FeedEduard IV.
GeschichteBrockhaus 1882

Eduard IV., König von England, 1461—83, Sohn aionen Herzogs von Vork, wurde 29.April 1441 zu Rouen geboren und hieß zuerst Graf von March. Als der eine Enkel Eduards III., Richard II. (s. d.), der Sohn des Schwarzen Prinzen, 1399 durch einen andern Enkel Eduards, den Sohn Johann Gaunts von Lancaster, Heinrich IV., getürzt worden war, sicherte dieser 1406 die Krone seinem Hause durch ein Statut, das auch die Nach1½½f seines ältern Oheims Lionel ausschloß. Wirklich folgte Heinrich IV. sein Sohn als Heinrich V. (s. d.) und 1422 dessen Sohn als Heinrich VI. auf dem engl. Throne. Der letztere gelangte im Alter von neun Monaten zur Krone, und im neunten Jahre ward er zu Paris als König von . gekrönt. Der Tod des Herzogs von Bedford „der die Regentschaft für den Unmündigen führte, stürzte England aufs neue in innere Zerrüttung und verursachte den Verlust der franz. Besitzungen bis auf Calais. Auch zum Mann herangewachsen, zeigte sich Heinrich sehr schwach und ließ sich un von seiner allerdings energievollen Gemahlin Margareta, der Tochter des Titularkönigs von Neapel, René von Anjou, leiten. Inzwischen hatte er die Regierung schon mehr als 30 Jahre geführt, als Richard von York, der Urenkel Eduards III. von dessen jüngstem Sohne Edmund, dessen Sohn Richard sich wieder mit einer Urenkelin Lionels vermählt hatte, mit den Waffen in der Hand seine Thronansprüche geltend machte und sich nach dem Gefechte bei St.⸗Albans im Mai 1455 zum Protektor erklärte. Hiermit begannen die vernichtenden Kämpfe zwischen den Häusern Hork und Lancaster, oder der Krieg der Weißen und Roten Rose (s. d.. Obwohl Richard selbst 24. Dez. 1460 in der Schlacht bei Wakefield fiel, wurde sein Sohn in London 4. März 1461 als König Eduard IV. ausgerufen. Schon am 29. März brachte er dem Heere Heinrichs bei Towton eine furchtbare Niederlage bei. ach diesem Siege ließ er sich krönen, ernannte seine Brüder, Georg und Richard, zu Herzögen von Clarence und Gloucester, während das Parlament seine drei Vorgänger als Usurpatoren bezeichnete und über Heinrich und dessen Familie wie über 150 Personen das Todesurteil aussprach. Unter verschiedenen Aufständen wütete Jahre hindurch das Schwert des Henkers, bis Heinrich 1465 gefangen genommen und in den Tower gebracht wurde. Durch die Verheiratung E.s mit der Tochter der Herzogin von Bedford, Elisabeth Woodville, und die Bevorzugung seiner neuen Verwandten erweckte er jedoch den Neid der Großen, besonders der Familie Nevil, zu welcher der kriegsgewaltige Graf von Warwick, Lord Montague, Gouverneur der östl. Marken, und Georg, Erzbischof von ork, gehörten. Nachdem sich noch der Herzog von Clarence mit dieser Partei verbunden und die Tochter Warwicks, Isabella, geheiratet hatte, brach der Aufstand gegen C. los, der im Nov. 1470 über Lynn nach Holland entfliehen mußte. Heinrich V. wurde nun wieder aus dem Tower auf den Thron erhoben, und ein Parlamentsbeschluß erklärte E. für einen Usurpator. Der Vertriebene kehrte jedoch schon im März 1471 durch Unterstützung seines Schwagers, Karls des Kühnen von Burgund, nach England zurück, brachte durch kluges Zögern ein Heer von 50000 Mann zusammen, zu dem auch Clarence stieß, und lieferte der Roten Rose die Schlacht von Barnet, in der Heinrich gefangen, Warwick und Montague aber getötet wurden. Gleichzeitig waren auch die Königin Margareta und ihr Sohn, Prinz Eduard, mit einem franz. Hilfskorps in England gelandet. E. schlug dieses Heer 4. Mai 1471 zu Tewkesbury, wobei ihm die Königin und ihr Sohn in die Hände fielen. Letzterer wurde in Gegenwart des Königs niedergehauen und eine Menge engl. Großen mußte nun wieder das Blutgerüst besteigen. Am 22. Mai 1471, am Tage seines Einzugs in London, befahl der blutdürstige König auch die Ermordung des unglücklichen Heinrich VI. Da jetzt E. seinen Thron für befestigt hielt, verband er sich mit dem Herzog von Burgund gegen Frankreich und ging mit einem Heere nach Calais, ließ sich aber von Ludwig XI. den Frieden und die Auslieferung Margaretas von Anjou (gest. 1482) um 50000 Kronen und ein reichliches Jahrgeld für sich und seine Räte abkaufen. Was die innere Politik betrifft, so wurde er auch darin von Habsucht bestimmt. Er verfolgte und bedrückte Adel und PaBef und erhielt dadurch reichliche Mittel zur efriedigung seines Geizes und seiner schwelgerischen Lebensweise. Sein Bruder, der Herzog von Clarence, wurde des Hochverrats angeklagt und 18. Febr. 1478 im Tower ermordet, wie es 520 nach seinem Wunsche in Malvasier ertränkt. Wenige Jahre vor seinem Ende zerfiel E. mit Schottland und auch mit Frankreich, weil die Verlobung mit seinen Töchtern gebrochen wurde. Rache sinnend starb er 9. April 1483. Er hinterließ aus seiner Ehe mit Elisabeth fünf Töchter und zwei Söhne, Eduard (V.), geb. 4. Nov. 1470, und Richard. Beide wurden, nachdem sich ihr Oheim, der Herzog von Gloucester, als Richard III. (s. d.) 26. Juni 1483 die Krone aufgesetzt, nach der Erzählung des Thomas More, einige Wochen darauf im Tower schlafend mit Betten erstickt. Delaroche und Hildebrandt haben das Schicksal der Prinzen zum Gegenstande eines Gemäldes, Delavigne zum Stoff eines Dramas gewählt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 765Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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