FeedHeinrich VII.
GeschichteBrockhaus 1882

Heinrich VII., König von England, 1485— 1509, der erste engl. König aus dem Hause Tudor, geb. 26. Juli 1456 auf Schloß Pembroke, war der Sohn Margaretas von Beaufort, Erbtochter des Hauses Lancaster (als Enkelin Johann Somersets, eines Bruders Heinrichs IV.) und Edmund Tudors, Grafen von Richmond, dessen Titel er auch führte. Nach der Vertreibung des Hauses Lancaster vom engl. Throne durch Eduard IV. aus dem Hause Hork wurde der junge Richmond von seinem Oheim, dem Grafen Pembroke, nach der Bretagne gebracht. Vergeblich forderte hier Eduard von dem Herzog Franz II. Richmonds Auslieferung. Als nachher Richard III. den engl. Thron usurpierte, richteten sich auf Richmond nicht nur die Augen der Lancastrier, sondern aller, welche den Usurpator haßten und fürchteten. Der Herzog von Buckingham, der mit dem Sturze des Tyrannen umging, brachte sogar die Verlobung Richmonds mit Elisabeth, der ältesten Tochter Eduards IV., zu Stande, wodurch gewissermaßen das Interesse der feindlichen Häuser Nork und Lancaster ausgesöhnt und das mehr als zweifelhafte Thronrecht Richmonds gestärkt wurde. Indessen mußte Buckingham seinen Plan mit dem Kopfe bezahlen, und König Richard bewarb sich selbst um die Hand der Prinzessin. Richmond entschloß sich daher zu einer entscheidenden That. Nachdem er mit Unterstützung des franz. Hofs eine Expedition von 2000 Engländern ausgerüstet, ging er zu Harfleur unter Segel und landete 6. Aug. 1485 zu Milford-Haven in Südwales, wo ihm sogleich beträchtliche Verstärkungen zufielen. Bei Bosworth stieß Richmond 22. Aug. mit Richard zusammen, dessen Heer gegen 12000 Streiter zählte, während er selbst nur 6000 Mann besaß. Im Beginn des Treffens trat jedoch Lord Stanley, der sich bisher für keine Partei entschieden, zu Richmond über, und dies verursachte die völlige Niederlage der Königlichen. Richard selbst wurde getötet. Seine Krone fanden die Sieger auf der Walstatt; sie wurde Richmond aufgesetzt und derselbe sogleich als König H. VII. von England ausgerufen. Auch das Volk und die Großen, der Tyrannei und des Bürgerkriegs müde, empfingen den neuen König mit Jubel. H. begann sogleich eine neue Verfolgung des Hauses Nork, indem er sich des jungen Grafen Warwick, des einzigen männlichen Sprößlings der Weißen Rose, versicherte. Erst nachdem er 30. Okt. gekrönt und 7. Nov. vom Parlament als König bestätigt worden, entschloß er sich zur Vermählung mit Elisabeth. Die Nation hatte den alten, unheilvollen Hader gesühnt geglaubt, aber diese Verfolgung rief allenthalben Mißvergnügte hervor. Ein Ichnoner Priester u Oxford, Simon, bewog den Sohn eines Bäckers, ambert Simnel, sich für Richard von Vork, den Sohn Eduards IV., bald darauf aber für den Grafen Warwick auszugeben. Dieser Betrüger spielte seine Rolle so trefflich, daß ihn die Großen Irlands als Eduard VI. krönten. Gefährlich wurde dieser Aufstand, als die verwitwete Herzogin von Burgund, die Schwester Eduards IV., unter dem Grafen Lincoln ein Hilfskorps nach Irland sandte, das, durch Irländer verstärkt, in England einfiel. H. schlug die Empörer im Juni 1487 bei Stoke in der Grafschaft Nottingham und rächte sich an dem gefangenen Simnel, indem er ihn als Küchenjungen in der Hofküche anstellte, während die Mitschuldigen an Geld gestraft wurden. Obschon die Politik H.s nicht kriegerisch war, wurde er doch in den Streit des Herzogs von Bretagne mit Frankreich verwickelt. Er rüstete ein starkes Heer und erschien mit demselben im Okt. 1492 vor Boulogne, ließ sich aber sogleich den Frieden (30. Nov. zu Etaples) vom König Karl VIII. durch große Summen abkaufen. Unterdessen hatte die Herzogin von Burgund gegen H., den Feind ihres Hauses, einen neuen Prätendenten in der Person eines gewissen Perkin Warbeck aufgestellt. Derselbe war während der Spannung am franz. Hofe mit königl. Ehren empfangen worden und erschien nach dem Frieden in Schottland, wo ihn König Jakob IV. als den Sohn Eduards IV. aufnahm. Zu Perkins Gunsten, der sich Richard IV. nannte, fiel Jakob sogar 1495 mit einem Heer in England ein. Doch machte er 1497 mit H. Frieden und überließ Perkin seinem Schicksal. Perkin floh nach Cornwall und unternahm mit geringem Anhange die Belagerung von Exeter. Hier wurde er ergriffen; H. ließ ihn in den Tower sperren und später wegen wiederholten Fluchtversuchs hängen. Auch Warwick, der letzte Plantagenet, ward 1499 auf Befehl des Königs hingerichtet. Den Frieden benutzte H., um das zerrüttete Reich zu ordnen, seinen Thron zu befestigen und die Grenzen der königl. Gewalt zu erweitern. Er schwächte die Macht des Adels, hob das Bürgertum und richtete namentlich sein Augenmerk auf die Entwickelung des Handels und der Schiffahrt. Sein Tod erfolgte . Richmond 22. April 1509. Vgl. Bacon von erulam, Mistoria regni Henrici VII (Frankf. 1665); Campbell, XXMaterials for a history of the reign of Henry VIIy (Bd. 1, Lond. 1873); Schanz, „Engl. Handelspolitik gegen Ende des Mittelalterso (2 Bde., Lpz. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 56Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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