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GeschichteBrockhaus 1882

Egmond, ein berühmtes holländ. Geschlecht, das von dem jüngern Sohne eines fries. Königs abgeleitet wird und seinen Namen von der in der Nähe von Alkmaar in Nordholland gelegenen Benediktinerabtei E. erhalten hat. Als Schirmpögte derselben von Graf Dietrich VI. von Holland eingesetzt, bauten sich die E. daselbst gegen Ende des 11. Jahrh. eine Burg, die aber gleich der Abtei in den Unruhen des 16. Jahrh. zu Grunde ging, während drei Ortschaften noch gegenwärtig den Namen E. führen. Unter Johann II. von E. zu Anfang des 15. Jahrh. trat für das Geschlecht eine heftige Krisis ein. Johann weigerte sich nämlich, seinem Lehnsherrn, dem Grafen Wilhelm VI. von Holland, Kriegsdienste gegen seinen Schwiegervater, Johann XII. von Arkel, und gegen den Herzog von Geldern zu leisten; er entwarf sogar mit seinem Bruder Bilhelm von E. auf Mfelstein einen Plan gegen die Freiheit des Grafen Wilhelm, und beide Brüder mußten als Hochverräter mit Verlust ihrer Güter das Land verlassen. Im J. 1417, nach dem Tode des Grafen, suchten sich die E. zwar durch Waffengewalt ihres Besitzes zu bemächtigen, allein sie wurden von der Gräfin Jakobäa nochmals vertrieben, bis ihnen 1421 Johann von Bayern, i Freund und der Oheim der Gräfin, vertragsmäßig die Güter zurückverschaffte. Da die Gemahlin Johanns von E., Maria, die Tochter des letzten Arkel und die Nichte Reynalds IV., des letzten Hans C. von Geldern und Jülich, war, so hatte das Haus E. nicht nur Ansprüche auf das große Erbe des Hauses Arkel, sondern auch auf die Herzogskrone von Jülich und Geldern. In der That wurde nach dem Ableben Reynalds (1423) Arnold von E., der älteste Sohn Johanns, zum Herzog von Geldern und Grafen von Zütphen erwählt. Johann starb 1451. — Sein zweiter Sohn, Wilhelm IV. von E., erhielt nach dem Tode des Vaters alle C. Arkelschen Güter, die menn Ben Jülich und Geldern lagen. Er stand seinem Bruder in der Behauptung des Herzogtums redlich bei, wurde nach dessen Tode von Karl dem Kühnen von Burgund, dem Arnold nach Enterbung seines Sohnes Adolf seine Rechte auf Geldern und Zütphen verkauft hatte, zum Statthalter von Geldern bestellt und starb 1483. Über den Besitz Gelderns entspann sich jedoch zwischen dem Häuse Burgund und dem enterbten Adolf und dessen Sohn Karl ein langer, erst durch Karl V. geschlichteter Streit, der in der geldrischen Geschichte eine bedeutende Rolle spielt. Wilhelms IV. Sohn, Johann III. von E., noch reicher und mächtiger als seine Vorfahren, wurde 1486 vom röm. Könige Maximilian zum Grafen von E. 1—. .— Er war 32 Jahre Statthalter von Holland und starb 1516. — Ihm folgte von neun Kindern Johann IV., Graf von E., der sich 1516 mit Franziska, der Tochter Jakobs II. von Luxemburg-Fiennes, vermählte und dadurch in Frankreich und Hennegau zu ungeheuerm Besitze,‚ auch zu der Grafschaft Gavre unweit Gent gelangte, die seine Witwe 1540 zum Fürstentum erheben ließ. Er starb 1528 zu Mailand im Gefolge Kaiser Karls V. — Sein ältester Sohn und Nachfolger, Karl I., Graf von E., starb unvermählt, nachdem er dem Kaiser 1541 nach Algier Holgt zu Cartagena und hatte seinen Bruder Lamoral, Grafen von Egmond (s. d.), zum Nachfolger, nach dessen Hinrichtung 1568 die Familiengüter konfisziert und sämtliche Titel eingezogen wurden. — Der älteste Sohn des Hingerichteten, Philipp, Graf von E, ein Mann von Riesengestalt und großer Ritterlichkeit, kämpfte in seiner Jugend gegen die span. Herrschaft, erhielt aber 1577 im Frieden zu Gent die Titel seines Vaters zurück und blieb seitdem dem Katholizismus und dem König Philipp II. von Spanien ergeben. Nach kühnen Waffenthaten im Parteikriege der Niederländer ward er mit einem Hilfskorps der kath. Ligue in Frankreich beigeordnet und fiel mit seinem Häuflein Wallonen nach der tapfersten Gegenwehr 14. März 1590 in der Schlacht von Ivry gegen 1 von Navarra. — Sein Bruder, Lamoral II., Graf von E., erhielt endlich auch die zerrütteten Familiengüter zurück, mußte dieselben aber öffentlich versteigern und starb in dürftiger Lage 1617, seinem Bruder, Karl II., Grafen von E. (gest. 1620), die leeren Titel hinterlassend. Dessen Enkel, Philipp Ludwig, starb als Vizekönig von Sardinien 1682.—. ½ Franz, [Graf von E., der drittgeborene Sohn des zuletzt Genannten, ging in franz., dann in span. Kriegsdienste und starb als Brigadegeneral in Catalonien 15. Sept. 1707. Mit ihm erlosch der Hauptstamm der E. — Eine Seitenlinie der E. sind die Grafen von Büren und Leerdam, gestiftet von Friedrich von E., einem Sohne Wilhelms IV., der 1464 durch Heirat die Herrschaft Büren erwarb, die 1492 vom Kaiser zur Grafschaft erhoben ward. Friedrichs Enkel war Maximilian von E., Graf von Büren, der den Schmalkaldischen Krieg mit seinem kühnen Zuge mit der niederländ. Armee quer durch Deutschland zu Gunsten Karls V. entschied und als Generalkapitän von Friesland 23. Dez. 1548 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 779Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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