FeedEichwald (Karl Eduard)
HeilkundeBrockhaus 1882

Eichwald (Karl Eduard), verdienter Naturforscher, geb. 4. Juli 1795 zu Mitau, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte 1814 —17 zu Berlin Naturwissenschaften und Medizin. Nachdem er hierauf München, Wien, die Schweiz, Frankreich und England besucht und 1819 in Wilna sich die mediz. Doktorwürde erworben, betrat er 1821 als Privatdocent zu Dorpat die akademische Laufbahn. Im J. 1823 zum Professor der Zoologie und Entbindungskunde zu Kasan ernannt, unternahm er 1825 eine Reise zum Kaspischen Meere und in den Kaukasus bis nach Persien hin, welche eine reiche wissenschaftliche Ausbeute gewährte, die er in folgenden Werken niederlegte: Reise auf dem Kaspischen Meere und in den Kaukasuso (2 Bde., Stuttg. 1834 —37), «Alte Geographie des Kaspischen Meers, des Kaukasus und des südl. Rußlando (Berl. 1838), Plantarum novarum quas in itinere Caspio-Caucasio observavite (2 Bde., Lpz. 1831 —33), Fauna Caspio-Caucasia (Petersb. 1841) und Discours sur les richesses minérales des Proyinces occidentales de la Russied (Wilna 1835). Nach der Rückkehr folgte er 1827 einem Rufe als ord. Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie nach Wilna, von wo aus er 1829 die westl. Provinzen Rußlands und das Gouvernement Cherson bis zum Schwarzen Meere hin bereiste. Die Frucht dieser Reise war seine Naturhistor. Skizze von Litauen, Volhynien und Podolien, in geogn., mineralog., botan. und zoolog. Hinsicht entworfeno (Wilna 1830), und das bedeutende Werk: Soologia specialiso (3 Bde., Wilna 1829—31). Nach Aufhebung der Universität blieb E. als beständiger Sekretär der 1832 errichteten medico-chirurgischen Akademie zu Wilna und übernahm neben seinen bisherigen Lehrfächern noch das der Mineralogie, bis er 1837 das Katheder der Zoologie und Mineralogie an der medico-chirurgischen Akademie zu Petersburg erhielt. Von hier aus unternahm er genealogisch-paläontologische Reisen nach Nowgorod, Est⸗ und Livland, deren Resultate er in folgenden Werken veröffentlichte: Die Tier- und Pflanzenreste des alten roten Sandsteins und Bergkalks im Nowgorodschen Gouvernemente (Petersb. 1840), «über das silurische Schichtensystem in Estland v in deutscher, franz. und russ. Sprache (Petersb. 1840 —41, und schwedisch 1842 in Stockholm erschienen). Eine Professur der Paläontologie an dem petersburger Berginstitute führte ihn besonders dem Studium der vorweltlichen überreste in Rußland zu, wodurch er 1846 zu einer sechsmonatlichen geolog. Reise nach der Eifel, Tirol, Italien, Sicilien und Algier veranlaßt wurde. Auf diesem Gebiete begründete er seinen Ruf als der erste und bedeutendste Paläontologe Rußlands bereits in dem Werke: Die Urwelt Rußlandso (Petersb. 1840 — 47), wie in der Abhandlung: «über den Riesenhirscho (Mosk. 1845), namentlich aber durch seine (Lethaea Rossica ou Paléontologie de la Russie decrite et figuréer (5 Bde., Stuttg. 1853 — 68). Nach 30jährigem Staatsdienst ließ E. sich 1851 als Wirkl. Staatsrat in den Ruhestand versetzen. E. hat sich um die geognost., zoolog. und paläontologische Erforschung des russ. Reichs das größte Verdienst seit Pallas (s. d.) erworben. Mit einem Werke über die Archäologie Rußlands beschäftigt, starb er am 10. Nov. 1876 in Petersburg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 808Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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