840—44 errichtete gotische Denkmal Walter Scotts. Hier befindet sich auch die Die Neustadt, von der 1767 erst wenige Häuser standen, ist der Gegensatz der Altstadt und kann sich mit den schönsten Städten Europas vergleichen. Die regelmäßigen, 900 — 1200 m 15 bm und über 30 mebreiten Straßen mit ihren aus bunten Quadern elegant erbauten Häusern eie Raze, hü sich in rechten Winkeln, und große freie Plätze, hübsche Squares, Cirkus und Crescents tragen zur Verschönerung des Ganzen viel bei. Die berühmteste ist Princes-Street, mit dem 1861 erbauten prächtigen Postamte und dem 1774 — 1826 erbauten Register-House oder Generalarchiv von Schottland, vor dem das Denkmal Wellingtons steht. Die Statuen von Prof. Simpson, Allan Ramsay, 09 em Wilson, Adam Black und Dr. Livingstone, und ein Gedenkkreuz zum Andenken an Dean Ramsay sind in den Prince's-Street-Gärten. Ihre östl. Fortsetzung, Waterloo-Place, hat auf beiden Seiten Kolonnaden und führt mittels der 1815—19 erbauten Regentsbrücke über eine tiefe Schlucht nach dem 106 m deneh Caltonhill, einem seltsamen, aus Trappmasse estehenden Felsenhügel, dessen Gipfel und Abhänge mit schönen Gebäuden und Denkmälern geschmückt sind. Hier steht die N Schule (1829 eingeweiht), davor das Denkmal Robert Burns', die Sternwarte seit 1816, auf der Südwestecke das große Gefängnis, seit 1881 teilweise umgebaut, ferner das 1822 begonnene, aber unvollendet gebliebene Nationaldenkmal zur Erinnerung an die Helden von Waterloo, das eine vollständige Kopie des Parthenons zu Athen werden sollte, die Denkmäler Dugald Stewarts (eine Nachbildung des hapfairs in Denkmals des Lysikrates zu Athen), Playfairs und Nelsons. Charlotte-Square im Westen (mit der St. Georgenkirche und dem Denkmal von Prinz Albert) und St.⸗Andrew's-Square im Osten, mit vielen Banken, der 43 m hohen Denksäule Lord Melvilles und der Statue des Grafen John von Hopetown, werden durch die Georgstraße verbunden, welche mit Princes-Street parallel läuft und an dem Kreuzpunkte mit der Hanover⸗, Frederick⸗ und Castle-Street die Bronzestatuen Georgs IV., William Pitts und Dr. Chalmers' hat. Die dritte merkwürdige Parallelstraße, Queen's-Street, ist durch die nach ihr benannten Gärten vom nördl. Teil der Stadt getrennt. Im Nordwesten von ihr liegt der achteckige Moray-Place, welcher mit seinen Seitenstraßen die schönsten Wohngebäude E.s enthält. Weiter 1— führt über ein tiefes, vom Water of Leith durchflossenes Thal zur Vorstadt Dean eine schöne Brücke, 133 m lang, in der Mitte 32 m hoch, mit vier Bogen von 29 m Spannung. Eine Wasserleitung von 9 km Länge, 1829 —49 mit einem Kostenaufwand von mehr als 6 Mill. Mark erbaut, versorgt die Stadt mit Wasser von den Pentlandhügeln. Gasbeleuchtung und Straßenpflaster sind ausgezeichnet. Es gibt in E. 154 Kirchen und Kapellen der verschiedenen Religionsparteien, und in Leith 22. In der nahe dem Schlosse stehenden Victoriakirche mit einem hohen Turme (73 m) findet die Jahresversammlung der schott. Nationalkirche statt. Eine engl. Domkirche wurde in den J. 1874 —9.—9 mit einem Kostenaufwand von mehr als 2Mill. Mark gebaut. Hier feiert man, wie überall in Schottland, den Sonntag aufs strengste und in moralischer Hinsicht steht E. etwas höher als die engl. und schott. Zahl der releaidn 1483 C. kommt eine Kirche. Die ahl der religiösen Vereine ist gleichfalls sehr bedeutend. Es gibt mehrere Müssionsgesellschasten für das Ausland, für die Stadt selbst und die Hochlande, sowie Bibelgesellschaften und Mäßigkeitsvereine. Die Zahl der Armen ist groß, die Stadt aber auch mit milden Anstalten sehr gut ausgestattet. nter letztere gehören das große königl. Frankenhaus mit ungefähr 600 Betten, eine Irren⸗, eine Blinden⸗ und eine Taubstummenanstalt u. s. w. Nächst London ist E. durch