FeedEduard (Karl)
GeschichteBrockhaus 1882

Eduard (Karl), Enkel König Jakobs II. (s. d.) von England und Sohn Jakob Eduards, der Prätendent genannt, war 31. Dez. 1720 zu Rom geboren, wo sein Vater unter dem Schutze des Papstes lebte und ihn dem von ihm wie dem Großvater vergeblich erstrebten Lebensziel, die Krone der Ahnen wiederzugewinnen, weihte. E. ging deshalb 1742, vom röm. Hofe unterstützt, nach Paris, wo ihm Ludwig XV. eine franz. Flotte zur Verfügung stellte, die aber teils durch einen heftigen Sturm, teils durch die Engländer unter Norris zerstört ward. Von Frankreich ohne nennenswerte Hilfe gelassen, wagte er das Abenteuer dennoch von neuem. Mit erborgtem Gelde rüstete er ein Schiff von 18 Kanonen aus und landete 27. Juni 1745 mit einigen Offizieren und 1500 Mannschaften an der nordwestl. Küste Schottlands. Hier scharten sich die Bergschotten und viele Anhänger der schott. Unabhängigkeit und der kath. Kirche um ihn. An der Spitze seines kleinen Heers eroberte er die Stadt Perth, ließ sich zum Regenten und seinen Vater zum König der drei Reiche ausrufen und zog 19. Sept. 1745 in Edinburgh ein, wo er sich mit einem Hofe und einer Regierung umgab und von Frankreich die Zusage auf baldige Unterstützung erhielt. Schon 21. Sept. 950 Wa bei Preston-Pans ein engl. Korps von 4000 Mann, nahm nach kurzer Belagerung 26. Nov. Carlisle, rückte alsdann nach Manchester vor und bedrohte London, wo seiner viele Anhänger harrten. Die engl. Regierung, die den Fein men 20 verachtete, wurde jetzt bestürzt und rief einen Teil der in Deutschland stehenden Truppen zu Hülfe. Allein schon in den ersten Tagen von 1746 ward E., in dessen Heer Mangel und Uneinigkeit herrschten, von der engl. Übermacht zurückgedrängt. Der 27.2 bei Falkirk (23. Jan.) war sein letzter; als er 27. April gegen den Herzog von Cumberland die Schlacht bei Culloden wagte, ward er geschlagen und sein Heer zerstreut. Er mußte in die Wildnisse Schottlands fliehen, wo er mit Hunger und vielen Gefahren zu kämpfen hatte. An die Kuste gelangt, flüchtete er in einem Kahn von Pölart zu Insel, von Höhle zu Höhle, denn die Ver½½ν alle Winkel, um den Preis von 30500 Pfd. St. zu verdienen, die auf den Köpf des Unglücklichen gesetzt waren. Endlich traf er bei Lochnanuagh eine der drei franz. Fregatten, die nach ihm ausgesendet waren, und 20. Sept., nachdem er fünf schreckliche Monate verbracht, verließ er das schott. Ufer und kam in gänzlicher Entblößung bei Morlaix in der Bretagne an. Durch die Verwendung der Pompadour erhielt er vom franz. Hose ein Jahrgeld von 200000 Livres und von Spanien eine Rente von 12000 Dublonen. Infolge des Aachener Friedens 1748 aus Frankreich ausgewiesen, ging er nach Spanien, unternahm später eine heimliche Reise nach London und verweilte dann in Rom bei seinem Vater, nach dessen Tode (1. Jan. 1766) er durch lächerliche Forderungen, die er unter dem Namen eines Grafen von Albany der Etikette wegen machte, sich in fortdauernde Streitigkeiten verwickelte. Deshalb begab er sich nach Florenz; allein Pius VI. rief ihn bei Verlust seiner Pension wieder zurück. Mit der Welt zerfallen, hatte er sich dem Trunke ergeben, und die Ehe, die er 1772 mit einer Prinzessin von Stolberg-Gedern (s. Albany) schloß, um sein Geschlecht nicht aussterben zu lassen, mußte 1780 wieder aufgelöst werden. Er starb in tiefer Verstimmung und Schwermut zu Rom 30. Jan. 1788 und wurde zu Frascati mit königl. Ehren begraben, wobei sein Bruder, der Kardinal von York, gest. zu Frascati 13. Juli 1807, das Totenamt hielt. Seine natürliche Tochter Charlotte Stuart (geb. 1753, gest. 17. Nov. 1789) hatte er 1785 aus Frankreich zu sich gerufen, aus königl. Machtvollkommenheit legitimiert und zur Erbin erklärt. Vgl. Pichot, MHistoire de Charles Edouard., dernier prince de la maison de Stuarto (Par. 1830); Klose, Leben des Prinzen Karlo (Lpz. 1842); Lord Stanhope, The Forty-fiven (Lond. 1851); von aul „Der Aufstand des jungen Prätendenten Karl Eduard Stuart in den J. 1745 — 465 (Lpz. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 767Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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