FeedEichhorn (Joh. Gottfr.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Eichhorn (Joh. Gottfr.), berühmter Theolog, Orientalist und Historiker, geb. 16. Okt. 1752 zu Dörenzimmern im Fürstentum Hohenlohe-Ohringen, wurde, nachdem er in Göttingen studiert hatte, zuerst Rektor der Schule zu Ohrdruff im Herzogtum Gotha und 1775 Professor der orient. Sprachen an der Universität zu Jena und ging 1788 in gleicher Eigenschaft nach Göttingen, wo er 1811 Doktor der Theologie, 1813 Mitdirektor der Königlichen Societät der Wissenschaften wurde, 1819 den Titel als Geh. Justizrat erhielt und 25. Juni 1827 starb. E.s erste I7 waren: «Geschichte des ostind. Handels vor Mohammedo (Gotha 1775), «übersicht der ältesten Denkmale der arab. Geschichter (Gotha 1775) und «Abhandlung über die älteste Münzgeschichte der Arabery (Jena 1776). In Göttingen widmete er sich vorzüglich der Kritik der biblischen Schriften. Die Früchte seiner Forschungen waren seine «Allgemeine Bibliothek der biblischen Litteraturp (10 Bde., Lpz. 1787—-1801), die dem früher von ihm herausgegebenen Repertorium für biblische und morgenländ. Litteraturo (18 Bde., Lpz. 1777:86) sich anschloß; seine «Einleitung in das Alte Testamente (4. Aufl., 5 Bde., Gött. 1824), „Einleitung in das Neue Testamento K Bde., Gött. 1824—27),«Einleitung in die apokryphischen Schriften des Alten Testaments (Gött. 1798) und endlich sein Commentarius in apocalypsin Joanniso (2 Bde., Gött. 1791). Durch diese Werke förderte er wesentlich die Verbreitung einer, auf die Kenntnis des biblischen Altertums und der morgenländ. Denkweise gegründeten Beurteilung der biblischen Schriften, und an sie schloß sich seine von Joh. Phil. Gabler mit Einleitung und Anmerkungen herausgegebene Urgeschichtes (2 Bde., Nürnb. 1790—93), in welcher E. die mosaische Urkunde einer kritischen Prüfung unterwarf. Ohne diesen Forschungen untreu zu werden, wie sein Werk «Die hebr. Prophetene (3 Bde., Gött. 1816—20) bezeugt, wendete er sich später mehr zum Gebiete der Geschichte und zwar zunächst zur Litteraturgeschichte. Auch entwarf er den Plan zur Herausgabe einer Geschichte der Künste und Wissenschaften seit der Wiederherstellung derselben bis zu Ende des 18. Jahrh., welche 1796 begann, und schrieb dazu eine unvollendet gebliebene Allgemeine Geschichte der Kultur und Litteratur des neuern Curopa » (2 Bde., Gött. 1796—99), gab aber später die Leitung dieses Unternehmens ab. Trerfflich gearbeitet ist seine Litteraturgeschichtes (Bd. 1, Gött. 1799; 2. Aufl. 1813; Bd. 2, 1814). Sein umfassendes Werk «Geschichte der Litteratur von ihrem Anfange bis auf die neuesten Zeitenv (6 Bde., Gött. 1805—12; Bd. 1, 2. Aufl. 1828) blieb unbeendigt. Die Reihe seiner Darstellungen aus dem Gebiete der Völkergeschichte begann er mit einer «bersicht der Französischen Revolutionv E Bde., Gött. 1797). Mit seiner «Weltgeschichtev, meist nach Gatterers Plan (3. Aufl., 5 Bde., Gött. 1818—20), beabsichtigte er, um zum Quellenstudium hinzuleiten, eine Sammlung beweisender Stellen aus den Quellenschriftstellern des Altertums und des Mittelalters, für die neuere Zeit eine Auswahl der wichtigsten Staatsurkunden herauszugeben; es sind jedoch blos die Antiqua historia ex ipsis veterum seriptorum Latinorum narrationibus contextas (2 Bde., Gött. 1811—13) und die „(Antiqua historia ex ipsis veterum scriptorum Graecorum narrationibus contextas (4 Bde., Lpz. 1811) erschienen. Schätzbar besonders wegen der reichhaltigen Litteratur, obwohl nicht frei von Irrtümern und Fehlern, ist auch seine 4Geschichte der drei letzten Jahrhundertey (3. Aufl., 6Bde., Hannov. 1817—18). Seine letzte histor. Schrift ist die Urgeschichte des erlauchten Hauses der WelfenolHannov. 1817). Seit 1812 leitete E. auch die Herausgabe der „Göttinger gelehrten Anzeigenv.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 804Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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