seine Bildungsanstalten der An der S der geistigen Kultur Großbritann An der Spitze der gelehrten Anstalten steht 5 Universität, 1581 von Jakob VI. gestiftet. Diese hat 39 Professoren, (1882) 3340 Studenten, ein sehr bedeutendes zoolog. Museum, eine Bibliothek der Menrerd undn und genießt besonders im Fache er Medizin und der Naturwissenschaften seit lange europ. Ruf. Das Museum für Kunst und Wissenschaft, 1861 Pedie nat steht dicht an der Universität und enthält die naturwissenschaftlichen. Sammlungen und die Sammlungen von Maschinen und andern technischen Gegenständen. Das 1843 gegründete Eiudi der Freien Kirche, welches übrigens ebenfalls Studierenden jeden Bekenntnisses offen steht, hat 7 on awishen 145 Studenten und eine ibliothek von zwischen 30000 und 40000 Bänden. Guten Unterricht erteilen die im Mittelalter geründete Hochschule auf dem Caltonhill und die kademie, beibe unsern Gymnasien ähnlich. Außerdem gibt es zwei theol. Seminare, deren eins früher ein Theater war, eine Kunstschule oder Akademie der bildenden und zeichnenden Künste. Die Royal-Institution enthält die Räume der königl. Societät der Wissenschaften und des Altertumsvereins (beide burgh. log. Gesellschaft, eine — ö‚ botanische Gesellschaft mit Museum, einen Wah Verein, eine phrenol., eine astron. und eine Ackerbaugesellschaft mit Museum, ein Handwerkerinstitut, ein Gewerbemuseum, drei litterarische Institute u. s. w. E. ist auch nächst London der wichtigste Buchhändlerplatz des Reichs. Im J. 1882 gab es 104 Druckereien, und von 144 Buchhändlern waren 44 Verleger. Nächst Glasgow steht E. in Schottland an der Spitze der Tagespresse und hat 13 Zeitungen. Außer zwei mittelmäßigen Theatern, einer großen Turnhalle und einigen Konzert⸗ und Ballsälen gibt es aber nichts von öffentlichen Vergnüungsorten. Die Neigung zum Lesen und zu wissenschaftlichen Studien it hier stärker als in den übrigen brit. Städten. Wenn auch eine Menge Industriezweige teils fabrik⸗, teils handwerksmäßig betrieben werden, ist doch E. weder Fabrik-noch Handelsstadt. Feine Shawls, Kutschen, Bier, Whisky sind die hauptsächlichsten Industrieerzeugnisse. Für den Handel andelsn in C. selbst, außer der Börse und einer Handelsgesellschaft, mehrere öffentliche und Privatbanken sowie Assekuranzgesellschaften. Der eigentliche Handelsverkehr wird über den Hafen Leith betrieben. E. ist durch den Unionskanal mit Glasgow verbunden und bildet den Endpunkt von vier Eisenbahnen. Der älteste Teil der Stadt ist unstreitig das feste Edinburgh-Castle, das auch, weil die Töchter der Piktenkönige vor ihrer Verheiratung darin erzogen wurden, als Jungfernschloß, Maiden-Castle (Castrum puellarum) schon in früher Zeit erwähnt wird. Seit dem 10. Jahrh. kommt bereits die Stadt Dun Eaden, Edin oder Edwinsbury vor, allein Bedeutung erlangte dieselbe erst, als sie unter den Stuarts 1437 Residenz und um 1456 Hauptstadt Schottlands wurde. Schon 1215 wurde hier lam ersten mal und seit 1436 regelmäßig das Parament gehalten. Die Stadt wurde 1296 von den Engländern, 1313 von Robert Bruce, 1650 von Cromwell genommen und 1745 hielt sie die Belagerung des Prätendenten aus. Im J. 1701 wurde sie durch Feuer fast ganz zerstört; erst 1767 legte man die Neustadt an, und 1772 verband man diese durch die Nordbrücke mit der Altstadt. Vgl. Anderson, «X history of E.v (Edinb. 1856); Dalzel, «History of the university of E.„ (2 Bde., Edinb. 1862); Cockburn, Memorials of E. in the olden times (neuere Aufl., Edinb. 1872); Wilson, „Old and New Edinburgho (neuere Aufl., Edinb. 1882); Black, EE., with a description of the environs „ (Edinb. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 759Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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