FeedEichstätt
ErdkundeBrockhaus 1882

Eichstätt, ursprünglich Eistet, unmittelbare Stadt zweiter Klasse mit (1880) 7489 CE. im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken, an der Altmühl in tiefem Thale und an der Linie München-Ingolstadt-Gunzenhausen der Bayrischen Staatsbahn, in 391 m Höhe, 26 km im NW. von Ingolstadt, altertümlich gebaut, ist Sitz eines Bistums, eines Bezirksamts, eines Land⸗ und Amtsgerichts, Rent⸗ und Forstamts, hat eine königl. Studienanstalt, bestehend aus Gymnasium und Lateinschule, eine Realschule, ein kath. Schullehrerseminar, ein Priesterseminar mit bischöfl. Lyceum, eine weibliche Erziehungsanstalt Englischer Fräulein, ein Institut der Barmherzigen Schwestern, ein ansehnliches städtisches und ein Bezirkskrankenhaus, ein reich dotiertes Armenspital, die Dom-Augusto-Stiftung von Herzog August von Leuchtenberg zur Beschäftigung der Armen gestiftet u. s. w. Die vorzüglichsten Gebäude sind: die alte Kathedrale mit schönen Glasgemälden und dem Grabe des heil. Wilibald, 1259 begonnen, daran angen a die Residenz, seit 1730 der Sitz der ehemaligen Fürstbischöfe, von 1817 bis 1855 der Herzöge von Leuchtenberg, das 1444 erbaute Rathaus, die Kirche des Benediktiner-Frauenklosters der heil. Walpurgis mit den Beustgebeinen der Heiligen, unter welchen zu — Zeiten das für wunderthätig gehaltene purgisöl herabträufelt und das jetzt als Kaserne benutzte hen ich das der ehemaligen Fürstbischöfe, in welchem sich da ausgezeichnete Leuchtenbergische Naturalienkabinett befand, welches 1858 den Staatssammlungen in München einverleibt wurde. In den schönen Anlagen, 1 Em von der Stadt, stehen die Denkmäler der drei Herzöge von Leuchtenberg. Nahe der Stadt erhebt sich die ehemalige Feste Wilibaldsburg mit reizender Aussicht in die beiden Flußthäler und einem 90 mtiefen, durch Felsen gesprengten Brunnen. Dieses weit ausgedehnte Bergschloß, in der Mitte des 14. Jahrh. von dem Fürstbischofe Friedrich aus dem Hause der Burggrafen von Nürnberg erweitert, war bis 1725 Residenz der Bischöfe von E. und hatte an seinem Fuße einen berühmten botan. Garten (den hortus Eystettensis). Später wurde das Schloß Reichsfeste, als welche es ach 1796 gegen die Franzosen verteidigt wurde. Na der Säkularisation ward es in Teilen an Private veräußert, unter König Ludwig I. aber zurückgekauft und diente dann als Kaserne und Militärspital. Jetzt steht es verlassen und sieht seinem Verfalle entgegen. Die Stadt und das Bistum E. verdanken ihren Ursprung dem heil. Bonifacius, welcher den Angelsachsen Wilibald auf dem ihm von dem nordgauischen Grafen Suitger überlassenen Landgebiete 745 als *5 einsetzte. Durch die Wallfährten zu den 870 hierher gebrachten Gebeinen der heil. Walpurgis und zum Grabe des heil. Wilibald hob sich der neue Bischofssitz und erhielt schon im J. 908 Stadtrecht, Zoll⸗, Münz⸗ und Marktrecht. Im Dreißigjährigen Kriege wurde E. 1632 von Gustav Adolf, 1634 vom Landgrafen Johann von Hessen gebrandschatzt, ebenso später mehrmals (1703, 1800, 1805) von den Franzosen. Das Bistum Eichstätt hatte 1305 bei dem Aussterben der Grafen von Hirschberg deren ausgedehnte Besitzungen geerbt und sich nach und nach zu einem der reichsten Hochstifte Deutschlands emporgeschwungen. Es umfaßte 1785 ein Gebiet von 1100 Em mit 57000 E. in 8 Städtchen, 14 Marktflecken, 200 Dörfern u. s. w., hatte 250000 Fl. Einkünfte und wurde 1802 säkularisiert und der Krone Bayern eingeräumt, kam jedoch noch in demselben Jahre an den Großher og Ferdinand von Toscana, der es 1805 wieder an Bayern abtrat. Im J. 1817 ward die Stadt mit einem Teile 6u. WPenntbarnatz als freie Standesherrschaft an Eugen Beauharnais überwiesen, der davon als Schwiegersohn des Königs von Bayern den Titel eines Fürsten von E. und von der Landgrafschaft Leuchtenberg (s. d.) den Namen Herzog von Leuchtenberg erhielt. Doch verkaufte das Haus Leuchtenberg 1855 das Fürstentum an Bayern, und seine auf diesen Besitz gegründeten Rechte und Ehrenvorzüge im Königreich Bayern sind von da an erloschen. Das Bistum, welches dem Erzbistum Bamberg untergeordnet ist, wurde gemäß dem 1817 zwischen Bayern und dem Papste abgeschlossenen Konkordat und der Cirkumskriptionsbulle von 1821 neu errichtet. Vgl. Lefflad, «Regesten der Bischöfe von E. » (2 Bde., Eichstätt 1872—75). ichstett, Herzog von, s. Leuchtenberg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 807Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6