FeedHeinrich der Erlauchte
GeschichteBrockhaus 1882

Heinrich der Erlauchte, Markgraf von Meißen, war bei seines Vaters, Dietrichs des Bedrängten, Tode (1221) erst drei Jahre alt und stand anfangs unter Vormundschaft seines Oheims, des Landgrafen Ludwigs des Frommen von Thüringen, der aber 1227 starb. Hierauf begann die herrschsüchtige Mutter, Jutta, eine Schwester des thüring. Landgrafen und zum zweiten mal mit dem Grafen Poppo von Henneberg vermählt, sich mehr in die 62 Heinrich der Fromme (Herzog zu Sachse Landesangelegenheiten zu mischen. Indes wurde der junge Markgraf frühzeitig mündig erklärt, und schon 1234 heiratete er die Tochter des Herzogs Leopold von Österreich, Constantia. Seine ersten De Ptenhen. verrichtete er in dem Kreuzzuge gegen die Preußen. Bald nachher geriet er mit dem Markgrafen Johann von Brandenburg in Fehde; später aber nahmen ihn ausschließlich die thüring. Successionsangelegenheiten in Anspruch. Schon 1242 891 er vom Kaiser eine Eventualbelehnung mit hüringen und der Pfalz Sachsen erhalten. Als aber 1247 mit Heinrich Raspe (s. d.) der thüring. Mannsstamm wirklich erlosch, konnte er nur mit dem Schwerte sein Recht gegen die nähere Erbin Sophia, die Gemahlin Heinrichs II. von Brabant, sowie gegen einen andern Prätendenten, den Grasen Siegfried von Anhalt, behaupten. Viele thüring. Stände huldigten ihm 1249, und im folgenden Jahre übernahm er auch, jedoch nur im Namen von Sophias unmündigem Sohne, Heinrich dem Kinde, die Regierung von Hessen. Als indes So-Ban in Herzog Albrecht von Braunschweig einen undesgenossen erhielt, brach von neuem blutiger Streit aus, welcher nach der Schlacht bei Wettin 1263 damit endigte, daß H. Hessen an Sophias Sohn abtrat und dafür im ungestörten Besitz von Thüringen gelassen wurde. über diesen Händeln hatte er verabsäumt, nach dem Aussterben des Babenbergischen Hauses (1246) den mit seiner Gemahlin Constantia erworbenen Ansprüchen auf die Erbfolge in Osterreich Geltung zu verschaffen, und ließ sich mit einer unbedeutenden Entschädiung abfinden. Eine lange Reihe verderblicher bn Zwistigkeiten trübte seine Regierung. Er tte seinem ältesten Sohne, Albrecht dem Unartigen, Thüringen, die Pfalz Sachsen und das Pleißnerland, dem jüngern, Dietrich, die Mark Landsberg überlassen und für sich nur Meißen und die Niederlausitz behalten. Als nun Albrecht mit seinen Söhnen, Friedrich dem Gebissenen und Diezmann, in Zwiefpalt geriet, wurden auch die übrien Familienglieder und Landesteile darein versochten. Noch verwickelter aber gestalteten sich H.s häusliche Verhältnisse, als er sich nach einer zweiten, aber kinderlosen Ehe mit Agnes von Böhmen (gest. 1268) zum dritten mal mit einer Ministerialin,‚ Clisabeth von Maltitz, vermählte und dem mit dieser gezeugten Sohne, Friedrich dem Kleinen, einen Teil seines Erbes zubendete. Sein Tod erfolgte 15. Febr. 1288. H. besaß große Eigenschaf: ten, die ihn unter seinen Zeitgenossen zu hohem Ansehen erhoben. Er war tapfer, edel, gerecht, kunstsinnig, wie seine Minnegesänge bezeugen. In der Geschichte der deutschen Poesie (als Minnesinger) wird er auch als H. von Meißen erwähnt. Vgl. Tittmann, «Geschichte H.s des Erlauchteno (2 Bde., Dresd. u. Lpz. 1845—46).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 61Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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