Ehrenbreitstein oder Thalehrenbreitstein, Städtchen im preuß. Regierungsbezirk und Kreise Koblenz, am rechten Rheinufer in einer Thalwindung, am Fuße der Festung E. und an der Linie Troisdorf-Niederlahnstein der Preußischen Staatsbahn gelegen und mit der Stadt Koblenz durch eine Schiffbrücke verbunden, neben welcher seit 1864 etwas oberhalb auch eine großartige Eisenbahnbrücke die Verbindung herstellt, ist der Sitz eines Amtsgerichts und der zur Diöcese Trier gehörigen bischöfl. Delegation für sämtliche Kirchen des ostrhein. Teils des Regierungsbezirks Koblenz. Der Ort hat zwei kath. Kirchen, ein Kloster der Karlsschwestern, ein ehemaliges kurtriersches, jetzt als Proviantmagazin benutztes Dikasteriengebäude, einen schon im 14. Jahrh. genannten Sauerbrunnen und zählt (1880) mit der Festung 5700 C. und ohne die letztere 2810 E., welche Wein⸗ und Speditionshandel treiben. Es besteht noch das Haus des kurtrierschen Kanzlers Laroche und seiner als Schriftstellerin und Jugendfreundin Wielands bekannten Gattin Sophie, in welchem 1774 Goethe heitere Stunden verlebte. über der Stadt, die noch im 17. Jahrh. Moelen oder Müelen im Thale und dann kurze Zeit Philippsthal genannt wurde, erhebt sich, der Moselspitze gegenüber, auf einem steilen, 118 m uber dem Rhein und 174 m über dem Meer gelegenen Felsen die neuerdings durch vorgeschobene Erdwerke verstärkte Festung Ehrenbreitstein, nebst den gegenüberliegenden Werken von Koblenz eine der bedeutendsten Europas, zugleich mit einer der schönsten Aussichten auf das Rhein⸗ und Moselthal. Ob dieser militärisch wichtige Punkt schon von den Römern befestigt war, läßt sich nicht nachweisen. Die Burg E. soll schon 636 der Frankenkonig Dagobert dem Erzstift Trier geschenkt haben. Gewiß ist, daß Kaiser Heinrich II. dies Besitztum 1018 bestätigte. Der Erzbischof Hermann oder Hillin (1152—69 ließ die Gebäude der Burg herstellen, die Befestigungen verstärken und auf dem südl., tiefer gelegenen Vorsprunge des Felsens eine zweite Burg, den Hillin⸗ oder Hermannstein, später Helfenstein, bauen. Eine regelmäßige Befestigung des E. kam erst 1672 durch den Kurfürsten Karl Kaspar von der Leyen (1652—76) zu Stande. Durch den Kurfürsten Philipp Christoph von Sötern wurde die Festung 1631 den Franzosen in die Hände gespielt und gelangte erst w1637 wieder an die Kaiserlichen unter Johann von Werth zurück. Nach den Anordnungen des Prinzen Eugen von Savoyen wurde sie 1734 erweitert und verstärkt. In den J.199 —62 hielten sie die Franzosen besetzt. Diese blokkierten die Festung auch 1795, dann 1796 und 1797 und zwangen sie im Jan. 1799 durch Hunger nach zehnmonatiger Belagerung zur Übergabe. Infolge des Lunéviller Friedens 1801 wurde die Festung von den Franzosen gesprengt. Die Trümmer und die Stadt nebst dem dazugehörigen Amte kamen 18. Dez. 1802 als Entschädigung an die Fuürsten von Nassau-Weilburg. Peu, u des Wiener Kongresses gelangte C. an Preußen, und im zweiten Pariser Frieden wurden Frankreich für den Wiederaufbau der Bam be 15 Mill. Frs. Kriegssteuer auferlegt. Der zau begann 1816 unter der Leitung des Generals Aster und war 10 Jahre später mit einem Kostenaufwand von 8 Mill. Thlrn. meisterhaft vollendet. Südlich vom E., jenseit der Thalschlucht der Stadt, erhebt sich auf der im Zusanm Höhe das Fort Asterstein, welches im Zusammenhange mit der Festung E. die Befestigung des rechten Rheinufers bildet und durch vier vorgeschobene Werke verstärkt ist. Einige Werke östlich der Stadt schützen die letztere gegen einen Handstreich und sperren die Thalschlucht. Am westl. Abhang ist 1856 der Luisenturm erbaut und zu Ehren der Großherzogin von Baden benannt worden.