Einsiedel, ein vielverzweigtes sächs. Adelsgeschlecht, das wahrscheinlich von den schon im 13. Jahrh. genannten Kämmerern von Gnandstein abstammt. Die ordentliche Stammreihe des Geschlechts beginnt mit Konrad von E., von dessen vier Söhnen der zweite, ebenfalls Konrad von E. genannt, 16. Juni 1426 in der Schlacht bei Aussig gefangen wurde, dann aber in das Heilige Land wallfahrtete, von wo er nach 20jähriger Gefangenschaft bei den Turkomanen 1455 zurückkehrte. Ein Großneffe desselben, Hildebrand I. von E., geb. 1435, gest. 1507, brachte den Teilungsvertrag vom 26. Aug. 1485 zwischen Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht zu Stande, durch welchen die beiden Hauptlinien des sächs. Hauses sich konstituierten. Von den drei Söhnen Hildebrands I. war der zweite, Hein⸗ — Hildebrand II. von E., geb. 1497, gest. 6. Dez. 1557, Luthers Freund und ein eifriger Beförderer der Reformation. Als der Bauernkrieg begann, setzte er sogleich auf Luthers Rat das zu zahlende Lehngeld herab. Er hinterließ neun Söhne, von denen vier, Heinrich, Haubold, Hildebrand und Abraham, die Stifter von vier Linien zu Sahlis, Scharfenstein, Gnandstein und Syhra wurden. Von diesen Linien starb die Sahlissche um 1763 aus, die drei übrigen blühen noch gegenwärtig. Der Begründer der Scharfensteinschen Linie, Haubold von E., geb. 1521, gest. 1592, übte als Kanzler der Kurfürsten August und Christian I. von Sachsen seinerzeit großen Einfluß. Durch seine Enkel spaltete sich die Linie in die beiden Häuser zu übehehen. stein und zu Wolkenburg, welche noch jetzt bestehen. Der Wolkenburger Zweig zählt eine Reihe namhafter Männer. Sein Begründer, Rudolf [Haubold von E., geb. 23. Jan. 1616, gest. 8. April 1654, ein Freund der Wissenschaften, hinterließ einen Sohn, Hans Haubold von E., geb. 1654, gest. 1. Okt. 1700, welcher die oberlausitzische Standesherrschaft Seidenberg erwarb, deren 1815 sächsisch gebliebener Anteil, Reibersdorf, seinem Besitzer seit 1831 einen Platz in der Hr „sächs. Kammer verlieh. Hans Haubold von E. hinterließ drei Söhne, deren ältester, Johann Georg „von E., geb. 24. Mai 1692, gest. 17. Jan. 1760 als königl. poln. und kurfürstl. sächs. Hofmarschall, von dem sächs. Reichsvikariat 9. Sept. 1745 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Seine beiden Söhne sind die Stifter zweier Zweige der gräfl. Linie, eines ältern und eines jüngern, geworden. a) Den ältern Zweig u Seidenberg-Reibersdorf) stiftete Graf Johann Georg Friedrich von E., geb. 18. Dez. 1730, gest. 21. Juli 1811, 1763 auf kurze Zeit sächs. Kabinettsminister. Er hinterließ zwei Söhne. Der ältere derselben, Graf Georg von E., geb. 5. Aug. 1767, gest. 3. April 1840, längere Zeit bevollmächtigter Minister am russ. Hofe, starb kinderlos, weshalb die Standesherrschaft an seinen üngern Bruder, Graf Heinrich von C., geb. 19. Aug. 1768, gest. 25. Mai 1842 als Oberschenk zu Dresden, kam, der jedoch das Lehn seinem Sohne, dem Grafen Kurt Heinrich Ernst von E., geb. 14. März 1811, dem gegenwärtigen Haupte der ältern gräfl. Linie und als solches Mitglied der Ersten sächt Kammer, überließ. b) Den jüngern gräfl. Zweig, welcher die Herrschaften Wolkenburg und Mückenberg besitzt, stiftete Graf Detlev Karl von E., der zweite Sohn des Grafen Johann Georg, geb. 27. Aug. 1737, gest. 17. Dez. 1810, sächs. Konferenzminister (bis 1777) und Wirkl. Geheimrat. Dessen jüngster Sohn, Graf Detlev von E., geb. zu Wolkenburg 12. Okt. 1773, wurde nach kurzer Vorbereitung in untergeordneten Dienstverhältnissen Geh. Finanzrat, dann Kreishauptmann des Meißnischen Kreises und 14. Mai 1813 Kabinettsminister und Staatssekretär der innern Angelegenheiten und zugleich mit der Leitung des auswärtigen Departements beauftragt. Er begleitete den König im Okt. 1813 