Ehreuberg (Christian Gottfr.), ausgezeichneter Naturforscher, geb. 19. April 1795 zu Delitzsch, erhielt seine Schulbildung zu Schulpforta und bezog 1815 die Universität Leipzig, wo er das Studium der Theologie begann, sich aber bald den Naturwissenschaften und der Medizin zuwandte. Seit 1816 setzte er dann seine Studien in Berlin fort. Sein längst gehegter Wunsch, eine größere Reise zu naturwissenschaftlichen Zwecken zu unternehmen, ging in Erfüllung, als die Akademie der Wissenschaften ihm und seinem Freunde Friedrich Wilhelm Hemprich (geb. 24. Jan. 1796 zu Glatz) die Mittel zu einer Reise nach Agypten und den Nachbarländern darbot, die sich 0 die Dauer von sechs Jahren verlängerte. Hemprich starb 30. Juni 1825 zu Massaua, C. selbst kehrte im Frühjahr 1826 nach Berlin zurück und wurde zum außerord. Professor der Medizin ernannt, 1827 auch als Mitglied in die Akademie aufgenommen. Hierauf begleitete er 1829 A. von Humboldt auf dessen Reise nach Asien bis an den Altai, erhielt 1839 eine ord. Professur, wurde 1842 beständiger Sekretär der Akademie und bekleidete die Professur bis zu seinem am 27. Juni 1876 in Berlin erfolgten Tode. Einen Abriß seiner ersten Reise enthalten die «Naturgeschichtlichen Reisen durch Nordafrika und Westasien in den J. 1820 — 25, von Hemprich und E.v (Bd. 1, Abteil. 1, Berl. 1828); den naturhistor. Ertrag derselben beschreiben seine KSymbolae phy33; Aviumo, Dec. I, 1828; Insectorumv, Dec. I —V, herausg. von Klug, 1829—34, und Animalium evertebratorum o, Dec. I, 1828), denen sich „Die Korallentiere des Roten Meers» (Berl. 1834) und «Die Akalephen des Roten Meerso (Berl. 1836) anschließen. Von den glücklichsten Erfolgen begleitet waren E.s mikroskopische Untersuchungen, die ihn bald vorzugsweise beschäftigten. Infolge seiner höchst scharfen Untersuchungsmethoden hat er die größten und wichtigsten Entdeckungen gemacht und ist, obgleich seine Ansichten über die innere Organisation der Infusorien später durchaus als irrig erkannt wurden, doch der Schöpfer einer wissenschaft: lichen Kunde des unsichtbar kleinen organischen Lebens geworden. Hierher gehören die Abhandlungen: „Organisation, Systematik und geogr. Verhältnis der Iufusionstterchem⸗ (Berl. 1830), Zur Erkennt-Inis der Organisation in der Richtung des kleinsten Raumss (erster und zweiter Beitrag, Berl. 1832 34) und (Zusätze zur Erkenntnis großer Organisation im kleinen Raumey (Berl. 1836, mit Kupfern), welche großes Aufsehen machten. Denselben —— E.s erstes umfassenderes Hauptwerk: «Die Infusionstierchen als vollkommene Organismen» (Lpz. 1838, mit 64 schön gestochenen, auf den vortrefflichen Handzeichnungen des Verfassers beruhenden Kupfertafeln). In ein neues Stadium traten seine Forschungen im Gebiete der Infusorienkunde, als er die Entdeckung machte, daß Gebilde jüngerer Erdschichten, wie Kieselguhr, gewisse Polierschiefer, das Bergmehl, viele Feuersteine und Kreide zum größten Teile aus zusammenhängenden Panzern gewisser „Infusorienarten bestehen. E. wurde hierdurch zu (den Untersuchungen über fossile Infusorien geführt, iber welche er zunächst in den Abhandlungen «Die Bildung des europ., libyschen und uralischen Kreidefelsens und Kreidemergels aus mikroskopischen Organismenp (Berl. und Lpz. 1839, mit Kupfern) und „Die fossilen Infusorien und die lebendige Dammerder (Berl. 1837, mit zwei Kupfern) berichtet. Dieselbe + machte er um 1841 in Bezug auf den Torfmoor, der einen großen Teil Berlins trägt. In der Abhandlung „Das Leuchten des Meerso (Berl. 1835) wies er den Grund dieser Naturerscheinung in mikroskopischen Seetieren nach. Eine ähnlich Anwendung seiner Entdeckungen machte E. in der Schrift «Passat⸗, Staub⸗ und Blutregen, ein großes organisches unsichtbares Wirken und Leben in der Atmosphäres (Berl. 1849). Als Ergebnisse seiner weitern Forschungen auf diesem Gebieteers chienen noch die Schriften: Kurze Nachrichten über 274 neubeobachtete Infusorienarten» (Berl. 1840) und (Verbreitung und Einfluß des mikroskopischen Lebens in Süd⸗ und Nordamerikas (Berl. 1842), so- wie viele Beiträge zu den «Abhandlungen» und (Monatsberichtend der berliner Akademie. In seinem zweiten Hauptwerke, der «Mikrogeologies (Lpz. 1854, mit 40 nach des Verfassers eigenen Zeichnungen gestochenen Tafeln), bringt er die geographische Verbreitung der unsichtbar kleinen Lebensformen und deren Eigentümlichkeit in allen Weltteilen von den Alpen bis zum Meer und von Pol zu Pol in der Atmosphäre und in den Meeren selbst zur übersicht. In der Abhandlung Über den Grünsande (Berl. 1855) weist er ein großes Wirken des kleinsten Lebens bis zu den am tiefsten geschichteten Gebirgsmassen nach. Mehrere andere Abhandlungen aus neuerer Zeit sind dem in den tiefen Meeresgründen existierenden Leben gewidmet. Zu diesen gehören: Über die roten Erden als Speise der Guinea-Neger⸗ (Berl. 1868), cüber die wachsende Kenntnis des unsichtbaren Lebensv (Berl. 1870), cübersicht der seit 1847 fortgesetzten Untersuchungen über das von der 9 1. 18 unsichtbar getragene organische Leben» (Berl. 1871), Nachtrag zur übersicht der organischen ADeninber rilieno (Berl. 1872), Mikrogeolog. Studien über das kleinste Leben der Meerestiefgründer (Berl. 1873) und Fortsetzung der mikrogeolog. Studien mit spezieller Rücksicht auf den Polycystinenmergel von Barbadose (Berl. 1876). Neben diesem eigentlichen Gebiete seiner Forschungen hat jedoch C. auch ferner liegende Fragen behandelt, wie dies unter anderm die Schrift über die naturwissenschaftlich und medizinisch völlig unbegründete Furcht vor körperlicher Entkräftung der Völker durch die fortschreitende Geistesentwickelung (Berl. 1842) und eine Anzahl akademischer Reden (z. B. 4Gedächtnisrede auf A. von Humboldt», Berl. 1870) bekunden.