nach Leipzig, folgte diesem nach Berlin und später nach Preßburg, und leitete die Unterhandlungen während des Wiener Kongresses. Nach Erledigung der Oberkammerherrnstelle übernahm er auch die Oberaufsicht über die wissenschaftlichen und Kunstsammlungen in Dresden. Nach König Friedrich. Augusts I. Tode stieg sein Einfluß um so mehr, als König Anton bei Lebzeiten seines Vorgängers allen Regierungsgeschäften fremd geblieben war. Seine Opposition gegen alle Reform, Hinneigung zur pietistischen Partei und eigenmächtige Handlungsweise machten ihn sehr unpopulär, sodaß er in den Septemberbewegungen von 1830auf den Wunsch des Königs seine Entlassung nahm und sich auf seine Güter zurückzog, wo er 20. März 1861 starb. Haupt dieser Linie ist Graf Karl Friedrich von E. auf Wolkenburg, geh. 27. Juni 1834, k. k. Kämmerer und Major. Dem nicht gräfl. Zweige der Scharfensteiner Linie gehörte an Friedrich Hildebrand von E, geb. 30. April 1750 zu Lumpzig bei Altenburg, Präsident des Appellationsgerichts zu Jena, Wirkl. Geheimrat und Oberhofmeister der Großherzogin Luise von Sachsen-Weimar, ein Mann von Geist, der dem weimarischen Kreise der Dichter und Denker angehörte. Er schrieb Schauspiele und Operetten und wetteiferte in Liedern, Novellen und ästhetischen Aufsätzen mit den großen Meistern jener Zeit; auch bearbeitete er mehrere Stücke Calderons für die weimarische Bühne, gab anonym «Grundlinien zu einer Theorie der Schauspielkunsto (Lpz. 1797) heraus und lieferte eine freie, metrische übersetzung des Terenz (2 Bde., Lpz. 1806). C. starb 9. Juli 1828. insiedeln, berühmtes Benediktinerstift im schweiz. Kanton Schwyz und einer der besuchtesten Wallfahrtsorte in Europa, 910 m über der Meeresfläche, ist östlich und westlich von zwei Reihen Bergen umschlossen; südlich öffnen sich das Alpthal und das Sihlthal. Die Straße nach dem Berge Ezel und nach Rapperswyl führt über die Sihl mit der sog. Teufelsbrücke und vorher an dem Hause vorbei, wo Theophrastus Paracelsus geboren sein soll. Das Kloster, in einem finstern und früher weit ausgedehnten Walde, gegen Mitte des 9. Jahrh. geründet, im Laufe der Zeit bis ins 16. Jahrh. herad wiederholt ganz oder teilweise durch Feuer zerstört, wurde 1704—19 im ital. Stil aufgeführt und bildet mit den Ringmauern ein imposantes, 258 m langes, 255 m breites Viereck; die Kirche steht in der Mitte der Hauptfacade. Berühmt ist besonders das Gnadenbild »Maria zu den E.v, bei dem sich am 14. Sept. (sog. Engelweihe) die meisten Wallfahrer einfinden. Die Zahl der Kommunikanten, hauptsächlich aus der Schweiz, dem südwestl. Deutschland und dem nördl. Italien, hat in den letzten drei Jahrhunderten im Durchschnitte jährlich 150000 betragen. Das Stift besitzt eine Bibliothek von 40000 Bänden, 1190 Handschriften und 1015 Inkunabeln, und hatte bis zur helvetischen Staatsumwälzung einen sehr reichen Kirchenschatz. Rudolf von Habsburg erteilte 1274 den Abten des reichsfreien Klosters die Fürstenwürde, und schon früher machten die Kaiser des sächs. Hauses, besonders Otto d. Gr. und Heinrich II., dem Kloster sehr bedeutende Schenkungen. Bei dem Kloster, zu welchem 84 Priester, 12 Kleriker und 24 Brüder des Benediktinerordens gehören, bestehen ein Priesterseminar, ein Gymnasium mit etwa 200 und ein Lyceum mit 40 Schülern. Der Flecken Einsiedeln ist ein sehr ansehnlicher Ort mit (1880) 8383 E., der zum großen Teil aus Wirtshäusern und Schenken besteht. Die Haupterwerbszweige desselben bilden die Verpflegung der Wallfahrer und der bedeutende, sich auch nach dem Auslande erstreckende Handel mit Gebetbüchern, Heiligenbildern, Rosenkränzen, Medaillen, Kruzifixen und andern sog. Devotionalien, welcher namentlich durch das Geschäft der Gebrüder Karl und Nikolaus Benziger (s. d.) betrieben wird.